• Frauencafe, Gamprin
    Monica Manrique und Annica Radtke-Richter sind im Vorstand des Vereins. Er soll Frauen helfen, Anschluss zu finden.  (Tatjana Schnalzger)

Frauencafé hilft Anschluss zu finden

Das internationale Frauencafé gibt es seit 13 Jahren. Wöchentlich treffen sich Frauen aus aller Welt, wobei die Integration im Fokus steht.

Es ist Donnerstagmorgen – wie jede Woche treffen sich an diesem Tag die Frauen des internationalen Frauencafés. Sie machen Yoga am Badesee in Gamprin. Die Sonne scheint bereits kräftig vom Himmel. Mit einer kurzen Ruhepause wird die Sportstunde beendet. Nun gibt es Frühstück. «Ein Treffpunkt für Frauen aus aller Welt», lautet die Bezeichnung des Vereins. Ein Blick in die Runde verrät: Das ist kein leeres Versprechen. «Polen, Deutschland, Liechtenstein, Brasilien, Armenien, Marokko, Russland, Bulgarien, Schweden und Mexiko», zählt Annica Radtke-Richter, Hauptorganisatorin des Vereins, die unterschiedlichen Länder auf, aus denen die Frauen stammen. Sie war es auch, die vor gut 13 Jahren die Idee eines internationalen Frauencafés vorgeschlagen und umgesetzt hat. «Es gab zwar Vereine der verschiedenen Länder, aber noch keinen länderübergreifenden. Das bietet das Frauencafé.» Denn die meisten, so Radtke-Richter, schätzen die Vielfalt und den Kontakt mit Frauen aus anderen Ländern. Im internationalen Frauencafé sind Frauen jeden Alters und jeder Nationalität willkommen. Ein Mitgliedsbeitrag muss nicht entrichtet werden, sodass wirklich jede Frau Zugang hat. «Dies ist der Unterstützung der Hauptsponsoren, der Gemeinde Schaan sowie des Gemeinschaftszen-trums Resch, ausserdem der Hilti AG und Swarovski zu verdanken», betont Radtke-Richter.

Frauen hatten und haben es oft schwerer
Das Programm spricht Frauen an, weil es vor einigen Jahren hauptsächlich die Männer waren, die in Liechtenstein Arbeit fanden und es somit leichter hatten, sich zu integrieren . Die Frauen kamen mit ins Land, hatten oftmals keine Arbeit in Aussicht und fanden dadurch auch schlechter Anschluss. Durch den Verein wird das vereinfacht. Es entstehen Freundschaften und es ist bereits einige Male vorgekommen, dass die Frauen durch diese Vernetzung eine Arbeitsstelle gefunden haben.
Der Fokus des Frauencafés liegt auf Integration. Und die Basis hierfür ist die Sprache. Die Frauen können bei den Treffen Deutsch sprechen, es dadurch lernen und anschliessend über die Sprache zum gesellschaftlichen Leben hierzulande finden. «Wir möchten Mut und Selbstvertrauen aufbauen», sagt die Vereinshauptorganisatorin. Das soll mit verschiedensten Veranstaltungen erreicht werden. Ein fixer Programmpunkt ist beispielsweise, dass jeweils einmal im Monat eine Frau ihr Land präsentieren kann. Oft wird dann auch eine Spezialität aus ihrer Heimat gekocht. Das ist das Highlight von Monica Manrique. Sie ist ebenfalls im Vorstand. «Wir bereichern uns mit solchen Aktionen gegenseitig und bringen den anderen ein Stück Heimat näher», sagt sie. Daneben findet auch regelmässig das Literaturcafé statt, wo Bücher aus unterschiedlichen Ländern besprochen werden. Auch der Kinobesuch mit anschliessender Diskussion über den Film soll die Frauen animieren, Deutsch zu sprechen. Die anwesenden Frauen zählen dutzende weitere Veranstaltungen auf und geraten ins Schwärmen.

«Die Menschen hier sind sehr freundlich» 
Auf die Frage, ob es schwierig ist, sich in Liechtenstein zu integrieren, antwortet Manrique – sie stammt ursprünglich aus Mexiko: «Hier ist es wirklich schön und die Menschen sind sehr freundlich. Ich fühle mich gut integriert.» «Als Ausländer», fügt Annica Radtke-Richter an, «muss man aber oft den ersten Schritt machen.» Das ändere aber nichts an der Tatsache, dass Liechtenstein den Frauen viele Türen geöffnet hat. Wafa Gstöhl, sie war lange im Vorstand des Frauencafés und stammt aus Marokko, merkt an: «Mir ist es wichtig, Respekt zu haben, ein guter Bewohner zu sein und hier etwas zu leisten.» Und trotzdem bleibe sie anders und das sei auch gut so, denn so bringe sie etwas Neues nach Liechtenstein. Für einige Frauen bedeutet Liechtenstein die Freiheit. So beispielsweise für Astrik Hovakimyan aus Armenien. Sie erlebte die sozialistische Zeit in ihrem Heimatland.
Die Yogastunde mit anschliessendem Frühstück war der letzte Anlass vor den Sommerferien. Eine Zeit, in der es viele Frauen mit ihren Familien zurück in die Heimat zieht. In diesem Jahr wird das aufgrund der Coronakrise jedoch etwas schwieriger. Für viele ist das nicht so einfach. Das Heimweh könnte stärker werden – ein Gefühl, das alle kennen. «Heimat bleibt Heimat, egal wo auf der Welt man sich befindet», sagt Annica Richter.» Aber in Liechtenstein haben wir eine zweite Heimat gefunden. (qus)

08. Jul 2020 / 19:31
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