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Nati-Spieler Rechsteiner: «Nun ist wirklich Schluss»

Nationalspieler Martin Rechsteiner verabschiedet sich von der aktiven Fussballbühne. Er möchte sich auf Familie und Beruf konzentrieren.
Rechsteiner
Im Alter von 30 Jahren erklärt Verteidiger Martin Rechsteiner seinen Rücktritt vom Fussball. (Bild: Eddy Risch)

Eigentlich wollte Martin Rechsteiner (30) schon im Sommer aufhören. Aufgrund der EM-Qualifikation und dem FCB-Aufstieg in die Erste Liga hat er jedoch erst zur Winterpause den Schlussstrich gezogen: Er hört nach 47 Länderspielen auf. 

Per Ende 2019 haben Sie die Fussballschuhe an den Nagel gehängt. Was hat Sie dazu bewogen?
Martin Rechsteiner: Ich habe eigentlich nicht im Winter aufgehört, sondern vielmehr bis zum Jahresende verlängert. Das Thema Rücktritt hat sich durch meinen Lebensweg schon im Sommer abgezeichnet. Damals befand sich die Nationalmannschaft jedoch mitten in der EM-Qualifikation und mit Balzers sind wir gerade in die Erste Liga aufgestiegen. Deshalb habe ich mich dazu bereit erklärt, bis zur Winterpause weiterzumachen.

Der Zeitpunkt mitten in der Saison ist ungewöhnlich. 
Wenn ich noch einmal ein halbes Jahr dranhänge, beginnen bei der Nationalmannschaft die Nations League und WM-Qualifikation. Jetzt kann ich für mich einen sauberen Schlussstrich ziehen. Es ist keinesfalls so, dass ich plötzlich im Ärger gehe. Ich möchte im Sommer einfach nicht wieder in derselben Situation stecken.

Welche Faktoren haben zu dieser Entscheidung geführt?
Mein Ziel ist es immer gewesen, dass ich mit 30 Jahren einigermassen gefestigt im Leben stehe. Inzwischen bin ich verheiratet und wir sind Eltern einer einjährigen Tochter. Wenn man drei- bis viermal pro Woche abends trainiert, am Wochenende wegen der Spiele weg ist und die Nationalmannschaft viele Ferientage beansprucht, stellt sich irgendwann die Frage, wie lange der Fussball noch mit der Familie und dem beruflichen Umfeld vereinbar ist. Ausserdem bahnt sich bei der Nationalmannschaft eine neue Generation an. Es ist an der Zeit, ihnen Platz zu machen.

In Ihrer Karriere sind Sie von grösseren Verletzungen verschont geblieben.
Es ist viel wert, dass ich gesund aufhören kann. Es nützt nichts, bis 30 für die Nationalmannschaft zu kicken und danach mit den Kindern nicht mehr Ski fahren zu können.

2012 haben Sie schon einmal den Rücktritt vom Fussball erklärt. Damals spielten sie als Profi beim FC Vaduz und entschieden sich für die Polizeischule.
Nach der Lehre bin ich drei Jahre lang beim FC Vaduz gewesen. Ich hatte nichts zu verlieren, durfte unter Trainern wie Pierre Littbarski spielen. Im Alter von 23 Jahren erhielt ich die Chance zu einer beruflichen Weiterbildung. Da habe ich mir die Frage gestellt, ob ich mit dem Fussball weitermachen möchte. Man muss auch sehen, dass die Jahre zwischen 25 und 30 in einer Karriere wertvoll sind, um sich zu entwickeln. Ich bin eher ein konservativer Mensch und wollte mich mit 30 Jahren nicht neu orientieren müssen. 

Fragen Sie sich manchmal, wie Ihre Karriere als Profi weitergegangen wäre?
Ich bin da realistisch, manche würden sagen zu pessimistisch. Ich hätte in Vaduz verlängern können. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich aus meinen Möglichkeiten viel rausgeholt habe. Sicher wäre es cool gewesen, mit dem FCV aufzusteigen und einige Spiele in der Super League zu machen. Das wäre aber auch schon das höchste der Gefühle gewesen. Allerdings habe ich nie Fussball gespielt, um Profi zu werden. Mein Ziel ist es gewesen, einen festen Job zu haben. Ich wollte auch immer für die Nationalmannschaft spielen. 

