• Nicht nur in Europa, sondern vor allem in Ländern des Globalen Südens könnte Covid-19 enorme ­Herausforderungen für die nationalen Gesundheitssysteme mit sich bringen.	Bild: René Sager/SolidarMed
    Nicht nur in Europa, sondern vor allem in Ländern des Globalen Südens könnte Covid-19 enorme ­Herausforderungen für die nationalen Gesundheitssysteme mit sich bringen. Bild: René Sager/SolidarMed  (Rene Sager)

Projektarbeit bestmöglich anpassen

Die aktuelle Pandemie betrifft das Leben aller – und in besonderem Masse auch die Entwicklungszusammenarbeit.

Der Liechtensteinische Entwicklungsdienst (LED) unterhält in Bolivien, Moldau und Simbabwe Koordinationsbüros, deren Leiter für die Umsetzung der Projekte Sorge tragen. In Zeiten von Corona sind besonders auch sie vor grosse Herausforderungen gestellt. Prioritäten verändern sich, Projekte müssen teilweise angepasst werden. Und zusätzlich kämpfen die Leiter der Koordinationsbüros mit der ohnehin schon schlechten Gesundheitsversorgung in diesen Ländern.

Benachteiligte leiden zusätzlich unter der Last
«Die Ausgangslage in den einzelnen Ländern bei der Bewältigung der Krise sind sehr unterschiedlich», so Peter Ritter, CEO der LED-Geschäftsstelle in Schaan. Es seien die Benachteiligten jeder Gesellschaft, die unter der zusätzlichen Last der Pandemie am meisten leiden. Und es treffe die Bevölkerung der Länder des Globalen Südens härter, da diese ohnehin mit vielen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hätten. Internationale Geldgeber und Organisationen hätten deshalb weltweit zur Solidarität mit den Ländern des Globalen Südens aufgerufen und angeregt, Schuldenzahlungen dieser Länder zu stunden. «Die Umsetzung der Entwicklungsprojekte in diesen kaum auf die Krise vorberei­teten Ländern – mit mangel­haften Gesundheitssystemen, spärlichen Risiko- und Vorsorgesystemen sowie fragilen Regierungen mit bescheidenen  Möglichkeiten, umfassende finanzielle und wirtschaftliche Hilfspakete zu schnüren – bleibt sehr anspruchsvoll und fordert alle Akteure.»

Moldau: Froh um gut funktionierendes Internet
Pius Frick ist Leiter des LED-Koordinationsbüros in Chisin­au/Moldau. Hier konzentriert sich der LED auf Bildung. Da aber seit dem 11. März alle Schulen geschlossen sind, müssen auch die Bildungsprojekte angepasst werden. Und die Mitarbeiter des LED arbeiten seit dem 16. März von zu Hause aus. «Zum Glück hat Moldau ein relativ gut ausgebautes Internet, sodass wir gut miteinander in Kontakt bleiben können», so Frick. Die Menschen schienen rein psychologisch besser auf Krisen vor­bereitet als Menschen in wohlhabenden Ländern. «Der Gedanke, dass in Notfällen zum Beispiel kein adäquates Gesundheitssystem zur Verfügung steht, ist leider nicht neu für die Menschen hier.»
Bezüglich der Verbreitung des Virus sei die Lage nicht besonders übersichtlich. Die offizielle Seite, welche über die Entwicklung der Fallzahlen informiere, zähle gegenwärtig rund 260 bestätigte Fälle. Es gebe aber nach wie vor einen Mangel an Tests. Die Dunkelziffer liege daher sicherlich viel höher. 

Grosses Problem: Gesundheitsversorgung
Ein grosses Problem in der Republik Moldau ist das Gesundheitssystem, das laut Frick bereits in normalen Zeiten überfordert ist. «Es fehlt also an qualifiziertem Personal. Die Infrastruktur ist heruntergekommen, Hygiene ist ein Problem. Die Krankenkasse kann die wahren Kosten nicht tragen. ­Patienten müssen sich selbst Medikamente und Essen besor­gen. Viele Prozeduren sind kostenpflichtig und nur zugänglich für diejenigen, die es sich leisten können.» Und auch die Verhältnisse in den Spitälern seien schlecht. «Viele gehen davon aus, dass sie zu Hause besser aufgehoben sind als im Spital.» Ein generelles Problem seien zudem die vielen Falschmeldungen, die vor allem über Facebook und das russische Pendant (odnoklassniki) verbreitet würden.

Lehrer unterstützen, online zu unterrichten
In der Republik Moldau sind die Mitarbeiter des Koordinationsbüros weiterhin ständig mit der Geschäftsstelle als auch mit den Partnerorganisationen in Kontakt. «Jedes Projekt muss separat angeschaut werden. Bei einigen Projekten können Aktivitäten vorgezogen oder verschoben werden, sodass sich schlussendlich nicht sehr viel ändern wird. Andere Projekte sind viel stärker von der gegenwärtigen Krise, das heisst von der langen Schulschliessung, betroffen. Gewisse Aktivitäten lassen sich nur bedingt verschieben», so Frick. Ein Pro­jekt, das seit einem Jahr Lehrpersonen darin unterstütze, digitale Instrumente für den Unterricht sinnvoll zu nutzen, werde plötzlich überrannt mit Anfragen. «Das Team ist sehr intensiv daran, Lehrer so gut als möglich zu unterstützen, von heute auf morgen online zu unterrichten.» (dv)

31. Mär 2020 / 21:20
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