• Gerichtsgebäude in Vaduz
     (Daniel Schwendener)

Ex-Mitarbeiterin: «Ich bin zutiefst beschämt»

Gerichtsfall: Um Geschenke für ihre Kinder kaufen zu können, hat eine 46-Jährige ihren Arbeitgeber vier Mal bestohlen. Dann wurde sie überführt.

Die finanziellen Nöte spitzten sich gegen Ende des Jahres 2019 zu. Dem Eigenheim drohte die Zwangsversteigerung und Weihnachten sowie der Geburtstag der Tochter standen vor der Tür. Eine ehemalige Angestellte einer Liechtensteiner Institution und vierfache Mutter wusste sich daraufhin nicht mehr anders zu helfen, als sich in das Büro der Buchhaltung zu schleichen und dort aus einem verschlossenen Aktenschrank aus der ebenfalls verschlossenen Handkasse Geld zu entwenden. Vier Mal im Zeitraum von Mitte Dezember 2019 bis Mitte Januar 2020 hat sich die 46-jährige Liechtensteinerin unrechtmässig mit einem Betrag von insgesamt 2450 Franken bereichert, bis ihr der Arbeitgeber auf die Schliche kam und Anzeige erstattete.

Gestern musste sich die ehemalige Mitarbeiterin vor dem Kriminalgericht verantworten. Ihr wurde gewerbsmässiger Diebstahl durch Einbruch sowie das Vergehen der Geldwäscherei zur Last gelegt. Von Beginn an zeigte sich die 46-Jährige geständig und reumütig. Sie sei froh, dass sie überführt wurde. «Ich habe mich selbst nicht mehr gekannt und bin zutiefst über mich  selbst beschämt», sagte sie vor dem Senat. Zu klären galt es während der eineinhalbstündigen Verhandlung vor allem, ob der Diebstahl gewerbsmässig war. Denn hierfür würde das Strafmass härter ausfallen.

Tränen bezeugten die Einsicht der Angeklagten
Ausserhalb ihrer Dienstzeiten und immer zwischen 19 und 19.30 Uhr war die Liechtensteinerin vier Mal zu ihrer Arbeitsstelle gefahren, um aus der verschlossenen und sicher im zugesperrten Aktenschrank verstauten Handkasse einen Barbetrag von jeweils zwischen 570 und 720 Franken zu entwenden. Wo das Geld aufbewahrt wurde und dass sie die Schlüssel im Schreibtischkorpus finden würde, wusste die 46-Jährige, weil sie es während der Arbeit schon gesehen hatte. Seit gut einem Jahr arbeitete die 46-Jährige bei der Liechtensteiner Institution, bevor sie diese beklaute. «Der finanzielle Druck war sehr gross. Wir haben Schulden und gegen Ende des Jahres kommen immer noch sehr viele Rechnungen auf uns zu. Ich habe das Geld aber mit der Absicht genommen, es zurückgeben zu können, bevor jemand etwas merkt», erklärte die Angeklagte dem Richter und fügte sogleich an, dass sie wisse, dass dies der falsche Weg gewesen sei. Nach 25 Jahren als Hausfrau habe sie sich sehr über die Arbeitsstelle gefreut. «Sie war wie ein Lottosechser.»

Von der Reue und vor allem der Einsichtigkeit überzeugt, sprach der Senat schliesslich ein mildes Urteil. Dass der Dieb­stahl – wie von der Staatsanwaltschaft aufgeführt – gewerbsmässig war, daran hielt allerdings auch der Richter fest. Die Frequenz und der Tatzeitraum waren dafür ausschlaggebend. Die 46-Jährige wurde schliesslich zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, bedingt nachgesehen mit einer Probezeit von drei Jahren. Die Kosten für das Verfahren von 1000 Franken wurden als uneinbringlich eingestuft und von einem Wertersatzantrag sah der Richter ebenfalls ab. Die Liechtensteinerin hat ihrem Ex-Arbeitgeber das Meiste der 2540 Franken zurückbezahlt. (jka) 

02. Jul 2020 / 22:22
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