• China wehrte sich bisher vehement gegen eine Untersuchung.
    China wehrte sich bisher vehement gegen eine Untersuchung.  (NG HAN GUAN / POOL)

WHO-Mitglieder streben eine unabhängige Untersuchung an

Die WHO-Mitglieder wollen wissen, wie das Coronavirus entstanden ist und wie es sich verbreitet hat. Liechtenstein befürwortet das.

Australien hat zusammen mit anderen Staaten eine Resolu­tion in die World Health Assembly der WHO eingebracht, um eine wissenschaftlich umfassende Untersuchung zu starten. Wie ist das Coronavirus entstanden und wie hat es sich verbreitet, sind Fragen, die geklärt werden sollen. Die Resolution fand breite Unterstützung: 116 von insgesamt 194 stimmten dieser Woche einer solchen Untersuchung zu. Der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wird demnach gebeten, die Über­tragungsquelle von Tier zu Mensch zu identifizieren.

Liechtenstein begrüsst den WHO-Entscheid
Immerhin stehen happige Vorwürfe im Raum, das Virus stamme aus einem chinesischen Forschungslabor­ – zum Beispiel von der US-Regierung selbst. Ein weiterer Vorwurf ist, dass chinesische Behörden den Ausbruch zunächst vertuscht haben. Zudem erachten es einige als verdächtig, dass die chinesische Regierung seit Kur­zem von allen Virologen verlangt, dass ihre Arbeiten zuerst eine staatliche Zensur durchlaufen müssen, bevor sie in internationalen Zeitschriften erscheinen können. Damit nimmt das Land nach Journalisten auch Forscher an die informationelle Leine. 

Wie geht Liechtenstein mit all dem um? Da Liechtenstein nicht Mitglied der WHO ist, stellt sich die Frage einer möglichen Unterstützung dieser Resolution nicht unmittelbar. «Angesichts der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus und der damit einhergehenden ökonomischen Verwerfungen ist eine unabhängige Untersuchung der Ursachen des Virus und des Umgangs mit dem 
Virus bzw. der Krisenbewäl­tigung sicherlich sinnvoll», erklärt Aussenministerin Katrin Eggenberger auf Anfrage. «Wir begrüssen dementsprechend  diese Bestrebungen. Erfahrungen aus einer unabhängigen Untersuchung können es ermöglichen, aus begangenen Fehlern zu lernen und besser für künftige Pandemien gerüstet zu sein», betont sie weiter.  Doch Peking wies bisher Forderungen nach einer internationalen Untersuchung vehement zurück. Chinas Präsident Xi Jinping betonte diese Woche, dass eine Untersuchung dieser Art erst stattfinden könne, nachdem die Covid-19-Pandemie besiegt wurde. Es gebe jetzt Wichtigeres, als auf mögliche Fehler zurückzublicken, so zitiert ihn «Der Spiegel». Es solle aber eine Aufarbeitung geben. 

China sperrte sich lang gegen Untersuchung 
Angefangen hat alles mit dem Land Australien, das bereits seit Wochen eine unabhängige Untersuchung fordert. Die Reaktion aus China war im April sogar noch ablehnender. Das Land reagierte mit Boykotten und die kommunistische Staats­führung machte keinen Hehl daraus, was sie vom Vorstoss Australiens hält. 

Der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, Geng Shuang, sagte zum Beispiel: «Diese sogenannte unabhängige Untersuchung, die Australien vorgeschlagen hat, ist in Wirklichkeit ein politisches Manöver. Ein Manöver, das die weltweite Zusammenarbeit bei der Prävention von Epidemien beeinträchtigt. Das wird die Welt nicht begrüssen.» Von ideologische Vorurteilen war die Rede. Wie internationale Medien berichteten, griffen auch die chinesischen Staatsmedien Australien direkt an. Der Chefredakteur der englischsprachigen Pekinger Propagandazeitung «Global Times Hu Xijin» schrieb online, dass Australien immerzu Ärger mache. Er bemühte dabei den Vergleich mit einem Kaugummi, der unter Chinas Schuhsohle festklebe. «Manchmal müsse man sich dann eben einen Stein suchen, um diesen Kaugummi abzustreifen», berichtete Steffen Wurzel, ARD-Korrespondent in Shanghai. Umso grösser ist nun die Freude Australiens, dass die WHO-Mitglieder die Resolution unterstützt haben.

Die WHO selbst geriet in den vergangenen Monaten für ihren wohlwollenden Umgang mit China immer wieder in die Kritik. Nun soll die Welt aber die Wahrheit über die Entstehung von Covid-19 in Wuhan erfahren. Liechtenstein begrüsst das zwar, setzt aber derweil auf andere diplomatische Beziehungen. So wurde eine Sondermarke mit dem Titel «Stay Strong Wuhan» herausgegeben. 

 

22. Mai 2020 / 21:19
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Bauen und Wohnen Mai 2020
Zu gewinnen einen Gaskugel-Grill Chelsea 480 G der Marke ­Outdoorchef im Wert von 399 Franken von ­Eisenwaren Oehri AG in Vaduz.
07.05.2020
Facebook
Top