• Mathias Payer leitete den Test mit 100 Probanden der Schweizer Armee.

Corona-Warn-App steht in den Startlöchern

Der Liechtensteiner Mathias Payer entwickelt die Schweizer Proximity-Tracing-App mit. Diese könnte auch in Liechtenstein funktionieren.

Seit Mitte März arbeiten Forscher der EPF Lausanne und der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit der Schweizer IT-Firma Ubique Tag und Nacht an der Proximity-Tracing-App, auch bekannt als Corona-Warn-App. Das Prinzip dahinter ist einfach: Die App wird auf das Smartphone geladen, das mittels Bluetooth die Nähe zu anderen Handys feststellt, auf denen die App ebenfalls installiert ist. Wird eine Person positiv auf Covid-19 getestet, kann sie dies anonym in der App melden. Ein Missbrauch der App für Falschmeldungen wird durch ein Protokoll ausgeschlossen. Anschliessend werden alle anderen App-Nutzer informiert, die sich über eine bestimmte Zeit in nächster Nähe zur infizierten Person aufgehalten haben. Diese sehen allerdings nicht, von wem die Meldung stammt.
Der Liechtensteiner Professor Mathias Payer ist einer der Forscher des DP3T-Konsortiums, das für die App-Entwicklung verantwortlich ist. Zu Beginn war er in das Design des dezentralen Protokolls für Proximity-Tracing involviert, das die Privatsphäre respektieren soll. «Das heisst, dass in unserer App alle Berechnungen lokal auf den Handys der Benutzer durchgeführt werden. Kontaktdaten werden unter keinen Umständen an einen zentralen Server geschickt», erklärt Mathias Payer. In den vergangenen Wochen war er schliesslich derjenige, der für die Experimente und Messungen im Bereich der Risikoabschätzung und der Abstandsmessungen verantwortlich war. Laut dem Liechtensteiner ist die Entwicklung der App auf Kurs. 

Verwendung der App auch in Liechtenstein möglich
«Wir haben das Protokoll schon seit Längerem fixiert und arbeiten seit mehreren Wochen am Backend und der App selber», erklärt der Liechtensteiner. In den vergangenen vier Wochen haben die Forscher zudem insgesamt acht verschiedene realistische Tests mit bis zu 100 Freiwilligen durchgeführt. Vor allem jener mit Probanden der Schweizer Armee habe sehr dabei geholfen, Messungen über verschiedene Geräte und Situationen zu erfassen. Mathias Payer stand diesbezüglich mehrfach in der Öffentlichkeit und stellte sich den Fragen der Schweizer Medien. Diese berichteten dann auch, dass die App bereits ab dem 11. Mai im App Store von Apple und im Google Play Store verfügbar sein soll. Doch am Mittwoch vor einer Woche folgte der Dämpfer: Das Schweizer Parlament hat in der ausserordentlichen Session in Bern entschieden, dass zuerst ein Gesetz zu einer neuen Corona-Warn-App verabschiedet werden muss. Das Parlament sieht in dieser nämlich einen potenziellen Eingriff in die Grundrechte. Damit wird die Corona-Warn-App frühestens im Juli verfügbar sein. Die Testversion steht trotzdem seit dem 11. Mai zum Download bereit. 
Wie Mathias Payer erklärt, würde die Corona-Warn-App technisch problemlos in Liechtenstein funktionieren. «Wir stellen sie als Open-Source-App zur Verfügung, womit sie von jedem frei verwendet werden darf. Allerdings braucht jedes Land ein Backend», sagt er. Das Backend verwaltet eine globale Liste mit Schlüsseln. Diese werden von jedem Gerät heruntergeladen und die App kann damit erkennen, ob der Besitzer einem Risiko ausgesetzt war. 

Ob, wann und wie die Corona-Warn-App in Liechtenstein eingesetzt wird, hat die Regierung zu entscheiden. Auf Anfrage erklärt das Ministerium für Gesellschaft, dass eine solche App nur dann Sinn ergebe, wenn sie auch von Schweizern und Österreichern verwendet werden könnte – dies wegen der vielen Grenzgänger, die in Liechtenstein arbeiten. «Es ist auch noch nicht ganz sicher, dass hierzulande eine solche App überhaupt eingeführt wird. Voraussichtlich geht es aber in diese Richtung.» Eine gute Lösung könne mit dieser App möglich sein und die Regierung prüfe den Nutzen für Liechtenstein, heisst es vonseiten des Ministeriums. Ein Zeitplan könne noch nicht kommuniziert werden. 

