• Häusliche Gewalt
    Da alle häufiger und ständig zu Hause sind, kann es nun vermehrt zu familiären Problemen kommen und das Risiko für häusliche Gewalt kann steigen.  (Keystone)

Häusliche Gewalt: Ein Anstieg wird erwartet

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, verbringt man die meiste Zeit zu Hause. Eine sehr schwierige Situation für viele Paare, Singles und Familien.

Spielplätze, Freizeitstätten, Restaurants – alles bis zum 30. April geschlossen, Schulen bis zum 26. April. Büroarbeitsplätze werden ins Homeoffice verlagert. Durch die von der Regierung verordneten Massnahmen verbringen nun viele Personen in Liechtenstein die meiste Zeit in den eigenen vier Wänden. 
Das Leben musste drastisch umgestellt werden, die sozialen Kontakte wurden auf ein Minimum reduziert. Durch Arbeit  im Homeoffice sitzen viele tagein, tagaus und rund um die Uhr mit dem Ehe- oder Lebenspartner und teilweise auch den Kindern zusammen. Experten warnen davor, dass diese häusliche Isolation Stress auslösen kann und dass mit erhöhtem Stress und Druck auch das Risiko für häusliche Gewalt steigen könnte. Wie seitens der «Dargebotenen Hand» zu erfahren war, sind in den vergangenen zwei Wochen unter der Nummer 143 fast 2000 Anrufe wegen des Coronavirus eingegangen – zahlreiche wegen häuslicher Gewalt. 

Fachleute rechnen mit Zunahme an Gewalt
Bei der Informations- und Beratungsstelle für Frauen (Infra) laufen die Drähte noch nicht heiss: «lm Moment erreichen uns noch nicht mehr Anfragen als sonst, aber wir rechnen in der nächsten Zeit damit», sagt Petra Eichele von der Infra auf Anfrage. Derzeit würden jedoch nur telefonische Beratungsgespräche durchgeführt oder Auskünfte per E-Mail erteilt. Jeweils eine Person sei im Büro, um Telefonate entgegenzunehmen und die Nachrichten auf dem Anrufbeantworter abzuhören. «Der Rest arbeitet im Homeoffice», so die Geschäftsführerin. Eine erhöhte Nach-frage werde sonst meist nach Weihnachten und auch nach den Sommerferien verzeichnet. Meiste gehe es um Fragen betreffend Trennungen und Scheidungen. «Wir gehen fest davon aus, dass auch dies nach der Coronakrise der Fall ist, da man häufiger und vor allem ständig zu Hause ist und Konflikte dann umso mehr aufbrechen. Wir rechnen auch mit einem Anstieg der häuslichen Gewalt.» 
Nicht nur die Infra, auch das Frauenhaus bietet Hilfe an. «Wir sind weiterhin rund um die Uhr für von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder telefonisch erreichbar und bieten anonym und kostenlos Beratungen an», so Jasmine Andres-Meier. Bis zum heutigen Zeitpunkt sei beim Frauenhaus Liechtenstein noch keine Zunahme an häuslicher Gewalt feststellbar. «Jedoch gehen wir Fachleute davon aus, dass es zu einer Zunahme kommen wird.» Jede einzelne Person könne in dieser Zeit mithelfen, indem sie genau hinhöre und auch reagiere, falls sie oder er in der Nachbarschaft häusliche Gewalt mitbekommt. «Wer einen Vorwand braucht, kann bei den Nachbarn anklopfen, und nach Zucker fragen.» Wer häusliche Gewalt vermutet, soll die Frauenhaus-Beratungshotline oder die Polizei unter 117 anrufen.  

Bei Verdacht soll  Polizei informiert werden
Bezüglich Zunahme von häuslicher Gewalt kann die Landespolizei aufgrund der kurzen Zeitspanne noch keine relevanten Aussagen machen. «Bislang gab es keinen Anstieg der Einsätze wegen häuslicher Gewalt zu verzeichnen», so Mediensprecherin Sibylle Marxer. Natürlich gebe es immer wieder Auseinandersetzungen, zu welchen die Landespolizei gerufen werde. Diese würden sich aber im normalen Rahmen halten. Die Landespolizei ist sich aber bewusst, dass die aktuelle Situation auch zu Spannungen in Familien und Beziehungen führen kann, die dann in Gewalt münden können. «Die Landespolizei beschäftigt sich daher intern mit dem Thema der polizeilichen Reaktion auf häusliche Gewalt im Corona-Kontext», so Marxer. Alle Feststellungen, die eine strafbare Handlung darstellen, sollten der Landespolizei gemeldet werden. «Dies gilt aber nicht nur in dieser Zeit des Coronavirus, sondern ist während des ganzen Jahres wichtig», ergänzt die Mediensprecherin. Die Kampagne «Bei Verdacht – Anruf!» solle die Bevölkerung motivieren, verdächtige Feststellungen der Landespolizei jederzeit zu melden.

