• Andreas Steinauer brennt ab Freitag im Dienste der Landesverwaltung Liechtensteins.  (pd)

Die Schnapskollekte des Ministers

Um Alkohol zur Desinfektionsmittelproduktion für die Landesverwaltung herzustellen, sollen deren Mitarbeiter alte Schnäpse spenden.

Dass ein Regierungsmitglied sämtliche Mitarbeiter der Landesverwaltung mobilisiert, um alten oder unliebsamen Schnaps zu sammeln, ist auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Vorgang. Aber was ist in Zeiten, in denen das Coronavirus die Welt in Atem hält, schon normal? Besondere Umstände erfordern besondere Massnahmen, und die hat Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini – international im Übrigen durchaus viel beachtet – ergriffen.

Liefertermine sind «nicht stabil»
Die Landesverwaltung braucht dringend Desinfektionsmittel. Doch die Liefertermine für Mittel respektive für hochprozentigen Alkohol als Rohstoff für die Desinfektionsmittelherstellung «sind nicht stabil», wie Pedrazzini auf Anfrage erklärt. Er sei überzeugt, dass sich dies wie­der verbessern werde, aber in der Verwaltung würden die Mittel jetzt und nicht in ein paar Wochen benötigt. «Deshalb haben wir die Sache nun selbst in die Hand genommen.»
In seiner Mitteilung an die Verwaltung liest sich das wie folgt: «Wir brauchen hochprozentigen Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln (…). Dieser lässt sich am einfachsten durch Destillation von niedrigprozentigem Alkohol herstellen. Wir möchten daher eure nicht benötigten Schnäpse sammeln, in einer Brennerei destillieren lassen und dann mit einer Apotheke Desinfektionsmittel herstellen.» Abgegeben werden können die «Spenden» heute ab 8 Uhr beim Landeswerkhof an der Zollstrasse 45.

«Sehen, wie das Ganze funktioniert»
Der Gesundheitsminister, der mehrfach betont, dass der Mangel lediglich die Landesverwaltung betrifft, sieht in all dem vor allem auch einen Testlauf – «um zu sehen, wie das Ganze funktioniert und was dabei herauskommt». Immerhin, betont er, handle es sich bei diesem Vorgang nicht unbedingt um ein erprobtes Verfahren. «Normalerweise würde man nie aus so einem teuren Produkt wie einer Spirituose ein billiges Produkt wie Desinfektionsmittel machen. Aber technisch ist das eine naheliegende Möglichkeit.» Vor diesem Hintergrund ist mit der Destillerie Steinauer in Eschen gegenwärtig auch nur eine Brennerei involviert. Am Mittwoch kurz nach 15 Uhr habe er einen Anruf von Gesundheitsminister Pedrazzini erhalten, berichtet Inhaber Andreas Steinauer. «Er erklärte, dass eine versprochene Lieferung Alkohol nicht geliefert wurde und sie beschlossen haben, in der Beschaffung alternative Wege zu gehen. Die inländische Produktion bietet sich hierfür an.»

Fassweise in die Brennerei Steinauer
Für Steinauer bedeutet dies konkret, dass er heute am frühen Morgen mit einigen Fässern beim Landeswerkhof vorfahren wird. «Diese werden daraufhin befüllt und zu mir in die Brennerei in Eschen geliefert.» Dort erfolgt dann der Brennvorgang gemäss den üblichen Brenntarifen. Durch die Redestillation der Schnäpse, erklärt er, erhöhe sich der Alkoholgehalt von circa 40 auf rund 85 Volumenprozent. «Das ist eine gute Basis für die Herstellung von Desinfektionsmittel.» Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass Ge­schmack und Geruch des Destillats, das in einer Apotheke später mit einigen Zusatz­stoffen zu Desinfektionsmittel verarbeitet wird, noch leichte Züge der Ausgangsprodukte aufweist. «Ganz neutral wird es nicht daherkommen», so Steinauer.
Wie viel Desinfektionsmittel die Landesverwaltung etwa benötigen wird, vermag Mauro Pedrazzini nicht zu sagen. «Das hängt davon ab, wie oft es angewendet wird.» In seinen Augen komme man jedoch schon mit hundert Litern sehr weit. Andreas Steinauer könnte – je nach Rohstoff – grundsätzlich 50 bis 70 Liter hochprozentigen Alkohol herstellen, wie er sagt. Allerdings ist er gesetzlich stark eingeschränkt. Als Kleinproduzent sei ihm die Herstellung von offiziell denaturiertem – sprich: nicht trinkbarem und damit nicht der Alkoholsteuer unterliegendem – Alkohol untersagt. Zur Tat schreiten kann er nach derzeitigem Stand nur, wenn es sich beim Destilla­tionsvorgang – wie im vorliegenden Fall – um einen Umbrand von Alkohol handelt. «Denn dieser ist ja schon versteuert.»

19. Mär 2020 / 19:06
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2 KOMMENTARE
regelmässig Händewaschen
Grundsätzlich genügt das Händewaschen, und der Weg zu einem Lavabo verschafft uns noch Bewegung im Büro Alltag.
siehe bag.ch so schützen wir uns!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 20.03.2020 Antworten Melden
@von DeVo
Stimmt grundsätzlich, aber wenn man unterwegs ist, ist das nicht immer so einfach einzuhalten. Ich fand es deshalb gut, als ich in die Landesbibliothek bin (als sie noch geöffnet war) und dort im Eingangsbereich von Bibliothek und Amt für Umwelt einen Desinfektionsspender vorfand.
Die Behörden haben ja nach wie vor geöffnet und werden auch besucht. Da ist es nur richtig, wenn Mittel zur Verfügung gestellt wird.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 20.03.2020 Antworten Melden

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