• Liechtenstein erreichte 2019 einen Gästerekord.
    Liechtenstein erreichte 2019 einen Gästerekord.  (Tatjana Schnalzger)

2019 war ein Erfolgsjahr für den Tourismus

99'891 Gäste besuchten Liechtenstein vergangenes Jahr. Damit wurde der bisherige Rekord von 1986 um 7,6 Prozent überboten.

Das 300-Jahr-Jubiläum lockte zahlreiche Gäste ins Land – insbesondere die internationale Medienaufmerksamkeit rund um den neuen Liechtenstein-Weg trug neben zahlreichen Sonderveranstaltungen ihren Teil dazu bei. Mit der gestern veröffentlichten Tourismusstatistik lässt sich der Erfolg auch in Zahlen belegen. 99'981 Gästeankünfte (+14,7 Prozent zum Vorjahr) und 177'586 Logiernächte (+9,5 Prozent) verzeichneten die einheimischen Beherbergungsbetriebe. Am meisten Gäste sind aus der Schweiz (Anteil von 30,6 Prozent an den Logiernächten) angereist, gefolgt von Deutschland (25,3 Prozent) und den USA (5,1 Prozent). Was die Sonderstellung von 2019 weiter untermauert: Im Vergleich zur Schweiz erlebte Liechtenstein ein fünfmal grösseres Wachstum zum Vorjahr.

Mehr Wanderer im Sommer als Skifahrer im Winter
Seit 1980 wird eine jährliche Erhebung durchgeführt. Innerhalb dieser 49 Jahre haben die Hotels und Herbergen im Land noch nie so viele Gäste empfangen. Der vorherige Rekord wurde 1985 mit 92'870 Gäste erreicht. Renate Bachmann, Bereichsleiterin Tourismus von Liechtenstein Marketing, spricht von einem Erfolgsjahr: «Erfreulicherweise konnten wir sowohl im Berg- als auch Taltourismus gegenüber 2018 nochmals kräftig zulegen.» Ein kleiner Wermutstropfen sei, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste auf 1,8 Nächte (–0,1 Nächte zum Vorjahr) zurückgegangen ist. Dieses Ergebnis widerspiegle allerdings den internationalen Trend zu immer kürzeren Aufenthalten.

Obwohl Liechtenstein in den Köpfen noch für seinen Wintertourismus bekannt ist, hat das Sommergeschäft ihm die Vorreiterstellung abgenommen. So waren fast zwei Drittel der Gäste (64,7 Prozent) zwischen Mai und Oktober im Land. Auch bei den Logiernächten weist diese Jahreshälfte die Mehrheit (58,6 Prozent) auf. Insofern hat auch der warme Sommer einen Einfluss genommen, meinte Vibeke Vögeli, Vizepräsidentin des Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverbands, bereits im Dezember vom Alpenhotel Vögeli aus: «Den ganzen Sommer über sind durchgehend mehr Leute im Malbun gewesen. Zudem hatten wir tolles Wetter, auch der Herbst war schön.»

Vom Rekordjahr direkt in die Krise
In den vergangenen fünf Jahren konnte Liechtensteins Tourismus sowohl bei den Gästen als auch Logiernächten in der Tendenz jeweils einen Aufstieg verzeichnen. 2020 lässt sich dieser Trend aufgrund der Coronavirus-Pandemie unmöglich fortsetzen. «Dadurch ist der Tourismus auch in Liechtenstein komplett zum Stillstand gekommen», berichtet Renate Bachmann. Dabei schien das aktuelle Jahr – angesichts der positiven Zahlen in den ersten beiden Monaten – gemäss Liechtenstein Marketing nahtlos an das vorherige anzuknüpfen. Die Buchungslage bis Ostern wäre dem Unternehmen zufolge so gut wie schon lange nicht mehr gewesen. Nun sind sämtliche Reservierungen bis dahin storniert. Mindestens bis Ende April wird davon ausgegangen, dass die meisten Leistungsträger geschlossen und die Hotels überwiegend leer bleiben. 
Die tatsächlichen Einbussen für den Tourismusstandort sind schwer abschätzbar. Aktuell geht Liechtenstein Marketing von 50 bis 60 Prozent weniger Gästen aus. Eine entscheidende Rolle spiele, wann die Grenzen wieder für den allgemeinen Übertritt öffnen und das öffentliche Leben in den Kernmärkten Schweiz und Deutschland wieder aufgenommen wird. Doch selbst dann könne man nicht davon ausgehen, dass es dort weitergeht, wo man Anfang März aufgehört habe. Denn durch die neue Situation sind laut Bachmann weltweit grundlegende Veränderungen für die Reisebranche zu erwarten. 

Den einheimischen Geschäften helfen
Es stellt sich die Frage, wie Liechtenstein Marketing mit der schwierigen Situation umgeht. «Derzeit haben wir alle Marketingaktivitäten pausiert», so die Bereichsleiterin Tourismus. Stattdessen konzentriere man sich auf Strategien und Massnahmen, um nach der Pandemie schnellstmöglich wieder eine Wertschöpfung für die einheimische Wirtschaft zu generieren. Der Krise wird ebenfalls mit kreativen Lösungen begegnet: Zusammen mit der Wirtschaftskammer sowie dem Liechtensteiner Hotel- und Gastronomieverband hat man vor Kurzem die Onlineplatt­form «Zemma» aufgeschaltet. Diese bietet einen Überblick zu den alternativen Vertriebskanälen der lokalen Restaurants und Geschäfte. Innerhalb von wenigen Tagen haben mehr als 140 Unternehmen ihr Angebot darauf registriert. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam diese grosse Herausforderung bewältigen können», zeigt sich Bachmann optimistisch. (gk)

31. Mär 2020 / 21:07
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