• Reportage Georges Lüchinger, Davos
    Georges Lüchinger an seinem Arbeitsplatz in der Vaillant-Arena FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

«Der Pavarotti des Eishockeys»

Seine Stimme ist über die Landesgrenze bekannt und dank dieser erhielt der Liechtensteiner Georges Lüchinger den Übernamen «The Voice». Seit 20 Jahren gehört sein Sprechorgan zum Spengler Cup wie der Trainer Arno del Curto zum HC Davos.

Die Sonne scheint freundlich und warm über das Bergrestaurant Schatzalp in Davos. Kaiserwetter hat sich breitgemacht und begrüsst Promis wie den Ex-NHL-Star Mark Streit oder den Schweizer Eishockey Nationaltrainer Patrick Fischer. Der VIP-Brunch  ist traditionell der soziale Höhepunkt in der Spengler-Cup Woche. Der 52-jährige Liechtensteiner mit Schweizer Wurzeln, Georges Lüchinger, tritt eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung vor Ort  ein. Freundlich begrüsst der Stadionsprecher die Gäste, schüttelt Hände und hält Smalltalk. Mental bereitet er sich jedoch auf seinen Aufritt als Moderator des Events vor. Zum Einstimmen werden den Besuchern Wein, Sekt, Kaffee und frisch gebackene Croissants angeboten. «Ladies and gentlemen, sehr geehrte Damen und Herren» begrüsst Lüchinger auf der Bühne die Gäste und schlagartig wird der zum Bersten volle Saal still. «Same procedure as every year, könnte man fast sagen», meint der Ruggeller mit einem breiten Lächeln. Gekonnt, mit viel Charme und Witz, moderiert der Profi zweisprachig. Er spricht auf der Bühne mit verschiedenen Interview-Gästen über den Spengler Cup, über die Welt des Eishockeys sowie auch über die bevorstehenden Olympischen Winterspiele. Die grossen Eishockey-Namen schwärmen von der Destination Davos und Lüchinger fragt flink nach: «Wurden Sie von der Tourismus-Destination für diese Zeilen bezahlt?», was vom Publikum mit schallendem Gelächter quittiert wird. 

Reportage Georges Lüchinger, Davos

Georges Lüchinger moderiert einen VIP-Anlass anlässlich des Spengler-Cups

Überraschende Auszeichnungen 
Mit Mark Streit spricht Lüchinger über seinen Rücktritt. «Wann wurde dir bewusst, dass jetzt der richtige Augenblick ist?», fragt der Moderator. Streit erklärt, dass sein Herz ganz klar für das Eishockey schlägt. «Vor Kurzem habe ich meinen 40. Geburtstag gefeiert und mir schon lange vorher überlegt, wann ich den Schritt aus der Profikarriere machen werde. Irgendwie hatte ich das richtige Bauchgefühl und machte den Schritt. Es ist ein schwieriger Prozess für jeden Eishockey-Spieler.» Für diese Ehrlichkeit erhält Streit grossen Applaus. Lüchinger findet rasch den Einstieg in die nachfolgende Verkündung. «Lieber Mark, wir haben etwas für dich  vorbereitet. Du bist einer der wenigen Spieler, der in den letzten 20 Jahren leider nie am Spengler Cup teilnehmen konnte, nun möchten wir dich auszeichnen.» Eine Tatsache, die der Ex-NHL-Spieler leider in Kauf nehmen musste. Es sei ihm aus zeitlichen Gründen nie gelungen, am Turnier mitzuspielen. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht nimmt Streit eine Miniatur-Anfertigung des Spengler-Cup-Pokals entgegen. Er ist aber nicht der Einzige, der an diesem Vormittag ausgezeichnet wird. Auf die Bühne treten Marc Gianola, OK-Präsident desSpengler Cups, und der ehemalige Turnierchef Fredi Pargätzi. Lüchinger wird das Mikrofon abgenommen. «Das mag Georges eigentlich überhaupt nicht, aber heute darf ich das machen» meint Gianola. Ein überraschter Lüchinger hört aufmerksam zu, wie der Präsident des Spengler Cups gemeinsam mit Fredi Pargätzi ein Loblied auf ihn anstimmt. Seit zwei Jahrzehnten begleitet Lüchingers Speaker-Stimme das Traditionsturnier in Davos. «Für mich bist du, Georges, der Pavarotti des Eishockeys» sagt Pargätzi und die Zuschauer stimmen mit tobendem Applaus zu.

