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Sogar Eintracht Frankfurt hat gratuliert

FCV-Präsident Patrick Burgmeier hat die Aufstiegsfeier am Montagabend verpasst – zu viele Emotionen prasselten auf ihn ein.
Liechtenstein Fussball FC Vaduz Empfang Buergermeister Manfred Bischof
Gratulationen erhielt Patrick Burgmeier für den FC Vaduz in den letzten Stunden von überall – gestern ­offiziell auch von Bürgermeister Manfred Bischof (r.). (Bild: © Eddy Risch)

Vor knapp einem Jahr hat Patrick Burgmeier das Amt des FCV-Präsidenten von Ruth Ospelt übernommen. Am Montag war er live in der Thuner Stockhorn-Arena dabei, als der FC Vaduz den dritten Aufstieg in der Vereinsgeschichte schaffte. Gleich in der ersten Saison als Präsident darf Burgmeier einen Grosserfolg feiern.

Patrick Burgmeier, wann sind Sie ins Bett gekommen in der Nacht auf Dienstag nach dem sensationellen Aufstieg und dem Spiel in Thun?

Patrick Burgmeier: Eigentlich sehr früh. Ich bin nicht mit der Mannschaft gereist, sondern selber mit den Juniorenbus und den Vorstandskollegen nach Thun gefahren. Wir waren darum auch einiges früher zurück in Vaduz.

Dann haben Sie die Aufstiegsfeier verpasst? Es war ja noch einiges los rund ums Stadion.

Ich war fix und fertig und wollte nicht noch mehr als eine Stunde auf den Bus warten. Die ganze Situation, die Angespanntheit und die Emotionen waren etwas gar viel. Von der Stimmung habe ich aber gehört, dabei haben wir gar nichts Offizielles geplant. So konnte aber auch die Mannschaft untereinander feiern und offiziell haben wir ja heute noch feiern können.  

Das ist verständlich. Da waren viele Emotionen im Spiel – sicher auch negative. Der FC Thun ist ein ähnlicher Verein wie Vaduz und nach dem Spiel gab es nicht nur Sieger.

Es war wirklich viel los an diesem Tag. Nach dem 2:0-Hinspiel und unserem Polster waren wir euphorisch. Die Türe zur Super League stand wirklich schon weit offen. Ich war schon vor der Partie überzeugt, dass wir es packen werden, wenn die Mannschaft die gewohnte Leistung auf den Platz bringt. Eigentlich bin ich auch darum mit viel Vorfreude nach Thun ins Berner Oberland gereist, obwohl mir natürlich auch bewusst war, dass der Gegner heimstark ist und eine starke Rückrunde in der Super League spielte. In der Partie sind wir unserem Ziel aber immer nähergekommen. Wir gingen in Führung und beim 2:2 dachte ich dann so für mich – O. K., das war’s, jetzt packen wir es. Am Schluss mussten wir aber dann noch etwas zittern. Gleichzeitig erhielten wir während des Spiel Informationen vom Public Viewing in Vaduz. Wir haben das Spiel auf der LED-Anzeigetafel im Stadion gezeigt, damit wir die Covid-Schutzmassnahmen gut ein­halten konnten. In Vaduz herrschte eine Topstimmung und sehr viele Fans nutzten die Möglichkeit – das hat mich riesig gefreut. Und dann kam der Schlusspfiff, der Aufstieg war perfekt und im ersten Moment realisiert man das dann aber doch nicht richtig. Trotzdem fiel eine riesige Last von mir. Ich habe es genossen, der Mannschaft gratulieren zu dürfen. Im zweiten Moment denkt man aber auch an den Gegner. Ich habe versucht, Sportchef Andreas Gerber, Präsident Markus Lüthi und natürlich auch Nicolas Hasler etwas aufzumuntern und ihnen viel Glück für die Zukunft zu wünschen. Es ist bitter, wenn es einen sympathischen Verein wie den FC Thun trifft, zu dem wir immer sehr gute Kontakte gepflegt haben. Für sie tut mir die ganze Situation sehr leid. Schliesslich kam die dreistündige Rückreise, auf der das eine oder andere wieder hochkam. Am Schluss war ich einfach nur noch nudelfertig.

Konnten Sie sich auf der Rückfahrt überhaupt konzentrieren oder kamen ständig Glückwünsche aufs Handy?

Das war tatsächlich enorm – sogar Eintracht Frankfurt hat uns zum Aufstieg gratuliert. Aber auch sonst erhielten wir viele nette Gratulationen von Super-League- und Challenge-League-Vereinen und auch von allen Liechtensteiner Fussballclubs. Sponsoren, Partner, Sportminister Daniel Risch und Bürgermeister Manfred Bischof waren auch dabei. Ich fand das sensationell – wie sich alle mit uns gefreut haben.

