• Andreas Laternser in seinem Homoffice-Büro.

Homeoffice-Blog: Kann anziehen, was ich möchte

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne.

«Wie geht es dir eigentlich so im Homeoffice?» Die Frage hört man in dieser Zeit öfters. Ich bin mir nicht sicher, was ich antworten soll. «Ja klar, ist voll schlimm. Mir fällt da fast die Decke auf den Kopf», höre ich mich manchmal antworten, nur um das Klischee zu bedienen. Eigentlich aber … Ich würde mich selbst als ausgeglichenen und genügsamen Menschen bezeichnen – ob mich andere auch so wahrnehmen, sei dahingestellt. Dementsprechend macht mir Homeoffice nicht sonderlich viel aus. Ich bin viel zu Hause, sehe meine Freundin oft, bekomme einen feinen Kaffee und kann anziehen, was ich möchte. Die Wege in der Wohnung sind kurz und ich habe immer alles bei der Hand.

Wenn ich ehrlich bin, war das eigentlich schon immer so. Während meiner Studentenzeit konnte ich mehrere Tage lang in meinem Zimmer und an meinem Schreibtisch sitzen. Hin und wieder habe ich mir die Zähne geputzt und Nudeln mit Pesto kann ich auch drei Tage hintereinander essen. Klar, einiges hat sich seit dieser Zeit verändert. Eine morgendliche Dusche gehört einfach zum Tagesablauf dazu – und daran halte ich auch in diesen Zeiten fest. Und auch bei den Mahlzeiten bin ich, nicht zuletzt dank meiner Freundin, anspruchsvoller geworden. Mal gibt es Fisch, dann Fleisch, mal etwas Pasta oder einfach nur einen Salat mit Feta. 
Viel schlimmer als das Homeoffice trifft mich aber im Moment, dass wir die letzte Folge unserer geliebten Serie geschaut haben. Wie sollen wir jetzt den Abend gestalten? Es ist einfach gemütlich, nach getaner Arbeit abends auf die Couch zu fallen und das TV einzuschalten. Und das nicht nur während des Homeoffice, sondern auch sonst. Aber jetzt könnten wir beispielsweise mal ein Buch lesen. Bücher haben wir zumindest einige hier, langweilig wird uns da nicht. Von Belletristik über Lyrik bis hin zu einigen Exemplaren der grossen Weltliteratur. Bedingt durch mein Studium durfte ich mich einigen dieser Werke widmen, nun stehen sie meist im Regal und setzen Staub an.

Aber um zum Thema zurückzukommen: Auf die Frage mit dem Homeoffice antworte ich ab jetzt immer mit: Es geht mir gut – denn das tut es auch. Schliesslich bin ich ja auch gesund und habe alles um mich herum, selbst Klopapier. Zudem machen wir das alles ja nicht ohne Grund, es ergibt einen Sinn. Wenn ich die Bilder von Krankenhäusern in Italien oder Spanien sehe, bekräftigt das umso mehr meine Haltung und meine Einstellung. Es geht mir gut, auch wenn ich mal einige Tage zu Hause bleiben muss. Ich liege nicht in einem Spital auf dem Gang, weil kein Zimmer mehr frei ist, und ich bin auch nicht auf ein lebenswichtiges Beatmungsgerät angewiesen. Vor diesem Hintergrund erscheinen so viele eigene Probleme plötzlich klein und unwichtig – zumindest geht mir das so. 
Genug geschrieben, jetzt muss ich mir erst mal eine Hose anziehen. Meine Freundin meinte gerade, man könne doch nicht um vier Uhr nachmittags noch in Boxershorts am Schreibtisch sitzen – da sind wir uns anscheinend uneinig. Dann mach ich mir einen leckeren Kaffee, setze mich ins Büro und arbeite, während draussen die Vögel zwitschern. Später überlege ich mir, welches Buch ich heute Abend vom Staub befreie. Es gibt wahrlich Schlimmeres. (lat)

25. Mär 2020 / 10:27
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