• «Nur» einer einzigen Delfinschule (Schwarm/Herde) begegneten die Segler auf ihrer dreiwöchigen Überfahrt.

25 Tage lang kein Land in Sicht

Mit vier Monaten Verspätung konnten Dominique Marxer und Maja Sanchez ihre Weltumseglung fortsetzen. Ohne Probleme erreichten sie nach dreieinhalb Wochen die karibischen Inseln, wo sie nun für längere Zeit verweilen wollen.
Eschen. 

Eigentlich hätten die angehenden Weltumsegler der «SY Yemaya», Dominique Marxer aus Eschen und Maja Sanchez aus Zürich, schon Ende Januar dieses Jahres von Lanzarote aus ihre Atlantiküberquerung starten wollen. Doch ein Unglück jagte das nächste: Unter anderem leckte die Kühlwasserpumpe des Motors, die Klampen mussten verstärkt werden und zum Schluss ging bei einer Probefahrt noch das Getriebe kaputt – ausgerechnet auf einer viel befahrenen Schifffahrtsstrasse zwischen Lanzarote und Gran Canaria. Endlich wieder an Land musste das Seglerpaar auf die Reparatur und die Ersatzteile fast einen ganzen Monat warten, wie  zuvor schon auf viele andere Ersatzteile. Bereits bei der Beladung des Schiffes mit dem ganzen Proviant in Lanzarote merkten die Hobbysegler, dass das voll beladene Schiff zu tief im Wasser lag. Daher entschieden sie sich in Gran Canaria aufgrund der Verzögerungen, das Boot aus dem Wasser zu heben, um die Wasserlinie zu erhöhen. Doch auch dies ging nicht so einfach wie geplant: Am Ruder zeigten sich plötzlich wieder kleine Osmosestellen, sodass eine erneute Schleifpartie anstand. Als alles geregelt war, riss beim Einwassern des Bootes auch noch der Hydraulikschlauch des Krans und schon wieder verzögerte sich die Reise. 

Dominique bei Arbeiten auf dem 16 Meter hohen Mast.

Kochen trotz starken Wellengangs
Am 8. Mai dann war es so weit: Mit vier Monaten Verspätung legte das Seglerpaar endlich los. «Wir sind gut gestartet und hatten viel Wind, aber auch viele Wellen», erzählt Maja Sanchez. Schon in der ersten Nacht sei eine Welle ins Cockpit geschwappt und das Wasser drang in den Schlafraum vor. «Es war schwierig, das Boot zu stabilisieren beziehungsweise den Kurs so zu setzen, dass die Wellen angenehm waren», sagt Dominique Marxer. Da die Wellen aus zwei verschiedenen Richtungen kamen, schaukelte das Boot ziemlich stark. «Uns wurde schnell schwindelig, wenn wir uns auf etwas konzentrieren wollten», erklärt Sanchez. Daher hätte es sie viel Überwindung gekostet, um überhaupt irgendetwas zu machen. «Vor allem das Kochen war sehr anstrengend, da immer alles umherrutschte oder ständig das Wasser überschwappte.» Nach einer Woche und vielen Verbrennungen später haben sie sich aber an den starken Wellengang gewöhnt. 

Keinen einzigen Fisch gefangen
Während ihrer ganzen Atlantiküberquerung hatten die Segler immer gutes Wetter. Entweder schien die Sonne oder es war leicht bewölkt. Nicht einmal hätten sie zu viel Wind gehabt. «Eigentlich war die ganze Überfahrt total langweilig», scherzt Dominique Marxer. Sieben Tage war der Wind eher etwas zu schwach: «Wir sind schon vorwärtsgekommen, aber nicht so schnell, wie wir wollten». Eigentlich müssten die Winde zu dieser Jahreszeit sehr stark sein – eher zu stark. Und wenn man mit erfahrenen Seglern spreche, höre man immer wieder, wie schnell sich das Meer wegen des Klimawandels verändert habe. «Eigentlich ist es bedenklich, dass es in dieser Jahreszeit so wenig Wind hatte.» 

Normalerweise würde man bei einer Atlantiküberquerung auch viele Delfine oder Wale sehen – aber sie seien nur ein einziges Mal einer Delfinschule begegnet. Obwohl sie die Angel tagsüber wie auch nachts draussen liessen, hatten sie – im Gegensatz zu Dominique Marxers erster Atlantiküberquerung 2013, wo er täglich Fische fing – keinen einzigen Fisch an der Angel. Stattdessen seien sie tagelang über riesige Algenfelder gefahren. «Im Atlantik entwickelt sich schon seit ein paar Jahren eine Algenplage, die sich vom Norden in den Süden ausbreitet», erklärt Marxer. Dafür haben sie zahlreiche fliegende Fische gesehen, die manchmal auch auf ihrem Boot gelandet sind. «Manchmal sind sie auch vor dem Boot weggesprungen», erzählt Maja Sanchez. Daher haben sie mehrere Möwen mitten auf dem Atlantik begleitet, um sich die aufgescheuchten Fische zu schnappen. 

