• Schaaner Riet
    In Schaan verwaltet die Pachtgemeinschaft landwirtschaftliche Nutzflächen.  (Tatjana Schnalzger)

Bauern kritisieren Pachtgemeinschaft

Seit zehn Jahren verwaltet die Pachtgemeinschaft Schaan landwirtschaftliche Nutzfläche. Nicht alle sind vom Modell überzeugt.

Vier Schaaner Landwirte zeigen sich in einem Gespräch mit dem «Vaterland» kritisch gegenüber der Pachtgemeinschaft, die landwirtschaftliche Nutzflächen in Schaan verwaltet und verpachtet. Ihnen stösst sauer auf, dass die Verantwortlichen der Stiftung Pachtgemeinschaft (s. unten) von einem erfolgreichen Modell sprechen, das die Rahmenbedingungen der Landwirte verbessern würde. Auch seien private Bodenbesitzer nicht alle von dem Modell überzeugt.

In Liechtenstein sind 95 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen durch den Bewirtschafter gepachtet – teilweise jahrzehntelang. Wie das Amt für Umwelt auf Anfrage sagt, kommt es nicht selten vor, dass die Bodenbesitzer nicht wissen, wer ihre Parzelle bewirtschaftet. Dazu kommt, dass die Nutzfläche aus vielen kleinen Parzellen besteht. 

Kritik an der Vorgehensweise
Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde vor zehn Jahren in Schaan die Pachtgemeinschaft gegründet. Sie ist in dieser Form einmalig in Liechtenstein. Die vier Schaaner Landwirte sprechen sich nicht grundsätzlich gegen eine Pachtgemeinschaft aus. Die Grundidee sei eigentlich nicht schlecht.

Sie kritisieren vor allem die Vorgehensweise. Auf Bodenbesitzer und Pächter werde Druck ausgeübt, einen Vertrag mit der Stiftung abzuschliessen. «Jedes Jahr kommt ein Schreiben. Man fühlt sich gedrängt», sagt ein Bodenbesitzer. Verstirbt ein Bodenbesitzer, schreibe die Stiftung sogleich dessen Erben an. «Aus Datenschutzgründen ist dieses Vorgehen schon sehr fragwürdig. Und es bringt für die Pächter eine grosse Unsicherheit mit sich.» 

Pächterschutz fehlt in Liechtenstein
Das Problem: In Liechtenstein gibt es kein Pachtgesetz. Passt einem Bodenbesitzer der Pächter nicht, kann er ihm von heute auf morgen künden. Die Landwirte sehen so ihre Existenzgrundlage gefährdet und haben Angst, dass durch den Wechsel zur Pachtgemeinschaft eine Kündigung kom­men könnte, obwohl sie eine Fläche schon über Jahrzehnte bewirtschaften.

Die Pachtgemeinschaft dementiert diese Vorwürfe: «In der Aufbauphase wurden die Bodeneigentümer direkt angeschrieben. Aber aus Datenschutzgründen sind Bodeneigentümer ohne Pachtvertrag nicht mehr bekannt und dürfen daher auch nicht mehr kontaktiert werden», teilt die Pachtgemeinschaft auf Anfrage mit. Man versuche deshalb, die Bodenbesitzer über Zeitungs­inserate zu erreichen. 

Pachtvertrag für zehn Jahre
Wie die Stiftung weiter mitteilt, werden neue Vertragsflächen in der Regel an den bereits bestehenden Bewirtschafter verpachtet. Dies sei so auch im Verpachtungsreglement festgehalten. «Somit besteht für die Pächter weder ein Grund zur Angst, noch entsteht daraus ein Druck auf die bewirtschafteten Flächen.»

Das Gegenteil sei der Fall: Es werde so eine wesent­lich grössere Planungs- und Pachtsicherheit geboten. Der Pachtvertrag wird jeweils für zehn Jahre abgeschlossen. Ausserdem stehe es den Bodenbesitzern frei, Auflagen zu machen und festzulegen, wer die Fläche künftig bewirtschaften soll. Und so können sie auch mitbestimmen, ob der bishe­rige Bewirtschafter berücksichtigt werden soll.

Gegen Unterverpachtung vorgehen
Die vier Landwirte kritisieren weiter, dass vor allem die grossen Landwirtschaftsbetriebe von dem Modell der Pachtgemeinschaft profitieren würden, die kleinen würden jedoch auf der Strecke bleiben und nur den «Rest» zugeteilt bekommen. «Ich muss von Pontius nach Pilatus fahren. Meine Nutzflächen sind überall zerstreut», sagt ein Bodenpächter. Trotzdem habe er einen Vertrag mit der Pachtgemeinschaft, da er ansonsten zu gar keinem Boden mehr käme. «Glücklich bin ich damit nicht.» 

