• Coronavirus - Gˆppingen
    Hamsterkäufe sind ein Ausdruck von Panikverhalten, um ein Gefühl der Kontrolle zu erlangen.  (TOM WELLER)

Die Ungewissheit belastet die Psyche

Wegen der Krise befinden sich viele Menschen in einer Art Schockzustand. Psychische Folgen werden erst mit der Normalität spürbar sein.

Die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nie eine Pandemie erlebt. Es ist eine ungewohnte Situation, in die man sich erst einfinden muss. Der Alltag vieler wurde mehr oder weniger von einem auf den anderen Tag auf den Kopf gestellt, die Ungewissheit, wie es weitergeht, ist sehr präsent. Jeder Mensch geht anders mit dieser Situation um, hat seine Mittel, um Stress abzuauen und die Angst im Zaum zu halten. Doch nicht immer gelingt das. Die Psyche kann unter den gegebenen Umständen durchaus leiden. Wie Eva Niggli, Psychotherapeutin aus Balzers, allerdings erklärt, ist bislang kein erhöhter Bedarf für eine psychotherapeutische Behandlung wahrnehmbar: «Der Ausnahmezustand besteht aber auch erst wenige Wochen und die Mehrheit der Menschen befindet sich aktuell in einer Art Schockzustand.» Allerdings fordern die stetig steigenden Anforderungen an den einzelnen Menschen schon seit vielen Jahren ihren Tribut. Sie äussern sich laut Eva Niggli in Stresssymptomen, emotionalen, familiären und beruflichen Problemen. 

Vieles hängt von der eigenen Wahrnehmung ab
Die Auswirkungen und Verarbeitung der Corona-Krise hängt indes stark von der individuellen Lebensgeschichte und den bisherigen Erfahrungen eines Menschen ab, wie etwas wahrgenommen und erlebt wird. «Es ist davon auszugehen, dass die psychischen Folgen vermehrt auftreten werden, wenn sich die Situation wieder normalisieren wird», erklärt Eva Niggli. 
Aktuell bestehe das Hauptproblem aus psychologischer Sicht darin, dass die Menschen wenig über die Krise wissen und dementsprechend auch wenig Orientierung und keine gesicherten Prognosen hätten. «Wie in jeder Krise müssen wir im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten versuchen, mit der Familie und im noch möglichen Alltag die Orientierung zu behalten», betont die Psychotherapeutin. 

In aussergewöhnlichen Zeiten kann es zu neuen Belastungen und ungewohnten Emotionen kommen. Es braucht Zeit, sich an diese neuen Umstände und Herausforderungen zu gewöhnen. Angst zu haben muss allerdings nicht zwingend etwas Schlechtes sein – selbstverständlich, solange diese nicht Überhand gewinnt. Wie Eva Niggli erklärt, seien negative Gefühle wichtige Hinweisschilder: «Sie warnen uns vor etwas. Die Angst warnt uns vor Bedrohung und Gefahr.» 
Zum Ausdruck kommt die Angst körperlich zum Beispiel durch schnelleres Atmen, Muskelanspannung, Herzklopfen und durch Schweissausbrüche. Mental-psychisch zeigt sie sich wiederum mit negativen Gedanken, Sorgen, Konzentrationsproblemen und einer Unfähigkeit zum Handeln. «Bei realen Gefahren hilft uns die Angst, vorsichtig zu sein und uns vor der Bedrohung zu schützen», erklärt die Psychotherapeutin und betont: «In der aktuellen Situation ist damit verbundenes Verhalten sehr wichtig – beispielsweise, dass die Massnahmen sowie Regeln der Fachpersonen und der Regierungen mitgetragen und eingehalten werden.» 
Die Angst entwickelt jedoch rasch auch eine sehr starke Eigendynamik und kann so das Ausmass einer Panik erreichen. Dann würden wichtige Faktoren im Umgang mit einer Bedrohung an Kraft verlieren und verloren gehen. So kann es unter anderem sein, dass ein Mensch vergisst, Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren oder das Problem gemeinsam und überlegt anzugehen. Ein Beispiel für ein solches Panikverhalten ist ein Phänomen, das in den vergangenen Tagen und Wochen über den gesamten Erdball zu beobachten war: die Hamsterkäufe. Laut Eva Niggli wird dabei mit eigenen realisierbaren Mitteln versucht, ein Gefühl der Kontrolle und Orientierung in dieser allgemeinen Verunsicherung zu schaffen.  (jka)

Tipps, um die Orientierung zu behalten
• Eine Tagesstruktur einhalten 
• Den Tag möglichst genau 
planen 
• Medien bewusst und gezielt   konsumieren
• Auf eigene Stärken besinnen
• Sich bewegen
• Die sozialen Kontakte über die elektronischen Medien pflegen
Angst warnt vor Gefahr
und hilft, vorsichtig zu sein 

Massnahmen gegen Ängste und Sorgen
• Medienkonsum beschränken
• Von Panikmachern fernhalten
• Auf Positives fokussieren
• Die Gefühle wahrnehmen
• Über die Gefühle sprechen
• Das Grübeln begrenzen
• Einfache Entspannungsübungen machen
• Daran denken, dass die Situation vorübergehen wird

30. Mär 2020 / 21:15
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
1-2 Wocheneinkauf VS. Hamsterkauf
Wenn eine 4 köpfige Familie nicht mehr jeden zweiten Tag einkaufen gehen will, sondern sich bei einem Einkauf gleich für 1-2 Wochen eindeckt, was ja durchaus dem Social-Distancing Aufruf rechnung trägt, sieht dies auch aus als würde gerade ein Hamsterkauf getätigt werden.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 31.03.2020 Antworten Melden

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