• Auftakt Lesemarathon (Liechtensteiner Buchtage 2019), Landesbibl
    Zehn Besucher der Landesbibliothek stellten Auszüge aus ihren Lieblingswerken vor.  (Nicolaj Georgiev)

Zehn Lesetipps in einer Stunde

Zum Auftakt des Lesemarathons stellten zehn «Leseratten» in der Landesbibliothek ihre Lieblingswerke vor. Wie der Abend zeigte, werden in Liechtenstein internationale Werke aus allerlei Genres gelesen.
Vaduz. 

Was lesen Liechtensteiner und Liechtensteinerinnen? Die Organisatoren der Buchtage beantworten diese Frage nicht etwa mit einer repräsentativen Umfrage, sondern indem sie einen Lesemarathon veranstalten. Das Konzept ist schnell erklärt: 30 Personen lesen drei Minuten an drei Orten aus ihren Lieblingsbüchern – die Zahlen sind eine Anlehnung an die 300-Jahr-Feierlichkeiten. Passend zum Welttag des Buches am 23. April machte das erste Drittel in der Landesbibliothek den Auftakt. «Die Veranstaltung soll die Freude am Lesen und Vorlesen wecken», meinte Wilfried Oehry, Leiter der Landesbibliothek. Obwohl gestern Abend die Sonne nach draussen lockte, zwängten sich über 50 Neugierige in den Arbeitsraum.

Die erste Station führt nach Zürich

Als Bühne fungierte die gelb-schwarze Buchbar, welche ihre Premiere feierte und für die nächsten drei Jahre die Veranstaltungen der Buchtage begleiten wird. Literaten nahmen dahinter nicht Platz. Denn für einmal galt den «Leseratten» das Rampenlicht. Jene zehn Teilnehmer, die Auszüge aus ihren Favoriten präsentierten, hatten sich auf einen Aushang in der Landesbibliothek hin gemeldet. «Sie sind also regelmässige Nutzer unseres Angebots», erklärte Oehry auf Anfrage. Trotz der strikten Zeitvorgabe wollte er den Freiwilligen, die für ihren Einsatz einen Büchergutschein erhielten, keine Stoppuhr vorsetzen: «Ein Marathon ist eine Langstecke, kein 100-Meter-Sprint.»

Die Teilnehmer boten nicht nur vom Alter her, sondern auch angesichts der Bücherauswahl eine breite Palette. Sie lasen aus internationalen Krimis, Jugendliteratur und Sachbüchern vor. «Der Abend war dramatisch, spannend und lustig zugleich», fasste Bernadette Kubik-Risch, Projektleiterin Buchbar, den Abend nach allen zehn Auftritten zusammen. Zuerst setzte sich Röbi Kubik-Risch hinter die Buchbar. Er hatte sich «Die Rückeroberung» vom Schweizer Franz Hohler ausgesucht. «Eines Tages […] sah ich, dass sich auf der Fernsehantenne des gegenüberliegenden Hauses ein Adler niedergelassen hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich in Zürich wohne...», fing der Auszug an. Er endet damit, dass am Bellevueplatz ein Hirschgeweih mit 24 Enden gefunden wird.

Kinder erzählen von Rebellinnen und Abzockern

Isabelle Zäch stellte zwei Gutenachtgeschichten für «Rebel Girls» vor, die sie als  inspirierend bezeichnete. In der ersten verbindet ein Liebespaar die Leidenschaft für Vulkanausbrüche. In Japan wird ihnen eine falsche Einschätzung der Gefahr zum tödlichen Verhängnis. Ihre Schwester Caroline Zäch führte das Publikum mit «Zauberhaftes Mondeinhorn» nach Centopia, wo die Blumenthal-Elfen eine Party feiern. Ebenfalls als Tierfreundin zeigte sich Aljna Liu, die stellvertretend für die amerikanische Kinderbuchautorin Kelly McKain von Kätzchen erzählte, die auf der Suche nach einem Zuhause sind.

Neben der Familie Zäch stellte ein weiteres Geschwisterpaar ihre Lieblingsbücher vor. Fiona Lendi las eine Gruselgeschichte vor. Um einer Frau zu imponieren, stiehlt Lorenzo darin das Auto seines Nachbarn. Aufgrund einer Flasche Tequila endet das Date in einer Katastrophe: Der Hochstapler fliegt auf, fährt ein Mädchen an und begeht Fahrerflucht. Lukas Lendi, ihr jüngerer Bruder, entschied sich für den sechsten Band von «Gregs Tagebuch». Nach einem Ausflug in den Supermarkt stellt der Erzähler fest, dass es Pouletschenkel nicht nur im Winter gibt und ihn seine Schule beim Weihnachtsmarkt über das Ohr gehaut hat. Deshalb möchte er ein Konkurrenzangebot auf die Beine stellen, um selbst Profit zu schlagen. Als Hauptattraktion soll sich Rupert in einen gebastelten Karton-Automaten verstecken und ihren «Pac-Man» steuern. «Was geschieht, wenn ich aufs Klo muss?», möchte der Freund wissen. Daraufhin reicht ihm Greg eine leere Flasche.

Erwachsene wollen Spannung und Humor

Mehrheitlich begründeten die Vorlesenden ihre Wahl damit, dass sie das Werk spannend finden. «Der Schluss dieses Buches gefällt mir und das kommt nicht oft vor», leitete Serafine Amstutz zu Fitzeks «Der Insasse» über. Carina Koch brachte «Wilde Reise durch die Nacht» mit, weil Moers sie beim Blättern immer wieder überrascht und gleichzeitig zum Lachen gebracht habe. In der von ihr ausgewählten Szene lassen der Tod und Demenzia die Würfel entscheiden, wem von ihnen die Seele von Gustave Doré gehört. Wie man sogar in schwierigen Zeiten die Ruhe bewahrt, stellte Martina Bocek vor. Die Antwort des Ratgebers lautet, dass die Gelassenheit im Kopf beginne. Den Abschluss machte Jürgen Büchel mit «Der Vorleser», dem Nachkriegs-Beststeller von Bernhard Schlink.

Weitere Lesetipps folgen in Kürze

Die ersten zehn persönlichen Empfehlungen des Lesemarathons wurden in der Landesbibliothek verraten. Wer sie verpasst hat, findet sie demnächst auf buchbar.li – die Landesbibliothek hat nämlich mitgefilmt. Im Anschluss konnte das Publikum ihre Lieblinge mit Kreide auf der Buchbar festhalten, die gleichzeitig auch Treffpunkt für literarische Diskussionen war. Bald zügeln die Aufsteller weiter in die Schulbibliothek Ruggell, wo am 8. Mai die zweite Etappe stattfindet. Ins Ziel läuft der Lesemarathon am 16. Mai im Pflegeheim Schlossgarten in Balzers. Lesetipps, um den Bücherstapel auf dem Nachtkästchen zu vergrössern, dürften diese Fortsetzungen ebenfalls liefern. (gk)

23. Apr 2019 / 22:41
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