• Liechtenstein Sport Judoclub Ruggell
    Manuel (oben) und Raphael Bicker beim Training im Do-Jo des Judoclubs Ruggell.  (Eddy Risch)

Schellenberger Brüder setzen voll auf Judo

Manuel (13) und Raphael Bicker (15) haben als vierjährige Knirpse mit dem Judosport begonnen und sind immer noch Feuer und Flamme.
 
Montagabend beim Feuerwehrdepot in Ruggell. Das improvisierte Do-Jo (Trainingsraum) des Judoclubs Ruggell ist einmal mehr prall gefüllt. Rund 20 Kinder haben ihr Training, das auch viele spielerische Elemente beinhaltet, bald geschafft. Beim abschliessenden Za-Rei (dem Gruss am Boden) haben es die beiden Trainer nicht ganz leicht, die quirligen und aufgedrehten Kinder für einen Moment ruhig zu halten. Doch siehe da – die Kinder wissen, worum es geht, und innert kurzer Zeit kann das zum Judo gehörende Ritual durchgeführt werden. Im Hintergrund haben  sich bereits die älteren Judokas zum Training vorbereitet. Es sind weitere rund 25 Judosportler, und der Platz wird immer enger. Unter den älteren Kämpfern sind die beiden Schellenberger Manuel und Raphael ­Bicker. Die beiden 13- und 15-jährigen Brüder warten, bis die Kleinsten ihr Training beendet haben, um dann selber mit dem Aufwärmen mit Trainer David Büchel starten zu dürfen. 
 
Ein Flyer im Kindergarten hat das Interesse geweckt
 
Raphael Bicker ist der ältere der beiden Brüder. Er erinnert sich zurück, dass er im Kindergarten einen Flyer über Judotraining in den Händen hielt und dort unbedingt vorbeischauen wollte.  Sein Vater Thomas war früher selber Judoka, musste aber im Alter von etwa 14 Jahren seinen geliebten Sport verletzungsbedingt an den Nagel hängen. Nicht so Raphael Bicker. Er besuchte als vierjähriger Knirps das Training und war hell begeistert. Heute meint er dazu: «Judo ist Kraft, Geschicklich-keit und Technik. Man braucht den Körper und den Geist.» Mit einem Grinsen fügt er an: «Und es ist super, wenn man seinen Gegner auf den Boden werfen kann.» Die Begeisterung für Judo, was auf Deutsch im Übrigen «sanfter Weg» bedeutet, sprang dann natürlich auch auf seinen kleineren Bruder Manuel über. Auch er startete mit ungefähr vier Jahren mit dem Judosport. 
 
Manuel Bicker absolviert derzeit die zweite Klasse der Sportschule und kann damit mehr auf Sport setzen als sein älterer Bruder, der früher Sportschüler war, aber seit Sommer eine Lehre als Konstrukteur bei der Firma Hilti macht. Dank der Sportschule kommt Manuel Bicker auf rund zwölf Stunden Training, bei Raphael sind es nur noch drei bis fünf Trainings (dreimal Judo, zweimal Ausdauer, Kraft). Manuel Bicker trumpft in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm vor allem mit seiner Schnelligkeit. Ihm gefällt im Judosport auch, dass es so vielseitig ist: «Trainiert wird alles. Man muss alles beherrschen.» Sein älterer Bruder kämpft in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm. Seine Vorzüge liegen bereits in der Kraft. Der Trainer der beiden Talente, David Büchel, geht bei den Stärken und Schwächen der zwei Bicker-Brüder mehr ins Detail: «Manuels Stärken liegen in seiner Vielfältigkeit. Er kann bereits in seinem jungen Alter diverse Techniken im Wettkampf umsetzen. Vorteile hat er auch dadurch, dass er ein Linkskämpfer ist, was für viele Gegner schwierig ist. Verbesserungspotential hat er sicherlich im Griffkampf», meint er zum jüngeren der beiden Brüder. Zu Raphaels Vorzügen und Schwächen meint David Büchel: «Raphaels Stärken liegen in Kombinationstechniken. Dabei wechselt er während eines Angriffs von der einen zur anderen Technik. Des Weiteren kann er seine Grösse gut ausspielen und er ist sehr gut im Bodenkampf. Bei ihm fehlt die Vielfalt im technischen Bereich, und zum Teil kann er sich im Wettkampf zu wenig fokussieren.» 
 
Das Fernziel: Olympische Spiele 
 
Bis jetzt sind die Highlights in den Karrieren der beiden jungen Judokas noch an einer Hand abzuzählen. Highlights und besondere Erlebnisse waren bisher schlicht internationale Turniere. «Dort sind die Gegner viel stärker, das Niveau ist höher als sonst», meint Raphael Bicker. Übers Jahr kommen rund 30 Turniere – mehrheitlich in der Region – zusammen. Wenn es einmal weiter weg geht, ist dies für die jungen Athleten natürlich spannend. Künftig wird aber vor allem Raphael Bicker auch ein Kandidat für grössere Events – Stichwort EYOF und Kleinstaatenspiele. Für 2021 in Andorra gehört er zu den möglichen Kandidaten, die Liechtenstein vertreten könnten. Raphael Bicker dazu: «Ich will da unbedingt mitkämpfen und auch gewinnen. Im ersten Jahr wird es aber sicher schwierig. Es ist aber ein grosses Ziel von mir, dort dabei zu sein.» Manuel Bicker muss sich hierbei wegen seines Alters noch gedulden. Trainiert und kämpft er aber so weiter wie bis anhin, werden die Spiele 2023 in Malta für ihn ein Thema. Fernziele haben die Bickers natürlich auch. Sie träumen von Einsätzen an Olympischen Spielen. Dass dieses grosse Vorhaben Realität werden kann, zeigt im Moment Raphael Schwendinger, der in Tokio im Sommer realistische Chancen auf ein Ticket hat. Der Ruggeller ist wie auch Trainer David Büchel für Manuel und Raphael Bicker ein grosses Vorbild. «Zu ihnen haben wir schon früher aufgeschaut.» 
 
Sport und Ausbildung: Zeit für andere Hobbys fehlt
 
Manuel und Raphael Bicker wohnen und leben schon immer in Schellenberg. Zwei Jahre lang machte die Familie einen Abstecher nach Nendeln – wohnt jetzt aber wieder in Schellenberg. «Uns gefällt es hier sehr. Es hat hier alles, was es braucht, auch wenn Schellenberg ein kleines Dorf ist. Speziell gefällt mir die Natur, zum Beispiel um zu joggen», meint Raphael Bicker, und sein jüngerer Bruder fügt an: «Ich bin hier aufgewachsen und kenne meine Freunde alle von klein auf. Das ist super, um abzumachen und Zeit mit ihnen zu verbringen.» Viel Freizeit haben Manuel und Raphael Bicker allerdings nicht. Das liegt in der Natur der Sache. Sportschüler wie Manuel Bicker lernen aber früh, ihre Zeit gut einzuteilen. Sie sind in der Regel selbstständiger als «normale» Schüler und trumpfen auch mit viel Eigendisziplin auf. 
 
Die Sportschule bereits ­abgeschlossen hat Raphael Bicker. Aber auch er hat mit seiner im Sommer gestarteten Lehre nur wenig Freizeit. Sport, Schule und Ausbildung müssen unter einen Hut gebracht werden. Auf die Frage, ob sie weitere Hobbys ausser Judo haben, meinen darum auch beide: «Nein, dafür fehlt die Zeit.» (kop)
11. Mär 2020 / 07:00
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