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    1 717 854 Quadratkilometer gross ist der US-Bundesstaat Alaska – und damit 10 736-mal grösser als Liechtenstein.  (FrankRamspott)

«Es ist sicher kein Gerücht»

In einem Brief bestätigt Fürst Hans-Adam II. ein Alaska-Kaufangebot des russischen Zaren an das Fürstenhaus. Das Fehlen eines schriftlichen Belegs wundert ihn nicht.
Alaska. 

Mit seiner Sendung «SRF bi de Lüt – Live» hatte das Schweizer Fernsehen am 17. November seinen Zuschauern das kleine Fürstentum aus unterschiedlichsten Perspektiven näherbringen wollen – und dabei auch so manchen Einheimischen erstaunt aufhorchen lassen. Insbesondere die Information, dass der russische Zar dem Liechtensteiner Fürsten Alaska zum Kauf angeboten habe, bevor das Gebiet 1867 an die USA verkauft wurde, sorgte weithin für Verwunderung und Skepsis.

Erinnerungen an Familiendiskussionen

In einem Brief an die Liechtensteiner Tageszeitungen hat Fürst Hans-Adam II. nun indes die Existenz eines solchen Angebotes bestätigt. «Es ist sicher kein Gerücht», unterstreicht er darin. Er könne sich daran erinnern, dass das Kaufangebot innerfamiliär immer wieder diskutiert worden sei. «Angesichts der Tatsache, dass kurz nach dem Verkauf Alaskas an die USA dort grosse Goldvorkommen entdeckt wurden, bedauerten einige Familienmitglieder, dass Alaska nicht gekauft wurde. Andere waren wiederum der Meinung, dass angesichts der grossen Distanz und des harten Klimas eine Erschliessung Alaskas sehr schwierig gewesen wäre.»

Dass sich der Zar zunächst an das Fürstenhaus wandte, macht für den Fürsten durchaus Sinn: «Der Fürst war sehr reich, Russland benötigte Geld, nicht zuletzt, um das riesige Sibirien zu erschliessen.» Zudem, argumentiert er, habe Prinz Franz, der spätere Fürst Franz, sehr gute Beziehungen zur Zarenfamilie unterhalten, Russisch gesprochen und in Wien ein Institut gegründet, das sich mit Russland und den slawischen Kulturen auseinandergesetzt habe. «Er war darüber ­hinaus, soweit ich weiss, auf Wunsch des Zaren eine Zeit lang der Vertreter des habsburgischen Kaisers am Hofe des Zaren in St. Petersburg.»

Auch der Umstand, dass im fürstlichen Hausarchiv bis dato keinerlei Unterlagen gefunden wurden, die sich mit dem Kaufangebot des Zaren befassen, lässt sich nach Ansicht von Hans-Adam II. «leicht erklären». Ein möglicher Grund sei der Umstand, dass der Zar sein Angebot nur mündlich unterbreitet habe und auf Seiten des Fürstenhauses daher keine schriftlichen Unterlagen verfasst worden seien.

Teile des Archivs gingen verloren

Eine sehr viel wahrscheinlichere Erklärung sieht Fürst Hans-Adam II. allerdings im partiellen Verlust des Familienarchivs am Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Teil sei verbrannt, ein anderer von sowjetischen Truppen respektive von Mitgliedern des sowjetischen Nachrichtendienstes zu Analysezwecken nach Moskau gebracht worden, schreibt er.

Die Fürstenfamilie hat mittlerweile zwar umfangreiche Archivbestände zurückerhalten, wie Fürst Hans-Adam II. erklärt. Allerdings seien diese ungeordnet gewesen und vermischt mit Beständen aus Deutschland und – «wenn ich mich recht erinnere» – aus Frankreich. «Vielleicht», meint er abschliessend, «tauchen eines Tages Dokumente auf, welche das Alaska-Kaufangebot ans Fürstenhaus auch noch schriftlich bestätigen.» (ob)

28. Nov 2018 / 00:43
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