• Ein Screenshot vom Video, welches einen Rehbock beim Verlassen des Rheins zeigt. Erstmals wurde ein Reh, das im Rheintal den Fluss überquert gefilmt.  (Eva Fasel)

Pläne für Wildtierkorridor bleiben vorerst in Schublade

Wildtierkorridore sollen wieder auf die politische Agenda. Dies ist ein Anliegen der Jägerschaft. Ein Video eines schwimmenden Rehbocks soll die Diskussion wieder anfeuern. In Liechtenstein werden die Prioritäten momentan aber anders gesetzt.

Ein Video, das zeigt, wie ein Rehbock in Vaduz den Rhein verlässt und die Wuhr hinauf rennt, hat für Aufsehen gesorgt. Es ist der erste Nachweis, dass Reh- oder Rotwild den Alpenfluss im Rheintal durchschwimmt. Die Jägerschaft will mit dem Video die Diskussionen um die Wildtierkorridore, die durch Liechtenstein führen, wieder anheizen. Denn bisher sei es umstritten gewesen, ob Rehe oder Hirsche den Rhein überqueren. «Es ist an der Zeit, die bereits bestehenden Pläne der Sanierung der Wildtierkorridore wieder aus der Schublade zu holen und zu verwirklichen», sagt Wildtierbiologe Michael Fasel, der auch Präsident der Liechtensteiner Jägerschaft ist. Denn durch Siedlungen, Autobahnen und Zäune wird der Talraum für Tiere immer schwieriger zu durchwandern. 

Video

Schwimmender Rehbock
Ein Rehbock verlässt den Rhein bei der Wuhr in Vaduz.

Derzeit keine Pläne, die Wildkorridore zu sanieren

Keiner der vier Wildtierkorridore in Liechtenstein ist noch intakt. Trotzdem räumt die Regierung Liechtensteins dem Projekt keine Priorität ein. Bereits in einer Interpellationsbeantwortung von diesem Frühjahr hielt das Ministerium für Inneres, Bildung und Umwelt fest, dass es «derzeit keine konkrete Bemühungen oder Pläne» zur Wiederherstellung der Wanderroute für Wildtiere gibt. «Im Moment liegt die Priorität auf anderen Massnahmen wie der Lebensraumgestaltung im Wald», sagt Helmut Kindle, Leiter vom Amt für Umwelt auf Anfrage. Man wolle dort Massnahmen setzen, wo sich das Wild befindet. Es waren vor allem finanzielle Gründe, weshalb das Projekt Wildtierkorridor sistiert wurde. Jedoch gibt es auch Befürchtungen, dass das wandernde Wild wie Wildschweine oder auch Rothirsche Schäden in der Landwirtschaft anrichten könnten. Denn ein Grossteil des Gebiets, durch das der Wildkorridor führen würde, wird heute intensiv landwirtschaftlich genutzt. Und gerade Wildschweine sind in der Landwirtschaft gefürchtet, da sie Äcker regelrecht umgraben. In Liechtenstein sind Wildschweine bisher seltene Gäste, was sich laut Kindle aber ändern könnte. «Die Landwirte könnten mit Ertragseinbussen und Mehraufwand für Präventionsmassnahmen konfrontiert werden», hält er fest.

Konzept besteht seit fast 20 Jahren

Das Thema «Wiederherstellung der rheintalquerenden Wildtierkorridore» wurde bereits in den frühen 2000er Jahren aktuell. Die Regierung erliess die Wald-Wild-Strategie 2000, welche aus einer Studie von Peter Meile zur praktischen Lösung des Wald-Wild-Konflikts resultierte. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem der Wildtierkorridor, welcher Vorarlberg mit Planken, Schaan, Nendeln und die Schweiz verbindet. 
Unter anderem unterbricht die 80er-Strecke zwischen Schaan und Nendeln die Wanderroute der Tiere. Ein Zaun an der Strasse soll den Verkehr schützen. Laut Kindle erschwert er die Passage für Tiere, er sei aber nicht massgeblicher Grund, dass die Tiere im Wald bleiben. Trotz des Zauns kommen etwa ein Stück Rotwild und drei Stück Rehwild pro Jahr durch Verkehrsunfälle ums Leben. 

Auch die Querung des Schaaner Riets ist gerade für das Rotwild nicht einfach, da nicht genügend Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere vorhanden sind. Der Rhein kann ebenfalls ein Hindernis sein. «Rot- und Rehwild kann schwimmen. Es ist in der Lage den Rhein bei nicht ausgeprägter Strömung zu überqueren. Einen eindeutigen Nachweis haben wir bis jetzt aber nicht», sagt Wolfgang Kersting, der für den Bereich Jagd beim AFU zuständig ist. Das grösste Hindernis befindet sich auf der Schweizer Seite: Die Autobahn. Dort ist eine Wildtierbrücke angedacht. Planungsstart war ursprünglich auf 2018 angesetzt. Laut der Interpellationsbeantwortung ist die Projektierung noch nicht gestartet. Wie Helmut Kindle sagt, sei diesbezüglich die Schweiz noch nicht auf das Amt zugekommen.

Wildtierbrücke aus Kostengründen beerdigt

Auch in Liechtenstein gibt es Pläne für eine sichere Wildüberquerung der 80er-Strecke zwischen Schaan und Nendeln. 2002 wurde dazu eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die Studie belegt, dass im stark besiedelten und vielseitig genutzten Talraum der Handlungsbedarf zur Verbesserung der Wildtiersituation klar ausgewiesen ist. Es wurde eine Wildtierpassage in Kombination mit der Aufwertung von Lebensraumvernetzungselementen, also Hecken, im Talraum empfohlen. «An diesem Grundsatz hat sich seither nicht geändert», sagt Helmut Kindle. 

Trotzdem wurde das Projekt einer Wildtierbrücke oder einer Unterführung nie verwirklicht. Der Grund: Im Rahmen der Erweiterung der Deponie Ställa-Forst wäre die Wildtierbrücke die beste Variante gewesen. Die Deponieerweiterung wurde schliesslich aus Kostengründen nicht umgesetzt – es war die Zeit der Sparmassnahmenpakete. Die Baukosten der Brücke hätten sich auf 1,5 Millionen Franken belaufen, so wurde auch sie zurückgestellt. «In Folge der Sparbemühungen wurde das Projekt Wildtierpassage dann nicht weiter verfolgt», erklärt der Amtsleiter und fügt an: «Für die Zukunft ist eine Wildtierpassage sicherlich eine Möglichkeit, im Moment liegen aber die Prioritäten anders.» (manu)

 

 

 

 

27. Jul 2019 / 08:00
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