• Mikroverunreinigungen können auch in der Abwasserreinigungsanlage in Bendern bestenfalls nur teilweise entfernt werden. Eine vierte  Reinigungsstufe, so wie es sie in manchen Schweizer Kläranlagen gibt, könnte Abhilfe schaffen.
    Mikroverunreinigungen können auch in der Abwasserreinigungsanlage in Bendern bestenfalls nur teilweise entfernt werden. Eine vierte Reinigungsstufe, so wie es sie in manchen Schweizer Kläranlagen gibt, könnte Abhilfe schaffen.  (Daniel Schwendener)

Abwasser könnte besser gefiltert werden

In der Schweiz wird das Abwasser mit Aktivkohle oder Ozon von Mikroverunreinigungen befreit; hierzulande geschieht das noch nicht.

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in Bendern hat heutzutage einiges zu tun: Denn neben dem eigentlichen Dreck mischen sich auch Rückstände von Medikamenten oder Chemikalien in das Abwasser. Diese sogenannten Mikroverunreinigungen belasten die Gewässer. Denn sie können, so heisst es im Geschäftsbericht 2019 der ARA, «bestenfalls nur teilweise entfernt werden». Und so beinhaltet auch das gereinigte Abwasser, das in den Rhein abgelassen wird, immer noch Mikroverunreinigungen. 

Psychopharmaka wirkt  sich auf Fische aus
Laut Hilmar Hasler, Geschäftsführer der ARA, ist es heute immer noch schwierig zu sagen, was genau welche Mikroverunreinigung in der Umwelt anrichtet. Es konnte jedoch nachgewiesen werden, dass sich Psychopharmaka nicht nur auf die Menschen auswirken. Über die Abwässer gelangen Reste der Chemikalienflut in Flüsse, Teiche wie Seen und verändern das Verhalten von Fischen. Schwedische Forscher fanden vor einigen Jahren heraus, dass sich Fische, die Oxazapam – einem Mittel gegen Angstzu­stände und Schlafstörungen – ausgesetzt sind, aktiver werden und sich weniger sozial verhalten. Das Abwasser der ARA wurde nicht auf dieses spezifische Medikament getestet – jedoch auf andere, wie Amisulprid, Citalopram und Ven­la­faxin. Gemäss dem ARA-­Geschäftsführer ist durch den Ablass des gereinigten Abwassers in den Rhein die Konzentration der Stoffrückstände viel weniger hoch als bei anderen Messstellen, wie beispielsweise in der Zentralschweiz oder dem Schweizer Mittelland. Dort fliesst das gereinigte Abwasser in kleine Bäche und die darin enthaltenen Medikamente führen belegbar zur Verweiblichung der männlichen Fische. 

Schweiz verpflichtet zur  vierten Reinigungsstufe 
Die Schweiz reagierte auf solche Ergebnisse und ging in die Offensive: Aufgrund des Gewässerschutzgesetzes von 2016 müssen rund 120 der heute 700 bis 800 Kläranlagen an besonders belasteten Gewässern eine vierte Reinigungsstufe zum Abbau von Mikroverunreinigungen erstellen. Die Kläranlage Altenrhein hat bereits aufgerüstet: Dank Ozon und Aktivkohlefilter ist das Abwasser am Schluss so sauber, dass das Ökosystem kaum belastet wird. So weit ist Liechtenstein noch nicht. «Irgendwann wird die vierte Stufe sicher kom­men, doch wann das sein wird, kann ich noch nicht sagen», sagt Hasler. So muss man hierzulande mit den drei Filterstufen auskommen. Eine Neuerung wird es in den kommenden Jahren aber wahrscheinlich geben: Das Phosphor, das im Klärschlamm enthalten ist – es wird heutzutage zu Asche verbrannt und anschliessend in Zement verarbeitet – soll ab 2025 aus dem Schlamm gefiltert und recycelt werden. Schliesslich kann das Phosphor dann als Dünger für Landwirtschaftsflächen zum Einsatz kommen. «Damit müssen die hiesigen Bauern keinen Dün­ger mehr importieren, sondern können auf einen ökologischen aus Liechtenstein zurückgreifen», erklärt Hasler.»

Keine Probe auf Rückstände von Pestiziden
In diesem Jahr führte die ARA eine Messung der Mikroverunreinigungen durch. Das Abwasser wurde auf zwölf ausgewählte Stoffe überprüft – die letzte Abwasserüberprüfung im Bezug auf Mikroverunreinigungen fand im Jahr 2017 statt. Die Analyse des Zulaufs sowie Ablaufs der ARA erfolgte am 12. und 13. Februar 2020. Die Proben entnahm die ARA selbst. Nur zwei der zwölf untersuchten Stoffe im Abwasser dienen nicht dem medikamentösen Zweck, sondern kommen in der Industrie zum Einsatz. Es sind sogenannte Korrosionsschutzmittel. Somit wurde keine Probe auf Rückstände von Pestiziden entnommen. Hilmar Hasler erklärt zu den bereits vorliegenden Testergebnissen: «Die Messungen ergaben keine Auffälligkeiten – einzig die Bluthochdruckmittel (Hydrochlororothiazid, Irbesartan, Meto­prolol) sind im Vergleich mit den Werten von St. Gallen mehrfach erhöht.» Konkrete Rückschlüsse, weshalb genau diese Werte erhöht sind, kann Hasler keine ziehen.

22. Mai 2020 / 21:22
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