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    Die App übernimmt das menschliche Contact-Tracing. Bild: Keystone  (GAETAN BALLY)

«SwissCovid»-App funktioniert auch im Land

Die «SwissCovid»-App funktioniert auch in Liechtenstein technisch einwandfrei. Die Regierung gibt aber noch keine offizielle Empfehlung ab, die App zu nutzen. Unter anderem fehlt noch eine Lösung für die Grenzgänger.

«Je mehr Menschen in diesem Lande eine solche App auf dem Handy haben, desto besser funktioniert das Contact Tracing – also die Nachverfolgung von Corona-Neuansteckungen.» Dies ist die Meinung des Schweizer Bundesrats, der deshalb hofft, dass möglichst viele Menschen die Anwendung auf ihr Mobiltelefon herunterladen.

Bis Freitagnachmittag sind dieser Empfehlung tatsächlich 570 000 Schweizer gefolgt. Beziehungsweise auch Liechtensteiner. Denn relativ schnell zeigte sich, dass die App technisch auch einwandfrei in Liechtenstein funktioniert. Gesonderte Daten für Liechtenstein gibt es zwar keine – aber es ist davon auszugehen, dass das Interesse an dieser App auch hierzulande gross ist.

Trotzdem gibt die liechtensteinische Regierung noch keine konkrete Empfehlung dazu ab, die App zu installieren. Der Grund: Noch gibt es viele offene Fragen rund um mögliche Coronatests von Menschen, die eine Nachricht via App erhalten, sowie zu Grenzgängern bzw. zur Kompatibilität der länderspezifischen Apps untereinander.

Mobilfunknetz hat keinen Einfluss

«Liechtenstein funktioniert diesbezüglich wie ein weiterer Kanton», bestätigen die Entwickler der «SwissCovid»-App von der Firma «ubique». Insofern spiele es keine Rolle, wenn ein anderes Mobilfunknetz genutzt werde. Das Problem für das kleine Land Liechtenstein bestehe tatsächlich in Bezug auf die Grenzgänger. Wenn diese unterschiedliche Apps nutzen würden – also die Schweizer App sowie die österreichische App – könne dies zu einem «Chaos» führen, zumal nur eine App via Bluetooth aktiv sein könne.

«Die Apps differieren. Doch die EU arbeitet daran, dies untereinander kompatibel zu machen.» Dabei geht es laut «ubique» aber nicht um die Frage der technischen Umsetzung – «das wäre bereits heute möglich» – sondern vielmehr um die Frage, wie grenzüberschreitende Meldungen erfolgen sollen und können.

Ein Beispiel: Ein österreichischer Grenzgänger hat die österreichische App installiert, sein Liechtensteiner Arbeitskollege aber die Schweizer App. Nun stellt der Österreicher Krankheitssymptome an sich fest und wird tatsächlich positiv auf Covid-19 getestet. Er meldet dies den österreichischen Gesundheitsbehörden, die ihm einen Code ausstellen, mit dem er seine in der App erfassten «Kontakte» anonym warnen kann. Doch diese Warnung erhalten dann nur jene, die auch die österreichische App installiert haben. Die Liechtensteiner und Schweizer  Kollegen bleiben im Ungewissen.

Den Code gibt’s beim Amt für Gesundheit

«Ja, die App kann auch in Liechtenstein installiert werden und funktioniert», bestätigt auch Manuel Frick, Generalsekretär vom Ministerium für Gesellschaft. Einzig im Google Playstore gebe es noch Verzögerungen. Die Knacknuss: «Leider funktionieren die Apps der verschiedenen Länder noch nicht miteinander. Deshalb sind wir bezüglich einer Empfehlung noch zurückhaltend.»

Für das Ministerium ist zudem noch nicht klar, wie es in der Schweizer Praxis laufe. Es sei bspw. unklar, ob ein Coronatest nach Meldung durch die App verpflichtend sei. «Uns fehlen noch einzelne, wichtige Informationen, damit wir guten Gewissens eine Empfehlung zum Download der App geben können», so Frick. Er geht allerdings davon aus, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis die noch offenen Fragen geklärt werden können.

Chancen und  Risiken der App

Tatsächlich ist der Mechanismus, mit dem die App aus dem Bluetooth-Signal ein mögliches Ansteckungsrisiko ableitet, kom- plex und nicht in Stein gemeisselt, wie auch die «netz-woche.ch» online berichtet. Die App nutze das Bluetooth-Signal, welches durch die Programmierschnittstelle (API) von Apple und Google bereitgestellt wird. Aus der Stärke des Signals errechne sie dann die Distanz zwischen zwei Handys.

Diese Berechnung gestalte sich in der realen Welt aber nicht einfach, da diverse Störfaktoren das Signal abschwächen könnten. Ausserdem sei es für die Entwickler des Systems nicht so wichtig, die genaue Distanz zu berechnen. Vielmehr würden diese versuchen, die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, ob sich zwei Anwender innerhalb eines Risikoperimeters befinden.

Je nachdem, welche Parameter die Entwickler auf die durch die API übermittelten Daten anwenden, können sie diese Wahrscheinlichkeitsberechnung anders kalibrieren. «Stellen sie sie sehr strikt ein, werden nur diejenigen Kontakte identifiziert, deren Signaldaten am ehesten dem Ideal entsprechen», so das Fazit. Und dabei entstehe eben das Risiko, dass einige Kontakte nicht erfasst werden (Falsch-Negative). «Entscheiden sie sich allerdings für eine flexiblere Berechnung, identifiziert die App mehr Kontaktpersonen – darunter auch solche, die sich effektiv vom Anwender weiter entfernt aufgehalten haben (Falsch-Positive).»

Die «SwissCovid»-Entwickler haben die Parameter derzeit so konfiguriert, dass die App ungefähr bei jedem dritten Kontakt fälschlicherweise annimmt, er habe sich weniger als 1,5 Meter entfernt aufgehalten, obwohl er in Wahrheit weiter weg war (33 Prozent der Kontakte bei einer Dämpfung von 50 Dezibel, 45 Prozent bei  55 Dezibel). In den meisten dieser falsch zugeordneten Fälle habe die tatsächliche Entfernung weniger als drei Meter betragen, ergänzen die Entwickler.

Im Gegensatz zum «menschlichen» Contact-Tracing verlasse sich die im Hintergrund laufende «SwissCovid»-App nicht auf das Gedächtnis des Benutzers und funktioniere mit allen Kontakten, ob bekannt oder anonym. Sie habe aber auch Mängel, erkenne etwa weder getragene Schutzmasken oder Trennscheiben, die das Ansteckungsrisiko deutlich vermindern. «Genauigkeit, Fehlalarme und verpasste Fälle hängen von der Mechanik und der verwendeten Wahrscheinlichkeitsberechnung ab, die die App anwendet.» (dv)

27. Jun 2020 / 15:28
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