• Helmut Bühler, Gamprin
    Helmut Bühler, Leiter des Hochbauamts, betreut seit 20 Jahren alle Anliegen rund um die Alpe Rauz.  (Tatjana Schnalzger)

60 000 Kronen für eine Alp

Vor mehr als 100 Jahren erstand die Gemeinde Gamprin eine Alp am Arlberg, die heute ein Knotenpunkt des Skigebiets ist. Helmut Bühler erzählt, wie es dazu kam.

«Der Gemeinderat erteilt seine Zusicherung für den Neubau der Schindlergratbahn», steht im Gemeindeprotokoll von Gamprin. Da taucht die Frage auf: Weshalb entscheidet eine Liechtensteiner Gemeinde darüber, ob am Arlberg eine neue Bergbahn gebaut wird?

Die Gründe, die weit zurück in die Geschichte gehen, kennt Helmut Bühler, Leiter des Hochbauamts. «Im bäuerlichen Gamprin waren die Bauern darauf angewiesen, ihr Vieh auf verschiedenen Alpen zu sömmern. Eigene Alpen hatte die Gemeinde keine», so Bühler. So pachtete Gamprin einen Teil der Alp Sücka, die seit 1712 im Besitz der Fürsten  von Liechtenstein war. 175 Jahre lang ging das gut so, bis Fürst Johann die Sücka versteigerte. Für 36 320 Gulden erhielt die Gemeinde Triesenberg den Zuschlag – und Gamprin stand ohne Alp für ihr Vieh da.

Eine neue Lösung musste her: Fünf Gampriner Viehbesitzer, die bereits eine Alp in Dalaas pachteten, erfuhren, dass die Alpe Rauz am Arlberg zum Verkauf stand. «Doch der Preis war den fünf Interessenten zu hoch. Deshalb schlugen sie der Gemeinden den Erwerb vor», erklärt Bühler. Am 23. Februar 1914 konnte dann im Gasthaus Löwen in Bendern der Vorvertrag zum Kauf der Alpe Rauz in der Gemeinde Klösterle für 60 000 Kronen von Vorsteher Johann Hasler und den Besitzern abgeschlossen werden. Die 300-Einwohner Gemeinde waren nun im Besitz einer Eigenalpe am Arlberg, die grösser ist als die Fläche des Gemeindegebiets. Doch nicht nur Gamprin besitzt Alpen im Ausland.  So hat zum Beispiel Ruggell eine Alp im Montafon und Schellenberg eine im Silbertal. 

Tuberkulose-Gefahr macht Alpe Rauz zu schaffen
Die beiden Weltkriege, der jeweils lange Auf- und Abtrieb zu Fuss von Gamprin auf den Arlberg und Seuchen machten den Gampriner Bauern das Leben nicht leicht. Mit einem Fussmarsch und Krieg haben die Viehbesitzer heute zwar nicht mehr zu kämpfen, mit Seuchen hingegen schon. Derzeit darf nur Vorarlberger Vieh die Alpe Rauz bestossen. Aufgrund von Tuberkulose-Gefahr kann das  Liechtensteiner und Schweizer Vieh nicht ins Vorarlberg gebracht werden. «Wird die Alpe zu wenig bestossen, verwildert alles», erklärt Bühler. Er hofft, dass die Gefahr bald gebannt ist.

Doch auch die zunehmende künstliche Beschneiung und invasive Eingriffe in die Natur für Pisten- und Bergbahnenbau, stimmen Helmut Bühler kritisch: «Bei den Bergbahnen und den Skigebieten herrscht ein gewisser Grössenwahn zu Lasten der Natur.»Die Entwicklungen der Alpe hat Bühler in seinen 20 Jahren Amtszeit mitverfolgt. «Bei der älteren Generation ist die Alpe Rauz sicher noch im Gedächtnis. Doch die jüngeren Leute interessieren sich weniger dafür», erklärt der Leiter des Hochbauamts. Dabei springt für die Gampriner durch den Alpbesitz sogar ein Vorteil heraus: «Die Tageskarte bekommen wir zum Einheimischen-Tarif», so Bühler. (rar)

23. Mai 2018 / 11:30
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