• Letzte Woche ist René Keel – zum ersten Mal seit Jahren – als Pächter zur Pfälzerhütte gewandert und hat mit den Vorbereitungen für seine erste Saison begonnen.

Das neue Gesicht der Pfälzerhütte

Am 13. Juni startet René Keel in seine erste Saison am Bettlerjoch – mit kulinarischen Experimenten auf 2108 Metern über Meer.

Als sich René Keel – auf die Empfehlung eines alten Freundes hin – für die Pfälzerhütte bewarb, hatte er nicht mit einer Zusage gerechnet. Vergangenen Dezember, während der gelernte Koch und Hotelier am Weihnachtsmarkt in Zürich war, klingelte plötzlich das Telefon. Am anderen Ende der Leitung lud ihn Hans Peter Walch, Vizepräsident des Liechtensteiner Alpenvereins (LAV), zum Vorstellungsgespräch ein. Kurz darauf erhielt der Schaanwälder den Schlüssel zur 92 Jahre alten Berghütte am Bettlerjoch. 

Eine Besichtigung konnte vor der Vertragsunterzeichnung nicht mehr durchgeführt werden, weil der Weg zur Hütte bereits zugeschneit war. Für Keel war dies auch nicht zwingend notwendig, denn er hatte ein klares Bild im Kopf und erinnerte sich an viele schöne Momente zurück. In der Kindheit wanderte er mit seinem Vater, Grenzwächter Paul Keel, oft zur Pfälzerhütte, um auf 2108 Metern über Meer die Aussicht zu geniessen. Vor einer Woche war er das erste Mal als Pächter vor Ort. «Der Weg hinauf ist steiler, als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich habe meine Unterschrift  jedoch nicht bereut», grinst René Keel und gerät ins Schwärmen. Was die Pfälzerhütte seiner Meinung nach einzigartig macht: «Dort oben, umgeben von den Bergen, befindet man sich an einem unglaublichen Kraftort. Nur schon die Hütte aus Stein ist ein Monument.»

Rene Keel, Vaduz

René Keel wanderte als Kind oft mit seinem Vater zur Pfälzerhütte, um die Aussicht zu geniessen.

Weltenbummler kehrt  in die Heimat zurück

Mit René Keel erwartet die hungrigen und durstigen Wanderer auf der Pfälzerhütte ein erfahrener Gastronom, der seine Koch-Lehre im Hotel Real in Vaduz absolvierte. 1984 verliess er aus Neugier das Land, um sich in Metropolen wie Zürich, Moskau, Athen und Sydney weiterzubilden. 2008 arbeitete er für die Olympischen Spiele in Peking im Controlling der Nahrungsmittel und Getränke. An seinem Beruf fasziniert ihn, dass er laufend neue Kulturen und Menschen kennenlernt. Eine Berghütte hat Keel bislang noch keine geführt, ganz unvertraut ist ihm die Lage aber nicht. Mehrere Jahre führte er das Berghaus Alpenrösli in Klosters sowie das Hotel Alte Post in Davos. «Diese 500 zusätzlichen Höhenmeter schaffe ich wohl auch noch», scherzt der neue Pächter. 

In dieser Reisefreudigkeit zeigt sich weiter, dass René Keel sowohl ein ungebundener als auch offener Wirt ist, der sich gerne neuen Herausforderungen stellt. Trotzdem hat er in all diesen Jahren den Kontakt nach Liechtenstein nicht verloren. Oft nutzte er die Fasnacht, das Fürstenfest oder Weihnachten als Gelegenheit, um seine Familie und Freunde wiederzusehen. Die Übernahme der Pfälzerhütte markiert für ihn eine Rückkehr in die Heimat: «Sobald ich ein bekanntes Gesicht treffe oder ich mich an einem Ort aufhalte, an dem ich schon länger nicht mehr gewesen bin, merke ich, wie schön es ist, wieder hier zu sein.»

Neu gibt es auf der Hütte Liechtensteiner Bier

Momentan steckt der neue Pächter mitten in der Vorbereitung für die bevorstehende Saison. In welche Richtung sein Konzept geht, steht bereits fest. «Es gibt eine kleine Speisekarte – dafür ist alles frisch», sagt Keel. Bei seinen Produkten möchte er auf lokale Partner setzen. Entsprechend dieser Vision wird es auf der Pfälzerhütte künftig Bier aus Liechtenstein geben. Sein Fleisch und den Alpkäse möchte er direkt aus Triesenberg beziehen. 