Was hat sie 2015, nach einer dreijährigen Auszeit, zurück zum Fussball geführt?
Mein Arbeitsplatz hat sich nach Liechtenstein verlagert, womit sich der sportliche Ehrgeiz wieder mit dem Beruf vereinbaren liess. Dadurch war für mich klar, dass ich beim FC Balzers wieder anfange. Als ich bei Vaduz aufhörte, hätte ich nicht gedacht, dass mir der Fussball noch drei Jahre schenkt. 

Den Rücktritt vom Rücktritt schliessen Sie dieses Mal aus?
Ja, nun ist wirklich Schluss – sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft. Das hat für mich immer zusammengehört. Ich hätte in Balzers nur noch zweimal pro Woche trainieren können. Doch meine Einstellung ist eine andere – entweder ganz oder gar nicht. Schlussendlich hätte ich den gleichen Aufwand betrieben und wäre immer ins Training gegangen, wenn es sich zeitlich ausgeht. So kommt man aus diesem Tunnel nicht mehr raus.  

Nach 47 Einsätzen bestritten Sie am 18. November 2019 gegen Bosnien-Herzegowina ihr letztes Länderspiel – ohne Verabschiedung.
Damals habe ich noch mit der Entscheidung gerungen. Ich bin auch nicht der Typ, der sich gross feiern lassen möchte. Ich habe sicher meinen Teil dazu beigetragen, gehöre aber nicht zu den wohlverdienten Spielern wie Polverino, Burgmeier oder Jehle, die ohne Unterbruch für die Nationalmannschaft gespielt haben.

Auf welche Erfolge blicken Sie zurück?
Zuerst kommen einem die Länderspiele gegen die grossen Nationen in den Sinn, obwohl diese Partien meistens nicht so lässig waren. Egal wie gut du dich gegen sie schlägst: Du hast das Ergebnis nicht in den Händen. Viel schöner in Erinnerung bleiben deshalb die Spiele, in denen wir punkten konnten. Eine besondere Erfahrung ist auch das Spiel gegen Schottland im Hampden Park (Anm. d. Red.: 
7. September 2010) gewesen. Lange Zeit stand es Remis, bis ein Gegentreffer in der Verlängerung zur 2:1-Niederlage führte. Die Kulisse im Stadion, vor über 37 000 Zuschauern, ist schon eindrücklich gewesen. 

Und im Verein?
Beim FC Balzers bleibt mir die vergangene Saison in besonders guter Erinnerung, als uns der Aufstieg in die Erste Liga gelungen ist. Vom Austausch mit Spielern aus anderen Berufen und unterschiedlichen Jahrgängen habe ich extrem viel mitnehmen können.

Werden Sie dem Fussball in irgendeiner Form erhalten bleiben?
Ich lasse die nächsten paar Monate bewusst auf mich zukommen. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem ich die freien Abende gesehen habe. Sobald eine Tür wieder aufgeht und meine berufliche Situation es ermöglicht, könnte ich mir ein Amt an der Seitenlinie gut vorstellen.

Möchten Sie Mario Frick beim FC Vaduz beerben?
Nein, dafür habe ich zu wenig Länderspiele auf dem Buckel (lacht). Früher war das vielleicht ein Gedanke, aber das Business ist mir durch seine Kurzfristigkeit zu unsicher. Ich bin ein Mensch, der gewisse Grundwerte schätzt. Je höher man im Fussball steigt, desto weniger sind diese noch etwas wert. Ich hätte jedoch Freude daran, eine Jugendmannschaft zu betreuen mit Spielern, die etwas erreichen wollen. Meiner Meinung nach kann man dort am meisten bewirken. Nicht nur was die Leistung auf dem Platz betrifft, sondern auch von der Einstellung her, die sie später in ihrer aktiven Karriere begleiten wird.

Wofür möchten Sie die gewonnene Zeit nutzen? 
Unbestritten das Wichtigste ist, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringe. Weiter freue ich mich darauf, andere Sportarten wie Tennis, Radfahren oder Skifahren auszuüben. Da ich im Fussball meine Leistungen abrufen musste, gab es vieles, dass ich nicht machen konnte. (gk)

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