Sie haben die Schweizer ­Ver­eine angesprochen, die gra­tuliert haben. Ganz allgemein nimmt man in der Schweiz den FC Vaduz weniger als fremden Verein wahr, als dies noch bei früheren Aufstiegen der Fall war. Sehen Sie dies auch so?

In den Kommentarspalten der Onlinemedien hatte ich auch diesen Eindruck. Zudem haben grössere Zeitungen in der Schweiz in den letzten Tagen über unsere neue regionale Ausrichtung berichtet. Es gibt wirklich viel mehr positive Reaktionen und der FC Vaduz wird in der Schweiz sympathischer wahrgenommen als früher. Zusätzlich gab es auch viele sportliche Einschätzungen – man hat anerkannt, dass wir verdient aufgestiegen sind.

Ohne Aufstieg hätte das Budget für die neue Saison bereits wieder gesenkt werden müssen. Nun schwirrt eine Zahl von 6 Millionen Franken herum. Womit kann der FCV in der Super League nun rechnen?

Unser Budget in der Super ­League­ wird um die 6 Millionen Franken betragen, vielleicht etwas weniger. Damit haben wir klar das tiefste Budget aller Vereine. Das zweitgrösste Budget wird plus/minus doppelt so hoch sein. Unser Ziel ist klar, dass wir auch in der Super ­League nicht mehr ausgeben werden als wir haben. Die Spieler haben alle Verträge für beide Ligen und werden nun etwas mehr verdienen. Dafür erhalten wir mehr TV-Gelder und können, sofern sich die Coronasituation entspannt, mehr Zuschauereinnahmen generieren. Für uns ist klar, wir gehen mit der gleichen Mannschaft in die Super League, mit der wir jetzt aufstiegen sind. Vielleicht gibt es ganz minime punktuelle Verstärkungen.

Mehr Zuschauer gibt es nur, wenn sich die Coronasituation verbessert. Heute informiert der Bundesrat. Was erwarten Sie?

Aus den Gesprächen mit der Swiss Football League bin ich eher positiv gestimmt, aber es ist schwierig zu spekulieren. Es braucht sicher Konzepte, damit wieder mehr Fans ins Stadion dürfen – Stichwort Maskenpflicht, keine Gästefans oder 50 Prozent Auslastung. Wir hoffen auf einen gangbaren Weg, weil in der Super League sind die Zuschauereinnahmen auch für uns wichtiger als in der Challenge League. Wir dürfen bei allen Argumenten gegen eine Öffnung auch nicht vergessen, wie viele Arbeitsplätze am Profifussball- und Profi-Eishockey hängen, und auch wenn keine Gästefans zugelassen sind, kämen sicher mehr Fans aus der Region, die gerne auch ein Spiel mit dem FC St. Gallen, dem FC Basel oder YB verfolgen möchten. (In der Super League hatte der FCV zuletzt einen Schnitt von rund 4000 Zuschauern, die Redaktion.)

Geld sparen kann der FCV dank Losglück auch in der ersten Runde der Europa-League-Qualifikation gegen Hibernians aus Malta. Die Reisekosten fallen weg.

Das stimmt, wir hatten Losglück. Am Morgen war klar, wir treffen auf ein Team aus Malta oder der Slowakei. Intern haben wir uns Malta gewünscht, weil wir die slovakischen Teams einiges stärker einschätzen. Weil wegen Corona kein Heim- und Rückspiel stattfindet, können wir dank dem erstgezogenen Los und damit Heimrecht die Reisekosten einsparen. Je nachdem, wohin es in früheren Jahren ging, haben die Reisekosten einen grossen Teil der Uefa-Prämie (rund 240 000 Euro, die Redaktion) aufgefressen. Das fällt in der ersten Runde weg, dafür gibts trotz Zuschauerverbot arbeitstechnisch viel zu erledigen. Die Uefa-Vorgaben sind recht aufwendig. Das Ziel ist aber sowieso klar, dass wir auch in der zweiten Runde noch dabei sind.    

Die Spieler erhielten nun ein paar Tage Auszeit bis nächsten Montag. Darf der Präsident jetzt auch ein wenig durchatmen?

Die Arbeit geht uns sicher nicht aus. Nach den letzten aufreibenden Wochen ist es jetzt das Ziel, dass es auch für mich und die Geschäftsstellenmitarbeiter zwei, drei Tage Zeit gibt zum Durchatmen. (kop)

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