• Bianca Cortese mit ihren zwei Jungs.

Homeoffice-Blog: Ohne Koffein durch die Krise

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne.

Diesmal schreibt Redaktorin Bianca Cortese:

Ich sitze in der Redaktion, an einem fünf Meter langen Tisch, ganz allein. Homeoffice während zwei Tagen die Woche funktioniert bei mir leider nicht, da ich mit meinen zwei kleinen Kindern keinen geraden Satz hinbekomme, da sie ständig nach mir rufen. Nun ja, was soll ich sagen, würde ich für jedes «Mama» einen Franken erhalten, wäre ich jetzt Millionärin – und das ganz locker innerhalb einer Woche! Natürlich rufen sie auch sonst öfters nach mir, aber da sie in Zeiten von Corona nicht in der Schule und im Kindergarten, sondern zu Hause sind, ist die Situation nochmals eine ganz andere.

Anfangs dachten meine Kinder noch, es sei cool – diese Zeit werde wie Ferien. Nun ist aber Woche zwei angebrochen und meine zwei Jungs sind sich einig: Das Corona ist blöd! Mit Freunden am Telefon zu sprechen, ist halt nicht dasselbe, wie sie in der Schule zu treffen. Fussball zu spielen auf einer Wiese ist vor allem in Triesenberg, wo es immer rauf und runter geht, überhaupt nicht lustig. Sie dürfen nicht auf den Spielplatz und auch nicht mehr zu den Nachbarn. Vor allem aber können sie nicht mehr zur Ahna und die gemeinsamen Mittagessen mit ihr fallen aus. Doch wir versuchen, das Beste daraus zu machen: Letzte Woche haben sie Ahna einen Frühlingsgruss geschickt, indem sie Gänseblümchen gepflückt haben und mein Kleiner hat sich als Zuckerbäcker probiert. Dadurch hat er nicht nur ihr eine Freude bereitet, sondern auch der Nachbarin, die ihm mit einer Zitrone ausgeholfen hat.

Unter Fernunterricht konnte ich mir zunächst überhaupt nichts vorstellen, aber ich bin mittlerweile wirklich beeindruckt! Ein Lob auf diesem Weg an die Gemeindeschule Triesenberg, die diesen umgehend phänomenal aufgegleist hat. Es ist unglaublich, was die Lehrpersonen in Zeiten von Corona umsetzen, und ich finde, dass gerade dadurch das neue Fach «Medien und Informatik» eine bedeutungsvolle Dimension bekommt. Sie arbeiten mit Wochenplänen, nutzen Whatsapp, verschicken Videos und jede Lehrperson hat noch viele weitere Ideen, wie der Unterricht zu Hause gestaltet werden kann. Anfangs dachte ich, ich könnte dem allem nicht gerecht werden, und ich muss gestehen, das tue ich nicht – aber ich gebe mein Bestes. Die ganze Zeit «aufeinanderzusitzen», ist belastend und manchmal auch ganz schön nervtötend. Die Herausforderung ist noch grösser, weil ich seit Beginn der Fastenzeit auf Koffein verzichte. Das heisst, es gibt keinen Eistee und auch keine Cola (aus der roten Dose). Vor allem aber – und das ist wirklich hart – keinen Kaffee.

«Meine Kinder nehmen mich nicht für voll», erklärte ich meiner Freundin vergangene Woche am Telefon. Sie verstand sofort, was ich damit meinte. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Eine Mama kann viel, eine Lehrperson ersetzen aber definitiv nicht. Dazu fehlt uns eine gewisse Autorität, vor allem auch eine grosse Portion Geduld – so unser Fazit. Noch etwas haben wir gelernt, und zwar dass alles gut wird, auch wenn die Bedingungen im Moment anders sind. Das Lesen, Schreiben und Rechnen werden die Kinder in dieser Zeit nicht verlernen. Es nützt nichts, zu viel zu erwarten – manches ist im Moment auch wirklich «pupsegal». Wichtig ist, das jeder sein Bestes gibt und eine Fünf gerade sein lässt.  

Ich bin überzeugt, dass sich unser Nachwuchs an diese Zeit, die in die Geschichtsbücher eingehen wird, vor allem an eins erinnern wird: Dass Mama und Papa viel mehr Zeit als sonst hatten, da Verpflichtungen und Termine weggefallen sind. Darum: Versucht einander mit Gelassenheit und Humor zu begegnen und ganz wichtig – mit ganz viel Liebe! Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende. In diesem Sinne: «Hebet Sorg, luaged guat zuanand und blibet gsund!»

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23. Mär 2020 / 21:36
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