• Oliver Beck
    "Vaterland"-Redaktor Oliver Beck

Homeoffice-Blog: Erleuchtungen in der Isolation

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne.

Heute schreibt Redaktor Oliver Beck:

«Ich bin mir sicher, die meisten kennen es. Dieses Gefühlsgemisch aus Kindertagen, wenn die Familie in den grossen Sommerferien die gemeinsame Urlaubsreise antritt: Die Vorfreude darauf, Unbekanntes zu entdecken, der Übermut, der bisweilen daraus erwächst, die Aufregung, die es schwer macht, still zu sitzen, während das Auto dem Flughafen entgegendüst.

Nicht, dass mir die Aussicht auf mehrere Wochen Homeoffice eine vergleichbare emotionale Hochphase beschert hätte. Wir reden hier schliesslich immer noch von Arbeit. Aber gerade in den ersten Tagen der Verbannung in die eigenen vier Wände fühlte ich mich doch ein wenig an jene besonderen Momente früherer Lebensjahre erinnert. Und während der täglichen Telefonkonferenzen sah ich an den Gesichtern meiner Kolleginnen und Kollegen, dass sie ähnlich empfinden. Auf zur «Vaterland»-Expedition durch die Terra incognita der kollektiven Heimarbeit! Gemeinsam zu neuen Ufern!

Mittlerweile ist das Kribbeln merklich abgeklungen. Die einzelnen Rädchen greifen immer besser ineinander, Routinen beginnen, verlorenes Terrain zurückzuerobern. Wir segeln auf Kurs. Was ich in den zurückliegenden Tagen an mannigfaltigsten Erkenntnissen gewonnen habe, fasziniert und beschäftigt mich gleichwohl noch immer.

Zumindest in einem zentralen Punkt unterscheidet sich die Arbeit im Büro von jener bei mir zu Hause nicht im Geringsten: Eine feste Sitzordnung existiert nicht. Hier wie dort gilt das Prinzip der freien Platzwahl. Dessen wurde ich spätestens gewahr, als Kater Moritz es sich eines Morgens auf jenem Stuhl gemütlich gemacht hatte, den ich eigentlich als meine primäre Sitzunterlage für die kommenden Wochen auserkoren hatte. Klar, ich könnte mich nun einer weiteren – eher unliebsamen – Urlaubsreminiszenz bedienen und das umkämpfte Möbelstück einer Poolliege gleich in aller Herrgottsfrühe reservieren. Doch ich habe so meine Zweifel, dass sich der kleine Kerl davon beeindrucken liesse. Also lasse ich ihn den Schlaf der Gerechten schlafen, wo er will.

Und das tut er auch, wie er mir tagtäglich ausgiebigst demonstriert. Ich gebe es zu – meine bisherigen Vorstellungen vom Aktionsradius unseres schwarz-weissen Mitbewohners, sie liegen in Trümmern. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ein Geschöpf, das sich rühmt, einer Spezies vorzüglicher Jäger anzugehören, eine derartige Trägheit an den Tag legen kann. Doch mein Homeoffice-Dasein hat mir die Augen geöffnet.

Das Gleiche gilt freilich auch im Bezug auf mich selbst. Sofern Moritz mich gewähren lässt, arbeite ich mit direktem Blick auf die Strasse, die an unserem Wohnblock vorbeiführt. Jede noch so kleine Bewegung wird von mir dann registriert. Ich recke den Hals, spähe nach draussen, folge den vorbeispazierenden Menschen mit meinem Blick. Nie wieder werde ich mich über neugierige Rentner amüsieren, die hinter dem leicht beiseite geschobenen Vorhang hervorlinsend ihre Umgebung beobachten. In allen von uns steckte eine kleine Wundernase. Und sie wird sich offenbaren. Früher oder später.

Doch es ist nicht meine Neugier allein, von der solche Momente zeugen. Sie sind gerade in Zeiten der Isolation auch ein Dokument dessen, was ich zuvorderst bin: ein soziales Wesen. Homeoffice ist schön und gut. Aber ich freue mich auf den Moment, in dem ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen wieder von Angesicht zu Angesicht austauschen kann. Das ist für mich die Essenz des Arbeitsalltags.» (bo)

Die früheren Blogs: 

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten derzeit im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten seit einer Woche im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...

Zum Thema

Die Mitarbeitenden des Vaduzer Medienhauses arbeiten seit Montag im Homeoffice. Wie es ihnen dabei geht und mit welchen Stolpersteinen sie zu kämpfen haben, erzählt jeder Redaktor in einer Kolumne. mehr...
25. Mär 2020 / 22:59
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Fussball Challenge League, FC Vaduz - SC Kriens
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für den Match gegen Stade Lausanne-Ouchy
06.07.2020
Facebook
Top