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    Bronze im Olympia-Super-G von Pyeongchang. Es war ihr bisher grösster Erfolg.  (JEON HEON-KYUN)

Tina Weirather als Tagebuch-Autorin

Im Schweizer Crowdfunding-Projekt «N°1» lässt Tina Weirather die Leser in «Mein Olympiatagebuch» tief in ihren Alltag blicken. «Ich habe Angst» titelt die 29-Jährige und berichtet komplett offen über ihren grössten Karrieretriumph.

«Hätte es mit dem Skisport nicht geklappt, wäre Journalismus eine Alternative gewesen.» Diese Aussage stammt von Tina Weirather, die sich im Sportmagazin «N°1» tatsächlich als Autorin versucht und ihre Arbeit sehr spannend und gut macht. Ihr Olympiatagebuch beginnt 150 Tage vor dem grossen Jubel an den Winterspielen in Südkorea. Weirather startet am Gardasee. «Ich sitze im Wohnzimmer unseres Hauses in Gardone Riviera», schreibt die Sportlerin des Jahres 2018. Sie blickt auf das Training in Chile zurück und erklärt dem Leser, dass sie mit 28 Jahren, im Herbst ihrer Karriere, es nochmals wissen wolle. Vom alten Team habe sie sich ausser von Konditionstrainer Micha und der Sporttherapeutin Fabienne von allen anderen getrennt. Weirather schreibt: «Material, Servicemann, Trainer, Manager: alles neu. Ich glaube, jede Stelle ist jetzt besser besetzt als vorher.»

«Die Angst ist grösser als der Wille»

Eine Woche später befindet sich Tina Weirather im Training in Zermatt. Sie kämpft dort mit sich selber und ihrer Angst – herrührend auch von den vielen Verletzungen, die sie in ihrer Karriere durchleben musste. Sie zieht ihr Training nicht voll durch und regt sich in der Folge darüber auf, hinterfragt viel zu viel und kommt zum Schluss: «Körperliche Wehwehchen, zwei drei äussere Umstände und schon nehmen die negativen Gedanken ihren Lauf.» Die Angst begleitet Weirather weiter. Es folgen die Monate Oktober und November. Weil Skifahrer dann pushen, sei diese Zeit die gefährlichste überhaupt. Die Planknerin macht den nächsten Sprung im Tagebuch – zum Weltcupauftakt in Sölden. Nach Lauf eins liegt die Liechtensteinerin auf Rang fünf, im zweiten Lauf scheidet sie im Steilhang aus. Fehlende Entschlossenheit sei der Grund dafür gewesen. 

In Lake Louise tankte Weirather dann Selbstvertrauen. Ein Sieg, ein zweiter und ein fünfter Rang nimmt sie aus Übersee mit und weiss: «Es wären auch drei Siege möglich gewesen.» Entschlossen ging sie im Super-G zu Werke. «Rote Nummer … Nummer eins …, Sei arrogant Tina. Fahr Arrogant!», schreibt die Planknerin und stellt sich dabei Kjetil Jansrud vor, wie er diesen Kurs fahren würde. «Wie eine Katze auf Koks. Das kam mir in den Sinn im Starthäuschen und ich musste lachen. Ich fahre jetzt wie Jansrud, wie eine Katze auf Koks. Ich meinte das vollkommen ernst», so Weirather in ihrem Beitrag. 

Der grosse Tag – der grösste Erfolg der Karriere

Dann sind sie da – die Olympischen Spiele mit der Eröffnungsfeier, mit Tränen und Gänsehaut, weil Nord- und Südkorea gemeinsam einmarschieren. Der Moment mit 60 000 Zuschauern muss enorm gewesen sein und schwierig zu beschreiben. Im Riesenslalom fährt Weirather schlecht – nur Rang 22. Der Druck wächst. Weirather leidet und ist zwei Tage später, am Samstag, bereits um 2.15 Uhr wach. Eine halbe Stunde später: «Ich muss mich ablenken, schaue ‹Grace & Frankie› auf Netflix.» Um fünf Uhr schaut Weirather zum letzten Mal auf die Uhr. Dann wird auch noch das Rennen um eine Stunde verschoben. Schuld ist der Wind. «Ich fühle mich aufgewühlt, niemand hat etwas von Wind erzählt.» Weirather ist nervös. Um 8 Uhr geht es weiter. «Ich fahre mit der Gondel hoch, ziehe mich an, fühle mich … seltsam». Dann wird es immer schlimmer. «10.30 Uhr: Ich glaube, ich muss mich übergeben. Ich zittere am ganzen Körper. Ich verliere zu viel Energie. Mir schiessen Tränen in die Augen, ich werde sauer. So starke Emotionen hatte ich noch nie vor einem Rennen», so Weirather und weiter: «Unterwegs rede ich laut vor mich hin. Nein, heute ist NICHT dein Tag, Angst. Heute ist nicht MEIN Tag. Chaos im Kopf.» Weirather sieht dann die verhaltene Fahrt von Vonn mit einem groben Fehler. «Das öffnet Türen. Für mich. Für Gold», schreibt die Planknerin. Im Starthaus ist die Liechtensteinerin dann auf einmal frei. «Alles ist weg, die Übelkeit, das Zittern, die emotionale Achterbahn. Ich starte explosiv.» 

Dann folgt Weirathers grösster Triumph. Sie liegt im Ziel eine Hundertstelsekunde vor Lara Gut und ist auf Goldkurs. Anna Veith und Esther Ledecka fahren aber noch schneller. Am Schluss reicht es für Bronze. Eine Medaille und dies nach all den Rückschlägen bei Olympischen Spielen. Autorin Weirather schliesst mit: «18. Februar. Ich wache nach einer kurzen Nacht auf. War es nur ein Traum? Ich schaue zur Seite, auf dem Nachttisch die Medaille.» Es war kein Traum. (kop)

13. Dez 2018 / 06:30
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