• Der Ruggeller Kater Whisky hat in dreieinhalb Lebensjahren schon einiges durchgemacht.

Böse Überraschung

Im Rücken von Kater Whisky werden beim Röntgen zufällig zwei Projektile entdeckt.

Die einen verzehren sich ein Leben lang nach öffentlicher Wertschätzung und Prominenz, den anderen fliegen die Herzen im Nu zu. So wie «Whisky». Zarte dreieinhalb Jahre ist er alt – und hat längst den Status einer kleinen Dorfberühmtheit inne. Praktisch täglich ist der Kater von Renate Buda vor dem Rec-Einkaufszentrum in Ruggell anzutreffen, mal auf seiner Decke liegend, mal herumflanierend. Er lässt sich streicheln, verputzt pflichtbewusst die ihm dargebotenen Leckereien und schenkt den Menschen dafür ein zutiefst zufriedenes Schnurren und einen warmen Blick aus seinen funkelnd grünen Katzenaugen. «Whisky ist im Landgasthof Rössle zur Welt gekommen», erzählt Renate Boudas Schwiegersohn Heiko Büchel. «Er hatte also schon immer Menschen um sich, schätzt sie und sucht den Kontakt zu ihnen.» Wenn beim Rec einmal weniger los sei, schlendre der Kater auch gerne zur Primarschule weiter, um sich seine Schmuseeinheiten bei den Kindern abzuholen. «Zurück kommt er meist erst am Abend.»

Seit Kurzem bleibt der ausgewiesene Menschenfreund seinen üblichen Lieblingsplätzen allerdings fern: Als eine Frau am Sonntag ihr Auto vom Parkplatz des Einkaufszentrum manövrierte, kam es zur Kollision mit Ruggells berühmtestem Vierbeiner. «Er war wohl genau in diesem Moment von einem Hund aufgeschreckt worden», berichtet Büchel. Glücklicherweise, ergänzt er, habe die Lenkerin den Kater erkannt und sofort die Besitzerin verständigt. «Dafür sind wir ihr sehr dankbar.» Einige Stunden später fand Renate Bouda ihren Whisky auf einem Feld, die Hinterbeine bereits von Lähmungserscheinungen betroffen.

Vorfall muss schon eine Weile zurückliegen

Der anschliessende Gang in die Tierklinik in Rankweil förderte Positives wie Erschütterndes zu Tage. Einerseits kam der Kater beim Unfall wohl noch verhältnismässig glimpflich davon. Bis auf eine fraglos schmerzhafte aber operativ korrigierbare Verschiebung des Hüftgelenks, die gemäss behandelnder Tierärztin auch für die temporäre Lähmung der Hinterbeine verantwortlich war, hatte Whisky keine schwerer wiegenden Blessuren davongetragen. Andererseits offenbarten die Röntgenaufnahmen eine völlig unerwartete Abscheulichkeit: Im Rückenbereich des Tiers befanden sich zwei Fremdkörper – Luftgewehrpatronen, abgefeuert von Menschenhand. «Eine davon hat die Wirbelsäule nur ganz knapp verfehlt», erzählt Heiko Büchel. «Ein Zentimeter weiter zur Mitte, und der Kater hätte es vermutlich nicht überlebt.»

So aber spazierte Whisky Tag für Tag zum Einkaufszentrum und wieder nach Hause, ohne dass jemand Notiz davon genommen hätte, wie knapp er dem Tod von der Schippe gesprungen war. «Der Vorfall», sagt Büchel, «muss schon eine Weile zurückliegen.» Eine Wunde habe in der Tierklinik jedenfalls nicht gefunden werden können.

Die Chancen, dass sich jemand für die Schüsse auf das wehrlose Tier verantworten muss, werden dadurch nicht unbedingt grösser. Dennoch hat Heiko Büchel bei der Landespolizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Er rechne nicht damit, dass die Polizei viel ausrichten könne, sagt er. Aber er will auf die Tat aufmerksam machen. Deshalb habe er den Vorfall auch auf Facebook publik gemacht. «Man hat schon einige Male von Giftködern für Hunde gehört und gelesen. Aber auch Katzen können Opfer menschlicher Angriffe werden.»

Hüft-Operation ist sehr gut verlaufen

Whisky wird das Zeugnis dafür für den Rest seines Lebens in sich tragen. Gestern wurde seine malade Hüfte in Rankweil erfolgreich mit einer Schraube fixiert. Die beiden Projektile beliessen die Ärzte nach einigem Abwägen an Ort und Stelle. «Weil von ihnen keine Gefahr mehr ausgehen sollte», so Heiko Büchel. Sollten die kommenden Tage ebenfalls so komplikationsfrei verlaufen wie die Operation, darf Whisky noch vor dem Wochenende zurück nach Hause. Und vor dem Einkaufszentrum mit Sicher-heit schon bald die nächsten Herzen erobern. (bo)

23. Okt 2019 / 06:00
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