Je nach Wetter wird draussen das Fleisch auf dem Grill brutzeln, ein vegetarisches Gericht im Wok zubereitet und das Raclette für den passenden Berghüttenduft sorgen. Eine starre Speisekarte ist gar nicht nach seinem Geschmack. «Man muss die Welt dort oben nicht neu erfinden. Aber mir macht meine Arbeit am meisten Spass, wenn ich in der Küche experimentieren kann», betont Keel. Diese Abwechslung wird er vor allem seinen Gästen präsentieren, die auf der Hütte übernachten. Eine Platte mit Salsiz und Käse werde es ihm zufolge immer geben. Wenn sich ein Gast statt dem jeweiligen Menü einen Wurstsalat wünscht, sei dies in der Regel ebenfalls kein Problem. 

Die grösste Herausforderung stelle laut dem Wirt die Logistik dar. Anfang Juni wird ein Helikopter in drei Runden jeweils 900 Kilogramm an Material, hauptsächlich Getränke, zur Pfälzerhütte transportieren. Bei den Bestellungen darf vor allem während der Saison nichts vergessen werden. Ein schneller Abstecher ins Geschäft ist auf 2108 Metern über Meer nämlich nicht möglich. Auch wenn eine solche strikte Organisation nicht gerade seine Stärke sei, zeigt sich Keel zuversichtlich: «So etwas lernt man dort oben schnell.»

Übernachtungen auch in der Pandemie möglich

Neben einem neuen Arbeitsplatz muss sich der neue Pächter zusätzlich mit Covid-19 auseinandersetzen. Wie alle anderen Gastronomen müsse er die Saison wohl abhaken. «Wenn die Kosten gedeckt sind, bin ich  zufrieden», hält Keel fest. Letztlich überwiegt für ihn die Erleichterung, dass er in Zeiten der Pandemie überhaupt öffnen kann, und mitunter werde er ja von den einheimischen Wanderern eines Besseren belehrt. 

Bezüglich des Schutzkonzeptes der Pfälzerhütte orientiert sich Keel an den Vorgaben des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverbands, dem er sich bereits angeschlossen hat. Da sich die Tische vor der Hütte nicht umstellen lassen, wird der Abstand von zwei Metern anhand von Markierungen sichergestellt. Übernachtungen auf der Pfälzerhütte sind möglich. Allerdings werden statt Massenschlag vorerst nur Zimmer für zwei bis vier Personen geboten – sprich eine Gruppe. Damit reduzieren sich die Kapazitäten auf gut die Hälfte, rund 30 Plätze. Bei Familien lassen sich auch mehr Personen in einem Zimmer unterbringen, so Keel. Zudem könnten sich Wanderer allenfalls verteilen, indem einige ihre Bestellungen auf der Wiese konsumieren. 

Ab dieser Saison kommt auf der Pfälzerhütte ein neues Pachtsystem zum Tragen, das sich an jenem des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) orientiert und auf der Gafadura schon seit 2013 greift. Hierbei richtet sich der Mietzins nach dem Umsatz des Jahres. Dies komme sowohl dem Pächter als auch dem Vermieter entgegen, meint Keel. Gerade in der ungewissen Lage dieser Pandemie sei dieses System ein erheblicher Vorteil. 

Saison dauert  bis Mitte Oktober 

Am 13. Juni, rechtzeitig zur Eröffnung der Bergbahnen Malbun, wird René Keel die Saison auf der Pfälzerhütte starten. Sie soll bis zum Ende der Herbstferien dauern, wobei er je nach Wetterlage die eine oder andere Woche anhängt. «Ich habe die Hütte das ganze Jahr über gepachtet», erklärt der Wirt. Im ersten Jahr möchte sich Keel dort vor allem einleben. Nichtsdestotrotz hegt er bereits Pläne für 2021: «Es wäre cool, wenn ab und zu eine Kulturveranstaltung auf der Pfälzerhütte stattfinden würde. Ich denke da an Theater und Konzerte, die Jung und Alt zusammenbringen.» Genauso zeigt sich der Pächter offen für Geburtstagsfeiern, Silvesterpartys und andere Veranstaltungen. Seine Vorgängerin Elfriede Beck kümmerte sich 17 Jahre um das Wohl der Wanderer, die einkehrten. «Ich bin jetzt 55 Jahre alt. Bis zur Pension wären es noch zehn Jahre», denkt er laut. Solange es ihm Spass mache und sich die Gäste wohlfühlen, werde René Keel auf der Pfälzerhütte anzutreffen sein. (gk)

26. Mai 2020 / 07:00
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