• Florian Bernardi, Eschen
    Florian Bernardi freut sich, dass der biologische Winterraps gut in Liechtenstein gedeiht.  (Tatjana Schnalzger)

Bald Bioöl aus Liechtenstein?

Obwohl Liechtenstein Bioweltmeister ist, wird weiter in diese Richtung ausgebaut. Florian Bernardi von der Arbeitsgruppe Bioackerbau berichtet über die Herausforderung des Anbaus von neuen Kulturen und weshalb Bio immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Die Bioberatung Liechtenstein unterstützt die Landwirte beim Anbau von Biokulturen und fördert die Weiterentwicklung in diesem Bereich. Dabei spielt die Marktnachfrage eine grosse Rolle. Um die Trends nicht zu verpassen, hat die Bioberatung im Jahr 2015 die Arbeitsgruppe Bioackerbau gegründet, um neue Kulturen zu fördern und den Anbau zu koordinieren. So halten auch Kulturen wie Raps, Lein, Quinoa oder Soja in Liechtenstein Einzug, die ursprünglich hier nicht heimisch waren. Die Arbeitsgruppe sorgt für den Erfahrungs- und Wissensaustausch unter den Landwirten und Fachpersonen. Ausserdem tauscht sich die Arbeitsgruppe auch mit Biolandwirten aus dem Bioackerbauring Ostschweiz so­wie dem Forschunggsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz (Fibl) aus.

Wir stehen hier vor einem Biorapsfeld in Eschen. Raps wird aber noch nicht lange in Liechtenstein angebaut?

Florian Bernardi: Richtig. Bioraps wird in Liechtenstein erst seit rund vier Jahren auf Initiative der Arbeitsgruppe Bioackerbau angebaut. Zu Beginn nur versuchsweise, heute wächst Raps auf einer Fläche von fünf Hektar.

Und wie entwickelt sich die neue Kultur in Liechtenstein?

Der Winterraps wurde Ende August angesät und wie man sieht, hat er sich bereits gut entwickelt.

Die Arbeitsgruppe Bioackerbau wurde im 2015 mit dem Ziel gegründet, den Bioackerbau auszubauen. Welche Biokulturen haben seit da Einzug in Liechtenstein gehalten?

Wir konzentrieren uns beim Anbau auf verschiedene Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Hafer, Hirse oder Ribelmais, Kartoffeln, Hanf, Raps, Bohnen, Kürbisse, Quinoa, Süsskartoffeln und verschiedene Gemüsearten, die für die menschliche Ernährung wichtig sind. Zu diesen Kulturen wurde im Rahmen dieses Projektes gezielt technisches Wissen erarbeitet und die Erfahrungen unter den teilnehmenden Landwirten ausgetauscht.

Worauf wird bei der Kulturenwahl geachtet?

Wir orientieren uns bei der Kulturenwahl nach der Marktnachfrage. So sind Kulturen wie Soja, Lein, Buchweizen, Linsen oder Sonnenblumen gesucht. Unter unseren Klima- und Bodenbedingungen können diese bisher teilweise nicht bekannten Kulturen angebaut werden. Erste Anbauversuche mit Soja wurden bereits gemacht. Es ist vorstellbar, dass sich das Kulturspektrum in den nächsten Jahren weiter ausdehnen wird. Zudem laufen derzeit Abklärungen betreffend der Herstellung von Bioölen in Liechtenstein wie Raps-, Hanf- und Sonnenblumenöl.

Solche «Experimente» sind auch ein Risiko. Weshalb geht man dieses ein?

Der Anbau von neuen Kulturen bringt für die Biolandwirtschaft Chancen. Der Biomarkt entwickelt sich ständig weiter und es werden laufend neue Produkte angeboten. Deshalb ist es wichtig, dass man die Markttrends frühzeitig erkennt, die Produktion darauf vorbereitet und das dazu notwendige Wissen aufbaut. Es gilt, neue innovative Produkte herzustellen und zwar dort, wo eine Marktnachfrage vorhanden ist. Neue Absatzmöglichkeiten und Produkte bieten für Landwirte mehr Umsatz und eine Verbesserung des Einkommens.

Was sind denn die besonderen Herausforderungen, wenn Kulturen angebaut werden, mit denen man noch keine Erfahrung hat?

Sowohl die Produktion, sprich Anbau, wie auch die Vermarktung beziehungsweise Markterschliessung stellen eine Herausforderung dar. Denn in beiden Bereichen fehlen das Fachwissen und die Erfahrung.

Wie werden die Landwirte dabei unterstützt?

Die Bioberatung nimmt hierzu eine wichtige Funktion ein, indem sie die Landwirte unterstützt, die Entwicklung initiiert und fachlich begleitet. Diese Aufgabe wird von einem privaten Beratungsbüro erbracht. Die Bioberatung hat das Ackerbauprojekt angestossen, bearbeitet das Projekt und leitet die Arbeitsgruppe Bioackerbau.

Lassen sich die Landwirte gerne auf neue Herausforderungen ein?

Die Landwirte stehen neuen Herausforderungen eher zurückhaltend gegenüber. Die Bioberatung übernimmt hier eine wichtige Rolle, in dem sie Trends frühzeitig erkennt, die Landwirte darauf aufmerksam macht und für Neuerungen beziehungsweise Veränderungen motiviert.

Nicht nur bei neuen Kulturen ist der Bioackerbau eine Herausforderung. Worin bestehen die Schwierigkeiten bei Bio allgemein?

Die Herausforderung besteht darin, die notwendigen Kulturmassnahmen wie Aussaat oder Unkrautbekämpfung zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen. Es stehen keine schnellwirksamen Dünger oder Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Im Bio-Ackerbau muss der Landwirt strikte darauf bedacht sein, alle vorbeugenden Massnahmen auszuschöpfen, die Geräte richtig einzustellen und vor allem den optimalen Zeitpunkt der Unkrautregulierung zu erwischen. Die bekanntesten vorbeugenden Massnahmen sind ein hoher Anteil Kunstwiesen in der Fruchtfolge, konkurrenzstarke Sorten, die gut decken und eine gute Jugendentwicklung haben, und sogenannte «Unkrautkuren» vor der Saat.

Was gibt es in Sachen Unkrautbekämpfung für Fortschritte?

Im Biolandbau gibt es laufend Anpassungen und Neuentwicklungen bei verschiedenen Maschinen zur Unkrautbekämpfung. Jät­roboter, welche automatisch Unkräuter erkennen und entfernen, werden in den nächsten Jahren vermehrt zum Einsatz kommen. Sogenannte Mulchsaaten, bei denen eine Mulchschicht das Unkraut unterdrückt, sind aktuelle Entwicklungen im Biogemüsebau.

Bio ist in aller Munde. Weshalb ist die Nachfrage nach Bioprodukten so gestiegen?

Verantwortungsbewusst essen ist ein Grundanliegen von immer mehr Menschen. Biologisch hergestellte Produkte erfreuen sich seit Jahren einer steigenden Nachfrage. Pro Kopf werden in Liechtenstein und der Schweiz ca. 320 Franken im Jahr für Biolebensmittel ausgegeben. Auch der gesundheitliche Aspekt spielt eine bedeutende Rolle. Produkte wie Hanfpulver oder verschiedene pflanzliche Öle in Bioqualität sind sehr gefragt. (Interview: Manuela Schädler)

12. Okt 2018 / 13:52
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