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Ein «Weihnachts-Wolf» für Liechtenstein

Erstmals ist auf Liechtensteiner Staatsgebiet ein Wolf nachgewiesen worden. Am 25. Dezember 2018 tappte ein Exemplar in eine Fotofalle im Gebiet Oberes Saminatal.

Mit der Bildung des Calanda-Rudels im Jahr 2012 wurden Wölfe ein fester Bestandteil der regionalen Fauna. «Rund um Liechtenstein kommt es seither immer wieder zu Nachweisen», sagt Olivier Nägele vom Amt für Umwelt. Erst Mitte Dezember schaffte es ein Exemplar erneut in die Schlagzeilen, dem in Oberriet ein Schaf zum Opfer gefallen war. Nur das Fürstentum selbst schien das Raubtier zu meiden. Zumindest fehlte bislang ein gesicherter Nachweis. 

Bislang. Ein Schnappschuss einer für das laufende Luchsmonitoring aufgestellten Fotofalle im Gebiet Oberes Saminatal hat am 25. Dezember 2018 diesbezüglich eine neue Zeitrechnung eröffnet. Dass die Aufnahme einen Wolf zeigt, wurde mittlerweile von Fachpersonen verifiziert, wie das Amt für Umwelt gestern in einer Mitteilung informiert.

Wenige hundert Meter von der Wildtierkamera entfernt wurde demnach zudem ein totes Stück Rotwild entdeckt – mit Spuren darum herum, die laut Nägele mit grosser Wahrscheinlichkeit von einem Wolf stammen. «Das in Kombination mit dem Foto legt den Schluss nahe, dass der Wolf zumindest davon konsumiert hat.» Ob er das Tier auch erlegt habe, könne dagegen nicht mit Sicherheit gesagt werden. Gänzlich unbekannt ist derzeit noch die Herkunft des Wolfs, wie lange er sich bereits im Grenzgebiet zwischen Liechtenstein und Vorarlberg aufgehalten hat und ob sich das Tier noch immer auf Liechtensteiner Boden befindet.

Hoffnung auf DNA-Spuren
In der Hoffnung, zumindest einige offene Fragen beantworten zu können, wurde der Kadaver des Rotwilds von der Fundstelle abtransportiert. Es sei möglich, dass daran DNA des Wolfs gesichert und anschliessend im Labor untersucht werden könne, heisst es in der Mitteilung. «Im Idealfall kann damit festgestellt werden, um welches Individuum es sich handelt, wo das Tier zuvor schon nachgewiesen werden konnte und aus welchem Rudel es stammt.» Allerdings, gibt Nägele zu bedenken, befand sich der Kadaver zum Zeitpunkt der Entdeckung nicht mehr in allerbestem Zustand. Die Kälte habe ihn zwar konserviert, jedoch hätten sich bis zur Entdeckung bereits Vögel und wahrscheinlich auch Füchse daran zu schaffen gemacht. «Sehr viel Gewebe», so der Biologe, «ist leider nicht mehr vorhanden. Dafür viele Verunreinigungen.»

Eine andere Einordnung kann Nägele freilich ganz ohne DNA-Analyse vornehmen. Wenngleich der erstmalige Nachweis eines Wolfs auf Liechtensteiner Boden für Aufsehen sorge, aus wildbiologischer Sicht sei dies alles andere als eine Sensation, sagt er. «Angesichts der Präsenz des Wolfes in unserer Region war das längst zu erwarten.»

Keine Gefahr für den Menschen
Die gleiche Nüchternheit, mit der er den historischen Neuigkeiten aus dem Saminatal begegnet, legt Nägele auch bei der Lagebeurteilung an den Tag: «Es gibt keinerlei Grund, nun in übertriebenen Aktionismus zu verfallen», betont er. Von einer Gefahr für den Menschen könne gerade bei einem einzelnen Wolf – ob nun stationär anwesend oder nur auf der Durchreise – definitiv nicht ausgegangen werden. Auch im Bereich der Nutztierhaltung sieht er die Landwirte gut gerüstet. «Auch wenn das Wolfskonzept von der Regierung noch nicht beschlossen ist, fangen wir jetzt nicht bei Null an.» Bereits mit einer ordnungsgemässen Zauninstallation könne der Wolf in der Regel von einem Eindringen auf Winterweiden abgehalten werden. (bo)

08. Jan 2019 / 07:44
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