• Jagdaufseher Christoph Meier und Jagdhund Eros
    Jagdaufseher Christoph Meier und Jagdhund Eros haben im Revier Bargella den ersten gesicherten Wolf in Liechtenstein entdeckt.  (zvg)

CSI: Wolf im Oberen Saminatal

Vor Kurzem hat das Amt für Umwelt bestätigt, dass erstmals ein Wolf in Liechtenstein nachgewiesen wurde. Dass man dem Raubtier überhaupt erst auf die Schliche kam, ist Jagdaufseher Christoph Meier und seinem Jagdhund Eros zu verdanken.

Am 25. Dezember 2018 tappte der Wolf um 18.30 Uhr im Oberen Saminatal in eine Fotofalle. So einfach sich der Umstand anhört – bis es zu der Aufnahme kam und wie man den vermeintlichen Täter des gerissenen Rotwilds (die DNA-Analyse steht noch aus) entdeckte, fand ein wahrer Raubtierkrimi statt, den man sonst nur von der Primetime her kennt. «Es ist eine längere Geschichte. Von meinem Gefühl her könnte der Wolf schon vergangenen Sommer ins Land gekommen sein», berichtet Jagdaufseher Christoph Meier, der für das Revier Bargella verantwortlich ist.

Tierischer Urinstinkt führt zur ersten Fährte

Der Raubtierkrimi startete am 28. August 2018. Meier war mit seinem Jagdhund Eros im Saminatal unterwegs, da stellten sich dem Tier die Haare auf und es fing laut zu knurren an. Für den Jagdaufseher war das merkwürdige Verhalten des Hundes bereits ein erstes Indiz für den Besuch des Wolfes. Wenige Tage zuvor wurde Meier von Hirten kontaktiert. Dessen Kühe, die auf der Alp Bargella grasten, seien durch den Zaun völlig nervös von der Weide weggelaufen.

«Da war mir klar, dass ein Wolf in der Gegend gewesen sein muss», erzählt Meier. Anschliessend habe er nach Spuren gesucht und sei auf verdächtige Pfotenabdrücke gestossen. Für alle Fälle machte der Jagdaufseher einen Gipsabdruck. «Für einen gesicherten Nachweis des Wolfes reichte das nicht aus. Obwohl es für diese Gegend ungewöhnlich wäre, hätten sie immer noch von einem Hund sein können.»

Dank einem Kollegen die Spur wiedergefunden

Daraufhin blieb es in Liechtenstein – abgesehen von den Diskussionen sowie Stellungnahmen zum Konzept – lange Zeit ruhig um den Wolf. Erst nach den Weihnachtstagen nahm der Raubtierkrimi wieder an Fahrt auf: Am 27. Dezember erhielt Meier eine Meldung von seinem Kollegen Martin Dermon aus dem Jagdrevier Saas. Dieser habe von der gegenüberliegenden Seite einen Kadaver entdeckt, welcher als Rotwildriss identifiziert werden konnte. Für Jagdaufseher Meier wiesen die Bissabdrücke und die umliegenden Spuren eindeutig auf einen Wolf hin. «Von einem Luchs konnten diese nicht sein.»

Wie Meier schildert, deuteten die vorhandenen Überreste darauf hin, dass das Rotwild etwa zwei Tage vor der Entdeckung gerissen wurde. Wenige hundert Meter vom Kadaver entfernt, ist derzeit für das laufende Luchsmonitoring eine Wildtierkamera aufgestellt. Die Chance, dass diese den Wolf aufgezeichnet hat, war dementsprechend gross. Und tatsächlich wurde man im angenommenen Zeitrahmen bei den Aufnahmen fündig. Erst dieser Raubtierkrimi hat den scheinbaren Täter überführt und als erster gesicherter Nachweis für den Wolf in Liechtenstein einen historischen Moment erbracht.

Liechtensteiner Jägerschaft nimmt Wolf gelassen hin

Vorgestern traf sich der Jägerschaft-Vorstand zu einer Sitzung. Diese fand keinesfalls ausserordentlich oder wegen den aktuellen Neuigkeiten statt. Denn wie Präsident Michael Fasel schildert, seien die Jäger durch den Nachweis des Wolfes nicht angespannt. Man blicke den Entwicklungen «mit Interesse entgegen». Er verweist auf ihre Stellungnahme zum Wolfskonzept, welche die Liechtensteiner Jägerschaft beim Amt für Umwelt eingereicht hat. Darin befürworte sie die Anlehnung an das Schweizer Pendant. Allerdings müssten laut Fasel in der Liechtensteiner Variante noch die Zuständigkeiten klarer geregelt werden. Als Hausaufgaben geben die Jäger den Behörden mit, neben den Nutztieren auch das Wildtier zu berücksichtigen. «Der Wolf treibt das Wildtier weiter in die steilen Lagen. Häufig handelt es sich um Gebiete, in denen sie eigentlich nicht sein sollten und deshalb Schaden anrichten.» 

Auch der Entdecker des Raubtiers schätzt die Lage kritisch ein. «So einfach, wie das Amt die Angelegenheit darstellt, ist es nicht», meint Christoph Meier. «Das Konzept ist noch nicht durch und der Wolf ist kein Schosstier.» Gerade Nutztierhalter dürften besorgt sein, aber auch für die Jagdhunde im Einsatz und freilaufende Hunde stelle das Raubtier eine erhebliche Gefahr dar. Man müsse die Situation genau beobachten und allenfalls reagieren, empfiehlt der Jagdaufseher.

Landwirte können nicht viel dagegen machen

Auch bei den Bauern bricht aufgrund des ersten gesicherten Wolfs noch lange keine Panik aus. «Wir müssen die Situation so nehmen, wie sie kommt», sagt Landwirt Norman Bühler. Seine Herden befinden sich unter anderem auf der Alp Silum, unweit vom Sichtungsort des Raubtiers. Durch elektronische Zäune sind sie seiner Meinung nach – im Gegensatz zum freilaufenden Wild – so gut es geht geschützt. Zudem habe sich der Wolf auf der Durchreise befunden und sei inzwischen weitergezogen. Bezüglich des Wolfskonzepts vertritt Bühler eine klare Meinung. Vor allem den «erheblichen» Schutzstatus des Raubtiers finde er bedenklich. «Dass ein Wolf vorbeikommt und Wild reisst, musste früher oder später einmal passieren. Allerdings hat es in einem so dicht besiedelten Gebiet wie Liechtenstein definitiv keinen Platz für sesshafte Rudel.» (gk)

09. Jan 2019 / 08:30
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
concert
Zu gewinnen 2 x 2 Karten für den Konzertabend mit den Neuen Wiener Concert Schrammeln am Freitag, 19. Juli, 20 Uhr
04.06.2019
Facebook
Top