• Gegen Stillstand, Schaan
    Gegen Stillstand in der Gleichstellungspolitik: Das Frauennetz lud zum Internationalen Tag der Frau. Das Bild zeigt Gabriela Hilti-Saleem, Verena Burtscher, Samra Beso, Birgit Netzer, Petra Eichele, Jasmin Andres-Meier, Christine Schädler, Corina Vogt-Beck, Martina Haas und Claudia Heeb-Fleck.  (Tatjana Schnalzger)

«Es braucht Druck und Hartnäckigkeit»

Die Veranstaltung des Frauennetzes Liechtenstein stand im Zeichen «gegen Stillstand und für Bewegung in der Gleichstellungsstrategie». Gabriela Hilti Saleem von der Frauenunion: «Vielleicht braucht unsere Demokratie eine beherzte Reformierung.
Schaan. 

Am 18. Dezember 1979 wird das «Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau» – kurz die Frauenkonvention – von den Vereinten Nationen verabschiedet. 1995 wurde das Abkommen in Liechtenstein ratifiziert. «Das war 14 Jahre, nachdem es Staaten wie Äthiopien oder Ruanda unterschrieben hatten», sagte Christine Schädler vom Verein Frauennetz Liechtenstein an der gestrigen Veranstaltung «Stillstand und Bewegung in der Gleichstellungspolitik» zum internationalen Tag der Frau. 
Die Aussage liess die mehrheitlich weiblichen Gäste im SAL in Schaan auflachen. Schädler war mit ihren Ausführungen nicht zu Ende. Nun machte sie einen Sprung nach vorne ins Jahr 2018, in dem ein Ausschuss umfassende Massnahmen zur Erreichung der materiellen Gleichstellung von Frauen und Männern empfohlen hatte. «23 Jahre sind seit der Ratifizierung vergangen und anhand dieses Berichts zeigt sich, dass die Empfehlungen praktisch gleich geblieben sind. Es hat sich also wenig verändert», betont Schädler. 
Dann macht sie einen weiteren Sprung an einen kalten, aber die Gemüter erhitzenden Tag im Jahr 2025. Erhitzend deswegen, weil gerade die Landtagswahlen stattgefunden hätten und sage und schreibe zehn Landtagsabgeordnete im liechtensteinischen Parlament Einzug halten dürfen. Dafür erntet sie grossen Beifall. Ein Parlament – bestehend aus einem Drittel weiblichen Abgeordneten – das ist heute Wunschdenken. Sodass das Szenario aber nicht nur Wunschdenken bleibt, sondern sobald als möglich Realität wird, dafür setzt sich unter anderem der Veranstalter des Abends, das Frauennetz ein. 
Als erster Programmpunkt jedoch wurden die Ergebnisse einer Umfrage bei der Regierung, der Landesverwaltung, den Landtagsabgeordneten sowie verschiedenen Organisationen präsentiert. Insgesamt wurden 69 Personen kontaktiert, 51 davon nahmen an der Umfrage teil. So wollte das Frauennetz unter anderem wissen, welche Massnahmen für mehr Frauen in der Politik die Befragten aktiv unterstützen würden. Es stellte sich heraus, dass alle drei Gruppierungen eine Einführung einer Gleichstellungsstrategie der Regierung unterstützen würden. An zweiter Stelle, gewünscht von zwei Gruppierungen, lag der verbindliche Massnahmenplan der Regierung zur Förderung der Gleichstellung in der Politik. 

Warum es keine Samichläusin gibt 
Als zweiter Programmpunkt kamen Vertreterinnen von neuen Frauenorganisationen in Liechtenstein zu Wort. So erklärte Claudia Heeb-Fleck vom Verein «Frauen in guter Verfassung»: «Es gibt zu wenig Frauen in der Politik, dafür kämpfen wir. Für Veränderung und Fortschritt braucht es eben Druck und Hartnäckigkeit.» Gabriela Hilti Saleem von der Frauenunion erklärte: «Vielleicht braucht unsere Demokratie eine beherzte Reformierung.» Und Martina Haas von der Sektion Frauen des Liechtensteinischen ArbeitnehmerInnenverbandes forderte ein klares Bekenntnis der Regierung zur Gleichstellung und erklärte gar, dass die Zeit reif sei für einen zweiten Frauenstreik. Und zwar genau 28 Jahre nach dem ersten. Dieser soll am 14. Juni 2019 mit einer Kundgebung und einem Strassenfest über die Bühne gehen. Welche Inhalte vermittelt werden sollen, stehe aber noch nicht fest. Das werde anlässlich eines Infoabends mit allen Beteiligten Ende März geklärt. Eine glühende kurze Rede hielt auch Jasmin Andres-Meier, die Stellenleiterin des Frauenhauses Liechtenstein. Sie forderte die Ratifizierung der Istanbul Konvention noch in diesem Jahr. Die Konvention beinhaltet die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Denn – so erklärte Andres-Meier – sei die fehlende Gleichstellung Nährboden für Gewalt an Frauen.
Der dritte und letzte Programmpunkt vor dem Apero war der Auftritt der Zürcher Slam-Poetin Lara Stoll. Wortgewandt und keineswegs verklemmt stellte sie drei Texte, ein Lied sowie ein kurzes Gedicht vor. Der erste Text war wohl der passendste des Abends, wobei die beiden anderen ebenso unterhaltsam waren. Im Text widmete sie sich der Frage, ob sie nicht Samichläusin werden könne? Wie sollte es anders sein, ist das für sie als Frau nicht möglich und als es doch möglich wird, stimmt die Bezahlung nicht, das bewegt sie zu einem Streik. Eine Analogie zur heutigen Problematik. (qus)

08. Mär 2019 / 23:00
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