• Erst beim genauen Hinsehen wurde festgestellt: Hier stimmt etwas nicht.
    Erst beim genauen Hinsehen wurde festgestellt: Hier stimmt etwas nicht.  (porcorex)

Rechenfehler mit emotionalen Folgen

In Eschen-Nendeln ist bei der Mandatsverteilung ein Fehler unterlaufen – bemerkt wurde dieser jedoch erst kurz vor Mitternacht. Für die bereits gefeierte FBP-Kandidatin und den vermeintlich erfolglosen VU-Kandidaten ein Wechselbad der Gefühle.
Gemeindewahlen. 


Es hörte sich wie ein verspäteter Aprilscherz an, als kurz vor Mitternacht die Meldung aus Eschen erfolgte: Die Mandatsverteilung war fehlerhaft. Will heissen: Die FBP hat kein zusätzliches Mandat gewonnen, dadurch ist deren Kandidatin Tanja Plüss doch nicht gewählt. Und die VU verliert kein Mandat. Somit ist stattdessen deren Kandidat Kevin Beck gewählt.  Dieser Rechenfehler konnte zwar statistisch behoben werden. Emotional ist er jedoch nicht so schnell aus der Welt zu schaffen.

«Das erleben zu müssen, wünsche ich niemandem»
«Der vergangene Wahlsonntag wird mir lange in Erinnerung bleiben – leider in negativer», so Tanja Plüss, die sich bis kurz vor Mitternacht im Glauben wähnte, ab dem 1. Mai im Gemeinderat vertreten zu sein. Nach der anfänglichen Euphorie über ein vermeintliches Gemeinderatsmandat habe die Mitteilung über die falsche Zuteilung der Mandate in ihr grosse Enttäuschung und auch Unverständnis ausgelöst. «Man kann sich eigentlich gar nicht in so eine Situation hineinfühlen. Im ersten Moment fühlte es sich an, als wäre ich in einem schlechten Film oder als hätte ich einen Albtraum», versucht sie ihre Gefühle zu erklären. Wenn man dann allmählich merke, dass die Situation real sei, ziehe es einem ruckartig den Boden unter den Füssen weg. «Nicht nur mir, sondern auch der Familie und den weiteren involvierten Personen. Ich wünsche wirklich niemandem, so etwas erleben zu müssen», äussert sich Tanja Plüsch einen Tag später. Diese emotionale Wechselbad habe sie sehr getroffen, sie müsse  die Geschehnisse des Wahlsonntags in den nächsten Tagen und Wochen nun verarbeiten. Sie sei sehr froh, auf die Unterstützung ihrer Familie und ihres Umfelds zählen zu können. «Dafür und für das Vertrauen und den Zuspruch möchte ich mich herzlich bedanken.»

«Es fühlt sich an, als hätte ich ihr den Sitz geklaut»
In einer glücklicheren Situation befindet sich Kevin Beck – wobei glücklich in dieser Situation nicht das richtige Wort ist. Er war am Sonntagabend bereits zu Hause und machte sich kurz nach 23 Uhr bettfertig, als ihn Vorsteher Günther Kranz anrief und ihm mittelte: «Du bist doch gewählt.» «Ich war komplett verwirrt und musste das schriftlich sehen, bevor ich es glauben konnte», erzählt Kevin Beck. Doch auch als er es Schwarz auf Weiss gesehen hatte – richtig freuen konnte er sich nicht. «Ich hatte ja schon damit abgeschlossen. Ausserdem kenne ich Tanja persönlich und ich habe mich für sie gefreut, dass sie gewählt wurde.» Tanja Plüss habe sich in den vergangenen Jahren sehr für die Gemeinschaft und die Gemeinde eingesetzt. «Sie hätte diesen Sitz im Gemeinderat mehr als verdient gehabt», sagt Kevin Beck. Noch in derselben Nacht habe er sich schriftlich mit Tanja Plüss ausgetauscht. «Wir konnten beide nicht richtig mit der Situation umgehen. Und ich habe mich gefühlt, als hätte ich ihren Sitz geklaut», beschreibt Beck seine Gefühlslage.

Gemeinde trifft nun Abklärungen
Die Gemeinde Eschen bedauert ebenfalls sehr, dass es am Sonntag bei der Publikation der Gemeinderatsergebnisse das falsche Wahlresultat bekannt gegeben wurde. Vorsteher Günther Kranz hat sich noch am Wahltag persönlich bei Tanja Plüss entschuldigt. Zum Fehlergebnis geführt haben laut Kranz die Voreinstellungen in der landesweit eingesetzten Software. Durch die Korrektur der Voreinstellungen und der Software habe der Wählerwillen am Ende doch noch korrekt ermittelt werden können. «Zu den Gründen, welche dazu geführt haben, werden aktuell Abklärungen getroffen», versichert Kranz. «Diese Ergebnisse sollen dazu genutzt werden, dass sich ein solcher Vorgang zukünftig nicht wiederholen kann.»
Tanja Plüss und Kevin Beck wurden darüber aufgeklärt, wie es zu dem Fehler kommen konnte. Sie können es zwar nachvollziehen – an der unangenehmen Situation ändert es aber nichts. Offenbar wurde bei den Voreinstellungen der Software zur Wahlauswertung ein Haken an der falschen Stelle gesetzt – und die Ergebnisse auf das System der Schweizer Wahlen ausgerichtet. Gerechnet hat die Software zwar richtig – aber eben mit den falschen Grundlagen. «Es ist wirklich eine blöde Situation. So etwas sollte einfach nicht passieren», sagt Kevin Beck.

Tanja Plüss hat zwar Verständnis dafür, dass Fehler passieren können, wo gearbeitet wird. Wichtig ist ihr aber trotzdem, dass nun im Detail geklärt wird, wie dieser Fehler genau zustande gekommen ist, und vor allem, wie künftig so etwas vermieden werden kann. «Vor allem, da Probleme mit der Software respektive dem Computersystem bereits 2015 zu ähnlichen Situationen in Balzers und Vaduz geführt haben. So etwas darf meines Erachtens künftig nicht mehr vorkommen. Das muss im Interesse aller gelöst werden.»

VU und FBP fühlen mit Kandidaten mit
Wenig erfreut zeigen sich auch die Parteipräsidenten von VU und FBP über diesen Fehler. «Für die Betroffenen der spätabendlichen Ergebniskorrektur ist es natürlich höchst bedauerlich, dass ein solcher Fehler beim Ausrechnen der Mandate passieren konnte», so Günther Fritz (VU). Tanja Plüss habe nach dem Feiern des persönlichen Wahlerfolgs erfahren müssen, dass sie die Gratulationswünsche sozusagen umsonst entgegengenommen habe. Und Kevin Beck sei in den entscheidenden Stunden um seinen persönlichen Wahlerfolg gebracht worden. «Das ist für beide engagierten Persönlichkeiten sehr schade und muss zuerst einmal verarbeitet werden.»

Auch Marcus Vogt bedauert den Vorfall sehr. «Da wird gefeiert und gelacht – und dann kommt eine solche Botschaft. Es tut mir sehr leid für Tanja Plüss. Aber auch für Kevin Beck, der um das Feiern seines Siegs betrogen wurde. So etwas darf einfach nicht passieren.» (dv)

15. Apr 2019 / 22:06
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