• Der Drogenhandel ist eine Maschinerie, hinter der sich viele Beteiligte verstecken. Die Drogen werden stets an Jüngere weiterverkauft. 	Bild:iStock
    Der Drogenhandel ist eine Maschinerie, hinter der sich viele Beteiligte verstecken. Die Drogen werden stets an Jüngere weiterverkauft. Bild:iStock  (Daisy-Daisy)

Jugendliche dealen in der Pause mit Drogen

Vier Jugendliche erzählen, weshalb Drogen zu ihrem Alltag gehören und wie einfach es ist, an diese heranzukommen.

Dope, Xans, MD, Ritalin, Legal Highs, Makatussin und teilweise sogar Heroin seien jene Drogen, die momentan bei Jugendlichen im Trend liegen, erzählen Sandra*, Elena* und Martina* nüchtern. Für die drei Schülerinnen im Alter zwischen 14 und 15 Jahren gehört der Konsum illegaler Substanzen unter Mitschülern und Freunden zum Alltag. «Wir kennen auch 11-Jährige, die regelmässig MD poppen», so Sandra. Auch sie hätten schon «Dope» konsumiert, geben alle drei zu.
Der Grund? «Manche wollen Aufmerksamkeit, andere haben Probleme oder wollen  besonders cool sein. Was einem die Eltern verbieten, ist halt interessant», sagt Martina. «Ein anderer Grund», fügt Sandra an, «ist der enorme Gruppenzwang innerhalb des Freundeskreises.» Macht man nicht mit, oder weigert man sich, seinen Freunden Geld zu «spesen», damit sich diese den Stoff kaufen können, wird man ausgeschlossen, gemobbt und teils sogar körperlich attackiert. «Was haben wir also für eine andere Wahl?», sagt Elena.

Cannabis und MDMA sind derzeit am billigsten
Jemanden zu finden, der ihnen die Drogen verkauft, ist schnell geschehen. Die Schülerinnen können, ohne gross nachzudenken, gleich vier Namen nennen. Und die Diskussion beginnt. Denn, wie sie erklären, seien nicht alle Dealer oder «Läufer» – jene, die die illegalen Substanzen im Auftrag der Dealer weiterverkaufen – gleich gut. «Sie haben verschiedene Preise und manchmal auch unterschiedliche Ware», sagt Sandra. Am teuersten sei derzeit codeinhaltiger Hustensaft (zum Beispiel Makatussin). «Eine Flasche kostet etwa 80 Franken. Am billigsten sind Dope und MD. Bei MD kostet eine Pille zwischen 10 und 15 Franken.» Pillenförmige Drogen sind momentan aber beliebter als Cannabis, weil sie keine «Spuren» hinterlassen. «Chillt man, schmeckt das jeder. Dass man eine Pille genommen hat, checkt niemand», meint Elena. Vor allem nicht an der Schule. Und diese sei eine der grössten Umschlagsplätze überhaupt.
Sandra erklärt: «Es gibt ein System. 18-Jährige kaufen die Drogen bei den Dealern, die sie dann an 16-Jährige weiterverkaufen und die wiederum zum Beispiel an 14-Jährige und so weiter.» So gelangen die illegalen Substanzen schliesslich an die Schulen. Laut Sandra waren es früher die älteren Schüler, die MD «gepoppt» hätten. Mittlerweile seien es aber auch viele jüngere – unter anderem auch Erstklässler der weiterführenden Schulen, da sie neugierig seien, nachfragen würden und die Älteren ihnen daraufhin ab und zu die illegalen Substanzen zum Probieren geben würden. «Beim ersten Mal ist es gratis, danach müssen sie dafür bezahlen», erklärt Sandra. 

Acht von zwölf Schülern konsumieren Drogen
«Die Schüler poppen die Drogen überall. Manche vor der Schule, andere auf dem Schul-WC oder wieder nach der Schule», erklärt Martina. Die Pause sei dann dazu da, um mit den Drogen zu dealen. «Das passiert meistens in den Gängen, weil sich die Lehrer dort nicht aufhalten und so nichts mitbekommen», sagt Martina. Auch das Schul-WC sei ein gängiger Ort, um Geld gegen Ware zu tauschen. 
Tim*, 14 Jahre alt, hat sich ebenfalls bereit erklärt, über das Thema zu sprechen. Er sagt, dass er in einer Klasse mit insgesamt zwölf Schülern sei. «Von vier Mitschülern weiss ich, dass sie keine Drogen nehmen. Alle anderen schon», sagt er. Dass sie die Drogen untereinander weiterverkaufen, sei normal, fügt Elena an. «Ich habe schon oft Deals beobachtet. Einmal zum Beispiel bin ich in einen auf dem Schul-WC geplatzt. Es waren ältere Schüler, die gedroht haben, mich zusammenzuschlagen, würde ich sie ‹snitchen›», meint Tim. Jugendliche, die andere verpfeifen, müssen mit denselben Konsequenzen rechnen, die ihnen drohen, wenn sie sich dem Gruppenzwang nicht beugen: Ausgrenzung, Prügel oder Mobbing. Das sei der Grund, weshalb keiner der Schüler etwas sagen würde. «Jeder weiss es, aber alle halten den Mund», erklärt Martina. 

