• Das beschlagnahmte Moped verfügte über einen auffälligen Rennauspuff.  (kaposg)

«Heute werden Rennsätze fürs Mofa im Internet bestellt»

Am vergangenen Wochenende sorgte die Meldung über einen 17-Jährigen, dessen Moped 96 km/h schnell fuhr, für Aufsehen. Erwischt wurde er in Sevelen. Auch in Liechtenstein werden immer wieder Moped-Fahrer mit frisierten Mofas angehalten.
Vaduz. 

 

In der vergangenen Woche erhielt die Kantonspolizei St. Gallen einige Anrufe, dass ein Töffli Autos überhole oder gleich schnell wie diese fahre. Am Freitagmorgen konnte der Töffli-Fahrer, ein 17-jähriger Jugendlicher, in der Bahnhofstrasse in Sevelen angehalten werden. Der Augenschein ergab, dass sein Moped «verschiedene Änderungen» aufwies, wie die Kantonspolizei St. Gallen mitteilte. Bei der technischen Überprüfung bestätigte sich die Vermutung der Polizei: Das Töffli läuft schneller als erlaubt – nämlich 96 km/h. «In den vergangenen zehn Jahren war dies das schnellste Moped, das wir aus dem Verkehr gezogen haben», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage. Anwohner haben nun gegenüber Schweizer Medien berichtet, dass der Jugendliche zu einer Gruppe von vier bis fünf «Töffli-Buben» gehört. Alle Mopeds seien etwa gleich schnell.

Aber nicht nur in der Schweiz schrauben Jugendliche gerne an ihren Mofas herum. Auch in Liechtenstein werden immer wieder Moped-Fahrer kontrolliert, die mithilfe kleiner Änderungen eine Leistungssteigerung bei ihren Zweirädern erzielen.

«Technische Überprüfungen bei Mofas werden veranlasst, wenn wegen akustischer oder visueller Wahrnehmung der Verdacht einer technischen Abänderung besteht», erklärt Sibylle Marxer, Mediensprecherin der Landespolizei. Die beschlagnahmten Mopeds werden der Motorfahrzeugkontrolle übergeben, die Geschwindigkeitsmessungen durchführt. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt sowohl in der Schweiz wie auch in Liechtenstein bei 30 km/h mit maximal 50 Kubik Inhalt. «Immer wieder erhalten wir Mopeds zur technischen Prüfung. Im Vergleich zu Autos oder Motorrädern handelt es sich aber eher um einen geringen Anteil», sagt Patrick Büchel, Abteilungsleiter Technik bei der MFK. Wie viele Töffli im Jahr einer technischen Überprüfung unterzogen werden, könne nicht genannt werden. «Es gibt mal mehr und mal weniger Mofas auf Liechtensteins Strassen», so Büchel. 

Einen wechselnden Trend konnte Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, in den vergangenen Jahren ebenfalls beobachten: Bis vor wenigen Jahren seien Töffli beinahe komplett von den Strassen verschwunden gewesen. «Auf den Pausenhöfen der Schulen standen keine Mopeds mehr. Fahrräder lagen stattdessen im Trend», erklärt Krüsi. Dementsprechend waren weniger frisierte Mofas im Umlauf. Seit einiger Zeit haben laut dem Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen  die Mopeds aber wieder an Beliebtheit gewonnen. «Hierzu trugen unter anderem die Medien bei. Vor allem im Fernsehen rücken Mofas wieder vermehrt in den Fokus». 

Geldstrafe oder gar Führerscheinentzug drohen
Auf den aktuellen Fall aus Sevelen bezogen, meint Büchel sich nicht daran erinnern zu können jemals ein Moped mit 96km/h auf der Rolle gemessen zu haben. Zur Überprüfung der Geschwindigkeit nutzt die MFK entweder eine Rolle, auf der das Hinterrad des Töffli platziert wird, oder ein geeichtes GPS-Gerät, das auf einer Fahrt auf der Strasse zum Einsatz kommt.
«Die Höchstgeschwindigkeit ist bei dieser Messung nicht relevant. Zu schnell ist zu schnell», so Büchel von der MFK. Gemessen werde die Höchstgeschwindigkeit aus Sicherheitsgründen nicht, wie Sibylle Marxer sagt: «Die Mofas sind nicht für solch hohe Geschwindigkeiten ausgelegt».

Nach der technischen Prüfung verfassen die MFK-Zuständigen einen Rapport, welcher der Landespolizei sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt wird. «Nach geklärtem Sachverhalt stellt die Staatsanwaltschaft einen Strafantrag beim Landgericht. Die Folge kann eine Geldstrafe sein», erklärt die Mediensprecherin der Landespolizei. Bussen werden von der Polizei keine ausgesprochen, sie dürfen aber das Moped oder die illegalen Teile einziehen. Des Weiteren ist auch ein Führerscheinentzug möglich, wie Büchel erklärt: «Je nach Abschätzung des Gerichts, ob andere Gesetzesübertretungen stattgefunden haben oder ob eine Gefährdung bestand, wird über den Einzug des Führerausweises und dessen Dauer entschieden».

Früher mussten Jugendliche Geschick beweisen
Aus langjähriger Erfahrung weiss Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen, dass sich die Art des Frisierens in den vergangenen Jahren stark veränderte. «Vor 25 Jahren haben die Töffli-Buben mit einfachem handwerklichem Geschick eine Leistungssteigerung bei den Mopeds erzielt». Heute haben Jugendliche mehr Geld und sie können auf das Internet zurückgreifen. «Ein Rennsatz ist somit schnell bestellt. Dafür muss man mit der Materie nicht vertraut sein, da den Teilen Anleitungen beiliegen», erklärt Krüsi. Auch im Falle des 17-Jährigen sind aus dem Internet bestellte Teile zum Einsatz gekommen. (jka)

31. Aug 2018 / 21:00
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