• Die Rhythmus- und Tambourengruppe Liechtenstein beim Staatsfeiertag 1986.

Unvergessliche Vereinsgeschichte

Die Tambouren- und Rhythmusgruppe Liechtenstein trifft sich nach 20 Jahren wieder und blickt zurück.

Von 1981 bis 1999 sorgte die Tambouren- und Rhythmusgruppe Liechtenstein mit ihren zahlreichen Auftritten in der Region für Unterhaltung und Aufsehen. Als in den 1990er-Jahren die Anfragen für die Gruppe zurückgingen und viele der damaligen Umzüge und Show-Programme der Neuzeit zum Opfer fielen, löste sich der Verein 1999 nach einem fulminanten Abschiedskonzert auf. «Die Emotionen und die Begeisterung, welche wir mit unserem Abschiedskonzert beim Publikum auslösten, waren für uns unvorstellbar», sagt Gründer Anton Näscher im Hinblick auf das geplante Zusammenkommen Ende Oktober, zu dem er wegen fehlenden Adressen über die Landeszeitungen lädt. «Das Abschiedskonzert hat alle unsere Erwartungen übertroffen und wir sind froh, dass wir diesen Tag auf DVD gebannt haben», sagt er weiter. Dabei schwärmt er von den Höhepunkten der Tambouren- und Rhythmusgruppe, als ob es gestern gewesen wäre. Noch immer ist er Feuer und Flamme für dieses Projekt. Umso mehr freut er sich auf das baldige Wiedersehen mit ehemaligen Vereinsmitgliedern und Freunden der Tambouren- und Rhythmusgruppe.

Aus der Harmoniemusik Vaduz entstanden
Nachdem der Gampriner Anton Näscher der Liebe wegen nach Vaduz zog, trat er wenig später der dortigen Harmoniemusik bei. Als begnadeter Schlagzeuger baute er innert kürzester Zeit eine Tambourengruppe auf, die die Harmoniemusik Vaduz bei den Umzügen im In- und Ausland anführte. Nach und nach studierte er mit Jungmusikern ein Showprogramm ein, das sie erstmals bei der vereinsinternen Fasnachtsunterhaltung im Vaduzer Saal aufführten. Diese Erfolge Näschers passten dem damaligen Vorstand der Harmoniemusik überhaupt nicht, sodass es zu einem Bruch kam und Näscher schweren Herzens die Harmoniemusik verliess. Als wenig später vier junge Tambouren, die der Vaduzer Musik ebenfalls den Rücken zukehrten, vor Näschers Haustüre standen, kam die Idee auf, eine private Tambourengruppe ins Leben zu rufen. 1981 gründete er gemeinsam mit seiner zweiten Frau Marianne die Tambouren- und Rhythmusgruppe Liechtenstein. Dies, weil nicht nur Jugendliche und Kinder aus Vaduz, sondern aus dem ganzen Land dabei waren. Gestartet hat der Verein mit 18 Mitgliedern, wobei Näscher zu Spitzenzeiten 25 aktive Tromm­ler und Rhythmiker verzeich­nen konnte. Auch alle seine vier Kinder, darunter Schlagzeuger Maximilian Näscher, waren stets aktiv dabei. 

Vom Schweizer Militär gelernt
Während Näscher anfänglich versuchte, sich das Basler System des Trommelspiels selbst beizubringen, schrieb er dem Schweizer Militär einen Brief mit der Bitte, ob sie ihm ihr System beibringen könnten. Wenig später erhielt er Feldpost mit Aufnahmen und Büchern, die die Basler Trommelspielweise erklärten. «Um zu schauen, ob wir auf dem richtigen Weg sind, habe ich meinen ältesten Sohn zu den Buchser Tambouren geschickt», lächelt Näscher. Nach wenigen Wochen habe dieser mit den Buchser Kollegen bereits bei Wettbewerben mitgemacht und sei als «Zugezogener» sogar bis zum Präsidenten aufgestiegen. «Da wusste ich, dass wir nicht so falschliegen können.» 

Die gespielten Stücke komponierte Anton Näscher meist selbst oder schrieb sie um. So gehörte zum Beispiel eine Version von «Wo die Wolga fliesst» zum Repertoire oder auch ein Stück Namens «Rhythmusakrobatik». Zu den jährlichen Highlights der Tambourengruppe gehörten die Engagements beim Staatsfeiertag, wo sie jeweils die Umzüge durch das Vaduzer Städtle anführte. Auch die Auftritte an Fasnachtsunterhaltungen waren Höhepunkte des Vereinslebens, die beim Publikum jeweils sehr gut ankamen. Davon zeugen auch mehrere Auszeichnungen, die Näscher von den Fasnachtsgesellschaften für seine Verdienste erhielt. Doch auch im näheren und weiteren Ausland hatte die Gruppe zahlreiche Auftritte. So spielten sie beim kantonalen Musikfest in Sevelen, wo die Kinder und Jugendlichen Standing Ovations auslösten. Einmal durften sie gar das Militärkontingent Triesen nach Deutschland begleiten, um sie beim Umzug anzuführen. Auch nach Italien führte sie eine Einladung. Eine weitere Einladung nach Frankreich musste die Gruppe aus finanziellen Gründen ablehnen, da sie von angefragten Gönnern nicht genug Unterstützung erhielten. 

Proberaum stand zwei Mal unter Wasser
Die ersten Proben fanden noch bei Näschers zu Hause in der Garage statt, doch schon nach einiger Zeit konnten sie ihre Basis in den Luftschutzkeller unterhalb des Gymnasiums verlegen. Doch wie es der Zufall wollte, wurde der Luftschutzkeller eines Tages überflutet und all ihre Instrumente gingen kaputt. Der Verein war damals nicht versichert, doch glücklicherweise sprang der Staat ein und griff dem Verein finanziell mit der Anschaffung neuer Instrumente unter die Arme. Die Proben fanden neu im Luftschutzkeller bei der Gasversorgung in Schaan statt, doch auch dieser stand nach einiger Zeit wieder unter Wasser. 
«Rückblickend frage ich mich, wie wir das alles finanziert haben», erzählt Anton Näscher. Nach der langjährigen Krankheit und dem Tod seiner ersten Frau sei er damals fi-nanziell nicht sehr gut dagestanden. Mit «Bettelbriefen», die die Kinder in der Gemeinde verteilten, hielt sich der Verein über Wasser. Nach den ersten paar Jahren erhielt die Musikgruppe dann auch 1000 Franken Unterstützung pro Jahr. «Weil es eine private Initiative war, hatten wir teilweise einen schweren Stand», so Näscher. Um die Kosten möglichst niedrig zu halten, entwarfen und nähten sie die Uniformen selbst. Auch die DVDs, die das Vereinsleben festhielten, drehte und vertone Näscher in Eigenregie. 

Diese DVD der 18-jährigen Vereinsgeschichte wie auch der Mitschnitt des Abschlusskonzerts will Anton Näscher nun am 27. Oktober im LAK Haus in Vaduz als Erinnerung an früher vorführen. Zu dem gemütli­chen Beisammensein lädt er nicht nur ehemalige Vereinsmitglieder ein, sondern auch alle Freunde und Gönner der Tambouren- und Rhythmusgruppe. (mk)

Rückblick auf Tambouren- und Rhythmusgruppe: 27. Oktober, 14 Uhr, LAK Haus St. Florin Vaduz.

Um Anmeldung unter anton.naescher@adon.li oder Tel. +423 232 44 51 wird gebeten.

08. Okt 2019 / 14:28
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