• Zwischenwelten
    Im Kinofilm «Zwischenwelten» ist auch der in Ruggell wohnhafte Aurachirurg Gerhard Klügl dabei.  (pd)

Über die Kraft des Geistheilens

Während sechs Jahren hat der Ostschweizer Filmemacher Thomas Karrer seinen ersten Kinofilm «Zwischenwelten» vorbereitet, gedreht und geschnitten. In seinem Film über Geistheiler ist auch der in Ruggell wohnhafte Aurachirurg Gerhard Klügl dabei.

Im Film «Zwischenwelten» porträtiert Thomas Karrer acht Geistheiler aus der Ostschweiz und Liechtenstein – drei Frauen und fünf Männer. Er habe sich für so viele Protagonisten entschieden, weil jeder von ihnen eine andere Herangehensweise habe oder andere Techniken benutze. Manche arbeiten mit einem Pendel, andere spüren mit ihren Händen den Energiefluss oder sie haben einen Geistführer. Zwei der Porträtierten kommen ursprünglich aus dem Bereich Gebetsheilen, eine Gabe, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Beide benutzen aber mittlerweile nicht nur die Gebete zum Heilen und haben sich in ihrem Schaffen weiterentwickelt. Die 94-jährige Anna zum Beispiel ist seit Geburt hellsichtig. Man habe ihr lange Zeit nicht geglaubt und erst mit 13 oder 14 Jahren ihre Gabe entdeckt. «Aber Hellsichtigkeit war damals noch verpönt. Man hat über solche Themen nicht gesprochen», erklärt Thomas Karrer. 

Thomas Karrer

Thomas Karrer


«Eigentlich wird jeder hellsichtig geboren»
Porträtiert wird auch der in Ruggell tätige Aurachirurg Gerhard Klügl. Auch er verfüge über eine besondere Sichtig­keit. Klügl arbeitet stark mit der menschlichen Aura und benutzt Instrumente wie ein Chirurg, mit denen er an der Aura operiert. «Eigentlich wird jeder hellsichtig, hellfühlend oder hellschmeckend geboren, doch wir verlieren diese Gabe im Laufe der Zeit», so Karrer. Doch man könne sich diese Fähigkeit auch antrainieren. Was den acht porträtierten Per­sonen neben der besonderen Gabe noch gemein ist: Sie alle sind sehr gut ausgelastet. Teils müsse man bis zu einem halben Jahr warten, um einen Behandlungstermin zu bekommen. Alle Porträtierten sind über 50, die meisten über 70 Jahre alt und bringen einen grossen Erfahrungsschatz mit. 

Stundenlange Interviews und Behandlungen gefilmt
Ursprünglich wollte Thomas Karrer einen Film über die Appenzeller Gebetsheiler drehen. «Diese sind jedoch sehr medienscheu und sind kaum vor eine Kamera zu bringen», so Karrer. Es sei ihm zwar gelungen, einen von ihnen zu überzeugen, doch dieser wollte nur seine Hände zeigen. Letztlich komme dieser nicht mehr im Film vor, weil er weniger zu berichten hatte wie die Geistheiler, auf die sich der Film schliesslich fokussiert. Nach ersten Anfragen besuchte er die verschiedenen Geistheiler und führte Gespräche mit ihnen, um ein Gespür dafür zu erhalten, wie sie arbeiten. So habe er stundenlange Interviews, aber auch Behandlungen aufgezeichnet. Bei einer Geisthei­lerin habe er bereits beim ersten Besuch eine Behandlung filmen können. «Ich hatte keine Ahnung, was sie macht», so Karrer. Aber Zufälligkeiten seien eigentlich immer die besten Momente. So war er dabei, aussagekräftige Bilder einzufangen, denn die Arbeit der Heiler ist oft unsichtbar. 

«Wollte keinen esoterischen Film»
Aufgewachsen in einem Gebiet, in dem mehrere Gebetsheiler tätig sind, hat der Filmemacher im Zuge seiner Recherchen auch selbst Behandlungen erhalten. So wie bei einem ersten Treffen mit einer Geistheilerin. «Es ging mir an diesem Tag nicht gut und da meinte sie spontan, sie könne mich auch behandeln. Und schliesslich war ich am Abend energiegeladen und fühlte mich kräftig», erzählt der Filmemacher. Als seine chronischen Hautausschläge und das gleichzeitig folgende Nesselfieber plötzlich verschwunden waren, habe er gemerkt, dass sich etwas verändert hatte. «Von da an hat es mich wirklich gepackt und noch mehr interessiert, was hinter dem Geistheilen steckt», schwärmt Karrer. Wichtig war ihm, keinen esoterischen oder mystifizierenden Film zu machen. 
«Heute bin ich überzeugt, dass Geistheilen eine Ergänzung zu all dem ist, was wir aus der Homöopathie, Alternativmedizin oder Schulmedizin bereits kennen.» Im Gegensatz 
zu herkömmlichen Methoden könnten Geistheiler viel besser auf das Familiensystem, die Ahnenwelt oder Generationsthematiken zugreifen. «Bei mir war das Thema, dass meine Grossmutter mütterlicherseits bei mir eine Blockade ausgelöst hat», so Karrer. Die Geistheilerin habe dieses Problem erkannt und konnte es schliess­lich lösen. Natürlich gebe es auch Fälle, bei denen die Behandlung nicht anschlage. Dies ist meistens dann der Fall, wenn der Körper nicht bereit für eine solche Behandlung ist. «Dies ist auch im Film zu sehen.» 

«Bei den meisten ist Geld kein Thema»
Natürlich könne und dürfe man dieses Thema auch skeptisch betrachten. «Ich denke, dass es auch Scharlatane gibt.» Er glaube aber, dass jeder, der ein gewisses Sensorium habe, sehr schnell merke, wie ernst es dem Gegenüber sei und ob es sich um einen Scharlatan handle oder nicht. «Bei den meisten ist Geld überhaupt kein Thema, sondern sie wollen einfach helfen», so Karrer. So beispielsweise die 94-jährige Anna, die schon längst in Pension sein könnte, aber weiterhin wirken möchte. Nach der Coronakrise würden die Leute sehnlichst darauf warten, sich wieder von ihr behandeln zu lassen. Vielmehr bewundert Karrer die Arbeit der Geistheiler. Besonders, wenn man sich vorstelle, was es alles brauche, sich den Problemen anderer auszusetzen und sich dafür herzugeben, ihnen zu helfen. In der jetzigen Zeit werde endlich immer mehr nach aussen getragen, was Geistheiler können. «Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass über solche Themen gesprochen werden kann.» (mk)

Im Januar feierte Thomas Karrers Film «Zwischenwelten» an den Solothurner Filmtagen Weltpremiere. Nun kommt er coronabedingt anstatt im April im August in die Schweizer und Liechtensteiner Kinos. Der Filmstart ist auf den 20. August angesetzt. Ab dann ist er auch im Skino in Schaan zu sehen.

06. Jul 2020 / 22:01
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