«Auf Snapchat findet man alles»
Nebst dem Umschlagplatz  Schule nutzen Jugendliche heutzutage auch die sozialen Medien, um einen Drogenhandel zu vereinbaren. Snapchat – ein kostenloser Instant-Messaging-Dienst – ist laut den Jugendlichen hierzu besonders geeignet. Der Chatverlauf werde nämlich nicht gespeichert. Man müsse lediglich den Nutzernamen des Dealers eingeben und schon könne man mit ihm kommunizieren. 
«Einige der grossen Drogendealer im Land benutzen Snapchat. Sie fragen im Chat, was man will und dann kann der Treffpunkt vereinbart werden», sagt Sandra. «Auf Snapchat findet man wirklich alles», fügt Martina an. 

Die meisten Eltern wissen nichts davon
Was Drogen mit einem Menschen anstellen, erleben diese vier Schüler hautnah mit. Elena beispielsweise habe eine gute Freundin an die Drogen verloren. «Je öfter sie was gepoppt hat, desto aggressiver wurde sie. Meine Freundin hat sich sehr verändert und dann sogar angefangen, sich zu ritzen.» An diesem Punkt sei der Mutter aufgefallen, dass etwas nicht stimme. «Sie stand einmal weinend vor meiner Tür und hat mich angefleht, etwas zu unternehmen. Sie hatte Angst vor ihrer Tochter, weil diese sie geschlagen hat.» Doch zu dem Zeitpunkt hatte Elena keinen Kontakt mehr zu ihrer ehemals guten Freundin. Die Jugendlichen halten aber fest, dass die meisten Eltern nichts vom Drogenkonsum ihrer Kinder wissen. «Viele können sich zu Hause sehr gut zusammenreissen», meint Sandra. Wenn die Eltern es dann doch in Erfahrung bringen, würde sich Martina wünschen, dass diese anstatt auszurasten das Gespräch suchen und fragen würden, welche Drogen überhaupt konsumiert werden. (jka)

*Namen der Redaktion bekannt

03. Feb 2020 / 22:31
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3 KOMMENTARE
Eltern haben andere Prioritäten
Die Kinder werden ja mit 2-3 Jahren schon in die Kita abgeschoben, damit genügend Geld für 2-3 Autos und viermal Ferien vorhanden ist. Und auch später zollen die Kinder der Karrieresucht der Eltern tribut. Niemand Zuhause wenn sie aus der Schule kommen und niemand Zuhause wenn sie vom Tag erzählen möchten. Die Kinder sind doch immer im Weg. Auch am Wochenende muss mit Kollegen gefeiert und der Ausgang priorisiert werden. Also Kinder wieder im Weg. Ja dann schlafen sie halt auswärts, ist doch nicht so schlimm. Traurig solch eine Gesellschaft. Und sich dann wundern, was hier bei uns abgeht!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 04.02.2020 Antworten Melden
Drogen an Schulen?
Das war doch immer schon so. Drogen in Liechtenstein? Gibt es nicht. Drogen an den Schulen? Seit wann? Was machen da die Schulsozialarbeiter? Ach ja, NICHTS. In unserem Sauberland gab es dies NIE und wird es doch auch NIE geben. Bei uns wird doch alles unter den Teppich gekehrt an statt einmal richtig aufgeräumt. Jetzt gross durch die Press und morgen ist wieder alles vergessen. Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 04.02.2020 Antworten Melden
Blödsinn
Warum befragt man die kleinen Kinder die nur zusehen, anstatt selbst die Betroffenen zu befragen. Dieses Land trieb und zu solch Scheisse. Vorn herum Lächeln, hinten rum nur getratsche.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 04.02.2020 Antworten Melden

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