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Vor dem grossen Jubiläum

Mit den Kooperationskonzerten «Chick Corea» und «Nandighosha» endete das 39. Vereinsjahr des Jazzclubs Tangente. Im kommenden Jahr feiert die legendäre Eschner Kulturinstitution das 40. Jahr ihres Bestehens.
Auftritt der Band «Macumba» 1985, als die Decke und die Rückwand der Tangente noch in «heimeligem» Holztäfer gehalten wurden.

Es war ein unterschwelliges Beben in der liechtensteinischen Kulturlandschaft spürbar, als im September 1979 zwei junge «Spinner» im Untergeschoss eines Privathauses einen neuen Kunst- und Musikraum eröffneten. Ein Raum für Jazzmusik und für zeitgenössische Kunst, der auch dem einheimischen Kunst- und Musikschaffen offenstehen sollte. Dazu wurde auch gleich ein Verein gegründet, der im Hauptnamen «Tangente» hiess und im Untertitel die Bezeichnung «Musik + Kunst» führte. Das gab es in dieser Art bislang nicht, im kleinen Liechtenstein. Es gab das TAK in Schaan, wo in grösseren Abständen hin und wieder eine der Grössen des Jazz auftrat, und wo es im Foyer auch Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst gab, es gab die Galerie Haas in Vaduz, es gab (noch) das Centrum für Kunst in Vaduz - aber ein niederschwelliges Angebot in einer überschaubaren Raumgrösse und offen für die neu heranwachsende junge Künstlergeneration aus dem Land selbst gab es bislang nicht. Karl Gassner stellte im neu gebauten Privathaus den Raum zur Verfügung und war für das musikalische Programm verantwortlich, Jens Dittmar betreute den Kunstsektor und bald schon war die Tangente die Anlaufstation Nummer 1 für zeitgenössischen Jazz und die Heimatgalerie etlicher aufstrebender, junger Künstlerinnen und Künstler im Land.

Die grosse Rochade im Jahr 2006
Auch wenn heute keine Kunstausstellungen mehr in der Tangente stattfinden, kann man nicht genug betonen, von welch immenser Bedeutung die Tangente als Kunstgalerie für dieses Land, für die Akzeptanz der zeitgenössischen Kunst beim Publikum und für viele der heute renommierten Exponentinnen und Exponenten der heimischen Kunstszene war. Im Jahr 2006 begann sich eine wesentliche Rochade anzubahnen. Für die Kunst gab es in der Zwischenzeit mehrere Anlaufstellen, für ein kontinuierliches Jazzprogramm stand die Tangente aber nach wie vor singulär in der heimischen Kulturlandschaft. Gleichzeitig machten sich etliche junge Musikerinnen und Musiker bemerkbar, die sich im Jazz und in jazznahen Gefilden aufhielten. Der Verein Tangente tat nun vermehrt für die Musikszene, was er früher auch für die Kunstszene tat, nämlich offen sein für neue, aufstrebende Kräfte und diese nach Möglichkeit zu fördern. So entstand der vereinsinterne «Club Saboteur» mit der aufsehenerregenden «Sabotage»-Konzertreihe. «Sabotiert» wurde der traditionelle, klassische Jazz im Sinne einer Aufweitung in alle möglichen jazznahen Musikströmungen und mit dem vordergründigen Ziel, jungen Musikerinnen und Musikern Konzertpraxis vor einem Publikum zu ermöglichen. Eine supergünstige «Flatrate» beim Eintrittspreis sollte auch den Zustrom eines jungen Publikums in den Jazzkeller fördern.

Das grosse Plus im Namen
Das Wort «Tangente» bezeichnet eine Gerade, die einen Kreis an einer Stelle berührt. Das Zusammentreffen von «Musik + Kunst» eben. Nachdem die bildende Kunst, also die Funktion als Galerie, aufgegeben worden war, galt es die Flucht nach vorne anzutreten. Ein «White Cube» war nicht länger nötig und so konnte durch eine komplette Neugestaltung ein atmosphärischer Jazzclub entstehen. Vom Unterbegriff «Musik + Kunst» blieb das Plus, nun hiess es «Tangente Jazz+». Die Tangente in Eschen war nun jener Ort, an dem sich der Jazz mit jazzverwandten Musikströmungen traf. Musikströmungen, die zu starken Anteilen von der Improvisation geprägt sind. Musikrichtungen, die mit den unterschiedlichsten Einflüssen experimentieren, seien dies ethnologische Einflüsse oder Einflüsse aus anderen Musikgenres oder zuweilen auch Musikkonzepte, die einfach in keine der Schubladen passen. Das Spektrum ist breit, und vor allen Dingen ist die Qualität der angebotenen Musik, um beim Wortstamm zu bleiben, spektakulär. Die Tangente hat sich in den vergangenen 39 Jahren einen hervorragenden, internationalen Ruf geschaffen. Der Palmarès der ganzen Konzerttätigkeit liest sich wie ein «Who is Who» des internationalen Jazz. Manchmal fragt man sich: Sind sich die Eschner eigentlich dessen bewusst, was für eine kulturelle Perle da in der Haldengasse schimmert? (aoe)

 
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