Alkohol wirkt wie Brandbeschleuniger
«Wir nehmen bisher keine Zunahme von häuslicher Gewalt wahr und hoffen sehr, dass es so bleibt», sagt Hansjörg Frick vom Verein für Männerfragen (VfM). Im Moment sei es wohl so, dass ein «äusserer Feind», nämlich das Coronavirus, die Bedrohung darstelle. Diese «Bedrohung von aussen» könne familieninterne Konflikte auch relativieren. Einerseits sei das auch eine Chance, was bedeuten würde, dass es weniger Konflikte geben könnte. «Andererseits sind gerade Eltern schulpflichtiger Kinder zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Ihre Kinder sind länger zu Hause und die Eltern nehmen im Kontext der Beschulung einen stärkeren Auftrag wahr», so Frick. Vielleicht sogar einen zu hohen?», stellt Frick fragend in den Raum. 
Wohnen Familien oder Paare in kleineren Wohnungen, sei das Risiko für einen Konflikt höher. Ebenso, wenn Alkohol im Spiel sei. «Hierbei kann es hilfreich sein, sich ins Bewusstsein zu rufen, dass Alkohol das Immunsystem schwächt und man so anfälliger für das Coronavirus wird», warnt Frick. Bedrohte wie Betroffene von häuslicher Gewalt könnten sich jederzeit beim VfM melden. Häusliche Gewalt sei jedoch ein Faktor von vielen, der im Kontext des Coronavirus im Blick behalten werden müsse. «Wir tun dies unsererseits, indem wir das Familien- und Väterhaus so weit wie möglich aufrecht erhalten.» Der VfM könne jedoch nur Menschen aufnehmen, welche einen aktuellen negativen Test hätten. «Dies können Männer, Väter, Kinder und notfalls auch Frauen sein», so Frick. 
Ausserdem biete die Fachstelle Beratungen weiterhin ohne Unterbruch an. Der VfM halte sich dabei an die Weisungen der Regierung. «Wir legen Wert auf körperliche Distanz und die Beratung erfolgt stärker mittels Telefon, Chat und E-Mail», so Frick. Wo es wichtig sei, fänden auch persönliche Treffen statt. Allerdings mit nur maximal drei Personen, wodurch ausreichend Distanz gewährleistet werden könne. Diese Treffen seien insbesondere für Menschen wichtig, die psychische Probleme hätten, am Anschlag seien und nicht mehr weiter wüssten. «Aber auch für Paare, die beim Thema Scheidung angelangt sind und zusammen einen begehbaren Weg suchen wollen.» (bc)

 

Infos, telefonische Beratungen und Hilfestellungen

Infra
Die Infra ist eine Informations- und Beratungsstelle für Frauen. Die Dienstleistungen und Beratungen sind vielseitig und anonym und richten sich nach den Bedürfnissen. Die Infra engagiert sich für die Chancengleichheit von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen.

Infra, Landstrasse 92, Schaan, Tel. +423 232 08 80, E-Mail: info@infra.li, www.infra. li
Frauenhaus Liechtenstein
Das Frauenhaus Liechtenstein berät und unterstützt Frauen und deren Kinder bei körperlichen, psychischen oder sexuellen Gewalterfahrungen in der Ehe, Lebensgemeinschaft oder im familiären Umfeld. 

Frauenhaus Liechtenstein, 
Tel. +423 380 02 03, E-Mail: info@frauenhaus.li, www.frauenhaus.li

Verein für Männerfragen
Der VfM bezweckt die Bewusstseinsbildung für die verschiedenen Facetten des Mann-Seins im Rahmen der gesellschaftlichen Veränderungen sowie die Entwicklung entsprechender Angebote. 

Fachstelle Verein für Männerfragen, Feldkircherstrasse 50, Schaan, Tel +423 794 94 00, 
E-Mail: info@maennerfragen.li, www.maennerfragen.li

25. Mär 2020 / 07:00
Geteilt: x
3 KOMMENTARE
kann es .. zu ... Problemen kommen und das Risiko .. kann steigen
Hervorragend.
Kann es, oder auch nicht. Wie wir sehen, eher nicht. Oder gar nicht.

Eine tolle Gelegenheit, sich mal wieder wichtig zu machen?
Um Daseinsberechtigung ringen, weil Probleme erfunden werden, die in der behaupteten Dimension gar nicht existieren, aber für die Wehklagenden einträgliche Pöstchen in der warmen Stube schaffen?

Zitat: "gehen wir Fachleute davon aus".

WIR Fachleute? Wodurch legitimiert? Wodurch qualifiziert?

Fachleute für Bargeldverbot, Fachleute für Hirschabschlachtung, Fachleute für Fahrradfetisch und Industrieabschaffung haben wir schon genug, da brauchts keine Fachleute für gesellschaftliche Behauptungen mehr.
Höchstens für alberne Gangarten (silly walks, Monthy Python).

Letztlich gleicht das Feministinnenpropaganda ohne Bezug zur hiesigen Realität und ist eine pauschale Verunglimpfung der Männer, die unter Generalverdacht gestellt werden.

Markus Meier hat das im Leserbrief mustergültig auf den Punkt gebracht.
Schluss damit und wichtigeres berichten!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 25.03.2020 Antworten Melden
Das ist wieder einmal Panikmache pur!
Siehe folgende Aussagen: Polizei "Bislang gab es keinen Anstieg der Einsätze wegen häuslicher Gewalt zuverzeichnen"
Beratungsstelle für Frauen (Infra): "lm Moment erreichen uns noch nicht mehr Anfragen als sonst"
"Ein Anstieg wird erwartet". Was KÖNNTE wohl sonst noch alles erwartet werden? Auch die Selbstmordrate KÖNNTE ansteigen..könnte könnte könnte .etc.ect..Immer diese Angstmacherei. "Bad News are good News" !!! "Immer dieses Kratzen, bevor es einem beisst" Mit Angstmacherei können Menschen allgemein sehr gut gefühig(er) gemacht werden. Da kommt jetzt vielleicht Arbeit auf unser "Bedrohungs-Management" zu?
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 25.03.2020 Antworten Melden
Mehr Vergewaltigungen...
Ich denke es wird auch mehr Vergewaltigungen geben da Bordelle geschlossen und Prostitution praktisch so gut wie gestoppt wurde. Man weiss wieviele Hunderttausende täglich diese sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen, und nicht nur Alleinstehende sondern noch mehr Verheiratete.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 25.03.2020 Antworten Melden

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