Reportage Georges Lüchinger, Davos

Für einmal muss Georges Lüchinger das Mikrophon aus der Hand geben und wird selber geehrt.

Gerührt nimmt Lüchinger ebenfalls eine kleine Version des Spengler-Cup-Pokals entgegen und bedankt sich für diese Anerkennung. Auf Nachfrage erklärt Lüchinger, dass er ahnungslos war und nicht wusste, dass auch er eine Auszeichnung erhalten werde. «Für mich war das ein sehr berührender Moment und dass ich zusätzlich mit dem italienischen Opernsänger Luciano Pavarotti verglichen wurde, ehrt mich.» 

 

Adrenalinkick auch nach zwei Jahrzehnten
Nach der Mittagspause auf der Schatzalp führt der Weg weiter in die Vaillant-Arena, in das Heimstadion des Spengler Cups. Viele Treppenstufen müssen erklommen werden, bis der Arbeitsplatz von Lüchinger erreicht ist. Oberhalb der Medienplätze, im Adlerhorst, direkt unter dem Hallendach, sitzt der Stadionsprecher  neben Tontechnikern und dem Hallen-DJ. Die Aussicht auf das Spielfeld ist perfekt und eindrücklich. Lüchinger erhält vor dem Startpfiff eine Liste mit allen Spielernamen. «Die Vorbereitung auf ein Spiel beginnt nicht wenige Augenblicke davor, sondern natürlich viel früher. Ich studiere alle Spielernamen genau und schreibe sie für mich so auf, wie sie ausgesprochen werden», erklärt der Speaker und zeigt auf ein Stück Papier. Auch nach 20 Jahren am Traditionsturnier spürt Lüchinger vor Spielbeginn einen Adrenalinkick. «Kurz vor einer Moderation oder einem Speaker-Einsatz packt mich das Lampenfieber. Sobald ich den Knopf drücke und somit das Mikrofon einstelle, gilt es ernst. Für mich ist der Adrenalinstoss eine gute Selbstkontrolle, da ich dann weiss, dass ich vollkommen vorbereitet bin.» Auch Lüchingers Sohn Simon ist am Spengler Cup dabei. Er assistiert seinem Vater während der Spiele. «Für uns ist das die coolste Woche im Jahr. Ich bin viel unterwegs und während des Spengler Cups verbringen Simon und ich viel Zeit miteinander.»  Lüchingers Sohn ist als Sportschüler sehr engagiert. Er verfolgt mit Adleraugen das Spiel und liefert seinem Vater Informationen. «Mir gefällt es sehr gut, meinem Vater bei  der Arbeit zu helfen», erklärt Simon. «Vielleicht erhält auch er eines Tages eine Auszeichnung vom Spengler Cup», meint Lüchinger mit einem Schmunzeln.

Reportage Georges Lüchinger, Davos

Auch nach 20 Jahren am Traditionsturnier spürt Lüchinger vor Spielbeginn einen Adrenalinkick.

«Ich freue mich jedes Jahr auf den Einsatz in Davos»
Die Zeit als Stadionsprecher am Spengler Cup ist für Lüchinger rasch vergangen und jedes Jahr sei für ihn ein Highlight gewesen. Aber wie lange wird er die Speaker-Funktion noch übernehmen? Bei dieser Frage muss der Ruggeller kurz überlegen. «Ich hoffe sehr, dass ich diesen Moment selbstständig erkenne und einen Rücktritt selbst auswählen kann. Dann wenn die Stimme versagt oder ich die gewünschte Leistung nicht mehr erbringen kann, dann wäre es für mich Zeit, um zurückzutreten.» Bis dahin werden jedoch die Spengler-Cup-Besucher Georges Lüchingers Stimme aus den zahlreichen Boxen in der Eishalle hören und jeder wird  verstehen, warum sein Spitzname «The Voice» ist. (Nathalie Bagnoud)

 

03. Jan 2018 / 10:39
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