Statt Fischschwärmen gab es im Atlantik ganze Algenfelder, die es zu durchqueren galt.

Windfahnensteuerung bereitete Probleme
Auf dem Boot sassen die beiden bei Temperaturen zwischen 23 und 32 Grad viel draussen, schauten Filme, lasen Bücher und genossen die Einsamkeit auf dem Meer. Das 29 Grad warme Wasser konnten die beiden auf der Überfahrt nicht geniessen, da es keine Flauten gab. 

Das Wetter haben die beiden stets genau beobachtet. Durch ihren späten Start war die Gefahr erhöht, in einen Hurrikan zu geraten. Daher sind die beiden relativ weit in den Süden gesegelt, um allfälligen Hurrikans ausweichen zu können. «Bei angekündigten Wetterfronten auf dem Radar oder dunklen Wolken muss man schnell reagieren und die Segel reffen (Anm. d. Red.: die Segelfläche verkleinern)», erklärt Dominique Marxer. Während der Nacht wechselten sie sich alle drei bis vier Stunden mit dem Wachdienst ab. Hatten sie deshalb mit Schlafmangel zu kämpfen? «Ich habe es mir schlimmer vorgestellt», sagt Maja Sanchez. Durch das ruhige Wetter konnten sie sich auch am Tag gut ausruhen. Der Schlafmangel habe sich aber insofern gezeigt, dass sie trotz Schaukeln und Knarren sofort einschliefen. Auch das Boot hätten sie täglich kontrolliert. «Das Einzige, das uns Probleme machte, war unsere Windfahnensteuerung von 1976.» Diese habe sich nicht bewährt, da sie viele Kurskorrekturen vornehmen mussten. Kurzerhand ersetzten sie die Windfahnensteuerung durch den Autopiloten. Dabei gingen sie das Risiko ein, das Boot über längere Zeit selbst steuern zu müssen, weil der Autopilot der hohen Atlantikdünung eventuell nicht hätte standhalten können. Auch verbrauchten sie mehr Strom als geplant, denn schon wegen der vielen Kameras, die permanent liefen, sei es mit dem Strom manchmal etwas eng geworden. Um die Batterien zu laden, liessen sie manchmal den Motor laufen. «Doch glücklicherweise hielten die Reserven und der Autopilot bis zum Schluss.» 

«Ganz alleine auf dem Atlantik»
18 Tage lang haben die Segler kein einziges Boot gesehen, nicht einmal auf dem System mit einer Reichweite von über 40 Seemeilen. «Das war schon speziell, alleine auf dem Atlantik zu sein.» Drei Tage vor Barbados erkannten sie die ersten Schiffe auf dem System und einen Tag vor der Ankunft sichteten sie einen Tanker. «Wir haben regelrechte Freudensprünge gemacht, weil es so schön war, nach 25 Tagen auf See wieder Land und Menschen zu sehen», so Maja Sanchez. Gegen Mittag erreichten sie Barbados und hissten die gelbe Flagge, die bedeutet, dass die gesamte Besatzung gesund ist und gerne an Land kommen würde. Vier Stunden später kam jemand von der Immigration auf das Boot und schickte die beiden zur Zollverwaltung. «Insgesamt mussten wir sieben Crewlisten ausfüllen, aber in einer halben Stunde war alles erledigt», freute sich Dominique Marxer. Das Paar war begeistert von der Gastfreundschaft auf Barbados, hat mittlerweile die ganze Insel besichtigt und ist vor Kurzem nach St. Vincent und die Grenadinen und danach nach Grenada weitergezogen, um zu entspannen und das Boot für die Hurrikan-Saison sicher unterzubringen. 

Durch die diversen Startverzögerungen hat sich der ursprüngliche Plan stark verändert. «Wir rechnen damit, dass wir nun ein Jahr länger unterwegs sind», erklärt Marxer. In der Karibik müssten sie erst die Hurrikan-Saison abwarten, die bis November dauert. Daher wollen sie im August nach Liechtenstein reisen, um sich das nötige Geld für das zusätzliche Reisejahr dazuzuverdienen, bevor es weiter Richtung nördliche Antillen der Karibik geht. (mk)

Die Reise kann unter www.sy-yemaya.com mitverfolgt werden.

02. Jul 2019 / 16:21
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