Die vier Landwirte sind überzeugt, mit diesem Modell den Trend hin zu grossen Landwirtschaftsbetrieben weiter zu fördern. «Familienbetriebe gehen jedoch immer mehr ver­loren.» Weiters sei zu beob­achten, dass die Grossbetriebe 
in Schaan den «zugeteilten» Boden nicht allein zu bewirtschaften brächten und ihn deshalb an Schweizer Landwirte unterverpachten würden.

Vorwurf teilweise gerechtfertigt
«Die Kritik, dass nur die grossen Betriebe profitieren, trifft überhaupt nicht zu», hält die Pachtgemeinschaft fest. Die Zuteilung erfolge gemäss dem Reglement und auch die Vorgaben der Bodenbesitzer würden berücksichtigt werden. «Völlig transparent und jederzeit nachvollziehbar.»

Die Stiftung hält aber auch fest, dass staatlich anerkannte Landwirtschaftsbetriebe bevorzugt behandelt werden. Dies entspreche der Vorgehensweisen aller Gemeinden. Der Vorwurf der Unterverpachtung sei dagegen teilweise gerechtfertigt. «Die Stiftung hat Kenntnis von Einzelfällen, in denen eine enge Zusammenarbeit mit Schweizer Landwirtschaftsbetrieben stattfindet.» Diesbezüglich sei das Reglement aber eindeutig und verbiete eine Unterpacht. Der Stiftungsrat hat deshalb beschlossen, die Situa­tion in diesem Jahr zu klären und notwendige Massnahmen umzusetzen. «Erste Gespräche haben bereits stattgefunden.»

Externe Geschäftsstelle kritisiert
Die vier Landwirte machen im Gespräch keinen Hehl daraus, dass sie mit der für die Verwaltung zuständigen Geschäftsstelle mit Sitz in Mauren nicht warm werden. «Jener, der für die Verteilung der Grundstücke zuständig ist, kennt die Verhältnisse nicht. Das ist nicht ideal. Ausserdem ist das ein finanzieller Mehraufwand für die Gemeinde.»

Die Landwirte hätten immer schon untereinander Boden getauscht, um die Bewirtschaftung zu optimieren. «Und das hat nichts gekostet», merken die Landwirte an. Auch die Zusammensetzung des Stiftungsrates wird kritisiert, da Personen den Vorsitz haben, die keinen Bezug zur Landwirtschaft hätten.

«Ein breit abgestütztes Know-how»
Wie die Pachtgemeinschaft mitteilt, ist die Geschäftsstelle für die Umsetzung der Beschlüsse und Vorgaben des Stiftungsrates sowie der Reglemente zuständig und hat keine Entscheidungskompetenz. «Die Stiftung verfügt über ein breit abgestütztes Know-how zur Landwirtschaft und wahrscheinlich über den besten Gesamtüberblick zur Pacht- und Bewirtschaftungs­situation. Zudem ist sie stets in engem Kontakt mit der Gemeindeverwaltung. Die Aussage betreffend ungenügender Kennt­nis ist weder nachvollziehbar noch korrekt.» 

Auch hält die Pachtgemeinschaft fest, dass Statuten und Reglemente vom Gemeinderat abgesegnet werden und ein «Alleingang» des Stiftungsrates nicht möglich sei. Der Stiftungsrat besteht aus zwei Vertretern des Gemeinderats, zwei Vertretern der Landwirtschaft, einem Vertreter der Bodeneigentümer und einem weiteren Mitglied. 

Die Kritik an der Stiftung kann die Pachtgemeinschaft nicht nachvollziehen. Alle direktzahlungsberechtigten Betriebe in der Gemeinde Schaan hätten in den vergangenen Jahren nachweislich von der Pachtgemeinschaft profitiert, einmal durch eine hohe Pacht­sicherheit und andererseits durch die Zuteilung von zusätzlichen Landwirtschaftsflächen. «Die Stiftung wurde nicht zuletzt auch auf Initiative der Schaaner Landwirte gegründet, um die Pachtbedingungen zu verbessern.» (manu)


Über die Pachtgemeinschaft
Die Stiftung verwaltet und verpachtet die landwirtschaftliche Nutzfläche für die Bodenbesitzer und soll so für eine einfachere Arrondierung der Flächen und eine Verbesserung der Produktionsgrundlage für die Landwirte sorgen. Die Pachtgemeinschaft verwaltete vergangenes Jahr 472 Hekta­r – oder 1299 Parzellen. Dies entspricht über 80 Prozent der insgesamt gut 540 Hektar um­fassenden landwirtschaftlichen Nutzfläche. Rund 50 Prozent der Fläche gehören der Gemeinde Schaan. 

16. Jan 2020 / 15:48
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