Einheitliche App für EU scheitert am Recht
Damit beispielsweise Grenzgänger oder Touristen die Corona-Warn-App über Ländergrenzen hinweg benutzen können, braucht es laut Mathias Payer sogenannte Roamingprotokolle, die derzeit erarbeitet werden. «Unser Plan ist es, das Roaming zusammen mit der App auszurollen», ergänzt er. Momentan sind einige EU-Länder dabei, ein Contact-Tracing-System zu entwickeln, das auf der Schweizer Corona-Warn-App aufbaut.Dass die Ressourcen nicht von Beginn an gebündelt wurden, um eine einzige App für das Contact-Tracing in Europa zu lancieren, liegt laut Mathias Payer primär auch an rechtlichen und nicht an technischen Gründen. «Jedes Land hat eigene gesetzliche Meldeverpflichtungen und auch die Covid-19-Tests werden von verschiedenen Laboren durchgeführt.» Die einzelnen Apps, die eben auf der «Schweizer-Lösung» aufbauen, könnten so an die Gegebenheiten der jeweiligen Staaten angepasst werden. 

Die Privatsphäre der Benutzer ist gewährleistet
Die Forscher des DP3T- Konsortiums sehen die App als ein Hilfsmittel zum klassischen Contact Tracing. «Manuelles Contact Tracing ist ein guter Start, kann aber nie alle Kontakte erfassen – zum Beispiel, neben wem man im Bus sitzt», erklärt der Forscher der EPF Lausanne. Die Corona-Warn-App soll eine Unterstützung sein, um Kontakte mit infizierten Personen einfacher zu erkennen und Menschen besser warnen zu können. «Durch Selbstisolation können die gewarnten Personen schliesslich die Verbreitung des Virus stoppen», betont Mathias Payer. Ein wichtiger Punkt der Corona-Warn-App bestünde darin, dass sie sich selbstständig organisch deaktiviert, sobald die Infektionen abnehmen würden. «Falls es eine weitere Epidemie gibt, können wir die App anpassen und sie kann wieder verwendet werden.» 

Damit die Corona-Warn-App allerdings ihren Zweck erfüllt, sollten möglichst viele Personen diese auf ihre Handys laden. Der Download geschieht auf freiwilliger Basis und eine grosse Herausforderung ist laut Mathias Payer, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen. Denn gerade in Bezug auf den Datenschutz sind immer wieder kritische Stimmen laut geworden. Der Forscher der EPF Lausanne sagt dazu: «Wir entwickeln die App so, dass nur die epidemiologisch benötigten Daten gesammelt werden. In die Privatsphäre der Benutzer wird nicht eingegriffen. Das müssen wir möglichst präzise einem breiten Publikum kommunizieren.» Auch sonst seien die Entwickler der Corona-Warn-App vor die eine oder andere Schwierigkeit gestellt worden. So gestaltete sich auch die Koordination des auf unterschiedliche Standorte verteilte Forscher-Teams unter extremem Zeitdruck und ohne die Möglichkeit für Diskussionen vor Ort als eine riesige Herausforderung. «Es ist auch nicht so leicht, die verschiedenen Systeme – unterschiedliche Handys und Betriebssysteme –, Test-Labore und die jeweiligen Länder zu koordinieren.» (jka)

Zur Person
Nach sechs Jahren in den USA an der Universität von Kalifornien in Berkeley und an der Purdue- Universität als Assistenzprofessor wurde Mathias Payer im Herbst 2018 an die EPFL berufen. Dort leitet er die «HexHive» Forschungsgruppe, die im Bereich Software- und Systemsicherheit tätig ist. 

13. Mai 2020 / 20:41
Geteilt: x
6 KOMMENTARE
Virus
Man muss sich ernsthaft überlegen, ob China nicht für einige Zeit als Wirtschaftspartner in die Warteschleife kommt. Die Abwägung zwischen billiges Produktionsland und viel Gewinn erzielen, um dann alles wieder wegen folgenden Corona ähnlichen Fällen wieder in den Sand zu setzten, kann jeder selber kalkulieren. Für ersteres wäre es weniger als nur eine Milchmädchenrechnung.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 18.05.2020 Antworten Melden
BRAVO "Desle"
SUPER auf den Punkt gebracht!!! Sind wir mal gespannt, wieviele Leute sich diese Überwachungs-App freiwillig herunterladen.Wer gerne überwacht wird (oder sich dabei nichts denken kann), wird auch gerne andere Überwachen. Somit ergibt sich mit der Anzahl der Appbenutzer, grad auch ein groben Hinweis auf Denunziantenschwei..Das ganze Corona-Theater flacht schon länger massiv ab und frühestens in einem Monat, soll trotzdem noch diese App kommen? Da ist ALLES gesagt. Jede Regierung inkl. Polizei weltweit wird sich krümmen vor lachen, wenn das Volk freiwillig mithilft, sich überwachen zu lassen und einer solchen App (oder ähnlichem) freudig zustimmt. Ein Sprecher der "WHO" sagte heute in den Nachrichten: "Dieses Virus wird die Menscheit noch viele Jahr begleiten und kann nur durch einen Impfstoff eingedämmt oder vernichtet werden." Der "Kessel" muss offensichtlich am dampfen gehalten weden! Kein Wunder, mit Angstmacherei betr. dem eigenen Leben können Menschen seehr gefügig gemacht werden
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 14.05.2020 Antworten Melden

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