Polizeieinsatz an DU-Versammlung

Eine ehemalige DU-Kandidatin und weitere Mitglieder wollten trotz Hausverbot an der DU-Parteiversammlung teilnehmen. Die Ausgeschlossenen kamen dennoch, worauf Harry Quaderer die Polizei rief.

Gestern Abend, 18.30 Uhr in Nendeln: Rund zehn Mitglieder des Vereins der Unabhängigen (DU) sitzen um einen Tisch. Die Stimmung ist aufgeheizt. Enttäuschung und Wut steht in den Gesichtern geschrieben. Sieben Mitglieder haben am Vormittag per E-Mail einen Brief von Harry Quaderer, Vorsitzender des Vereins, erhalten, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass sie nicht mehr erwünscht sind. «Der Vorstand hat einstimmig beschlossen, Sie nicht in den Verein der DU - die Unabhängigen aufzunehmen. Wir bitten Sie, von jeglicher Versammlung der DU fernzubleiben, da Ihnen der Zutritt verwehrt wird», steht geschrieben. Im E-Mail stellt Quaderer zusätzlich klar, «dass das ausgesprochene Hausverbot ab sofort gilt». Das Pikante daran: Unter den Empfängern befinden sich die drei ehemaligen DU-Kandidaten Siegfried Sele, Agnes Dentsch und Burgi Beck. 

Wer ist nun Mitglied und wer nicht?«

Dies geht rechtlich nicht. Der Vorstand kann uns nicht einfach ausschliessen», ist WernerHeeb, der so einen Briefbekommen hat, überzeugt. Dies könne nur das oberste Organ und dies sei die Mitgliederversammlung. Doch hier liegt der Hund begraben: Laut dem jetzigen Parteivorstand müssen alle DU-Mitglieder erst noch rechtens aufgenommen werden. Dies war auch der Auslöser, weshalb es innerhalb des Vorstands zum Streit kam und sich das Trio Hasler-Elkuch-Rehak von der Partei löste. Man wolle sich dies nicht gefallen lassen, so die nicht erwünschten Mitglieder, man habe bereits rechtliche Abklärungen getroffen und wolle dies an der DU-Mitgliederversammlung kundtun. «Sie müssen uns rein lassen. Und wir werden sachlich bleiben», betonen sie. Auch die ehemaligen DU-Abgeordneten sind vor Ort. Sie können das Vorgehen Quaderers nicht verstehen. «Wir wollen den betroffenen Mitgliedern beistehen. Aber wir sind bereits aus dem Verein raus und halten uns auch aus der Sache raus», sagen sie. Harry Quaderer erklärt das Vorgehen in der Pressemitteilung damit, dass «die genannten Personen seit geraumer Zeit mit den drei Abgeordneten, die aus dem Verein ausgeschieden sind, gegen den Verein paktieren». Sie würden die Werte und Ziele von DU nicht mehr teilen.

Polizei kommt mit Blaulicht und entschärft Situation

Kurz vor 19 Uhr begeben sich die nicht erwünschten DU-Mitglieder nach Schaanwald, wo die Versammlung stattfindet und gehen zielstrebig in den kleinen Saal. Die Reaktion der DU-Parteimitglieder bleibt nicht aus. Es finden laute Wortwechsel statt. Es wird emotional. Sachlich ist hier nier niemand mehr. Harry Quaderer greift zum Telefon und ruft die Polizei. Er habe damit gerechnet, dass die betroffenen Personen kommen wurden und habe die Polizei bereits vorgewarnt. «Es ist eine vereinsinterne Versammlung und Nichtmitglieder sind nicht erwünscht.» Auch die Presse muss den Saal verlassen. Doch die unerwünschten Personen bleiben. Die Polizei kommt mit Blaulicht angefahren. Es seien bereits zwei Anrufe eingegangen. Die Polizei spricht eine Wegweisung gegen die vier Personen, welche ein Hausverbot haben, aus. Die anderen Mitglieder dürfen bleiben. Die vier betroffenen Personen leisten Folge und verlassen den Raum.

Beide Seiten sind enttäuscht

Unter den vier Mitgliedern ist auch die ehemalige DU-Landtagskandidatin Agnes Dentsch. Sie sei masslos enttäuscht. «Ich war so überzeugt von DU. Und jetzt das.» Sie könne sich nicht erklären, weshalb sie den Brief bekommen habe. Es sei nichts vorgefallen, sie habe bloss Kritik daran geübt, dass sie sich während und auch nach dem Wahlkampf vernachlässigt gefuhlt habe. «Aber gerade in einer Partei wie DU sollte man doch Kritik aussprechen können.» Es sei nicht so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt hatten, sagen sie. Mario Schädler habe eine Abstimmung vorgeschlagen, darauf sei die Versammlung allerdings nicht eingegangen. Man wolle nun am Montag rechtliche Schritte einleiten. «Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Die wissen nicht einmal, wie viele Mitglieder sie haben», sagt Werner Heeb. Der DU-Vorstand ist allerdings überzeugt, dass sein Handeln rechtens ist, wie Pio Schurti gestern gegeniiber den Medien nochmals bekräftigte. «Dass es zu parteiinternen Streitigkeiten kommt, ist nicht aussergewöhnlich. Das kann in jeder Partei passieren.» Man habe handeln müssen, denn die betroffenen Personen hatten gegen den Parteichef Harry Quaderer intrigriert. Und so schreibt auch Harry Quaderer in der Pressemitteilung: «Der Verein DU verzichtet gerne auf Mitglieder, die im Gefolge der drei aus dem Verein ausgeschiedenen Abgeordneten die Interessen des Vereins zu hintertreiben versuchten.» Doch die erzürnten ehemaligen oder eben Nicht-Mitglieder wollen dies nicht auf sich beruhen lassen. Man kämpfe weiter, sagen sie. (manu)

01. Sep 2018 / 07:37
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
Du oder nicht Du
Wahltag ist Zahltag.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 01.09.2018 Antworten Melden

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
16. November 2018 / 17:25
16. November 2018 / 18:05
16. November 2018 / 13:52
15. November 2018 / 22:07
Meistkommentiert
09. November 2018 / 10:11
14. November 2018 / 05:00
08. November 2018 / 13:22
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
hierbeimir_Logo_basic
Zu gewinnen HBM-Gutschein im Wert von 20 Franken
25.10.2018
Facebook
Top