• Szene aus dem Film «Kinder der Berge» mit Maximilian Schell und Heinrich Gretler (v.l.) beim Dorfplatz Triesenberg, 1958.  (Rex-Film AG, Zürich / AKU-LA, BS_049_048_002)

Die prägendsten Filme aus Liechtenstein

Anlässlich des Filmfests Vaduz wird hier eine Übersicht über die «wichtigsten» Werke der Liechtensteiner Filmgeschichte bis 2010 gegeben.
Vaduz. 

Von und über Liechtenstein kursieren trotz der Kleinheit des Landes überraschend viele Filme. Im Bibliothekskatalog Liechtensteinensia finden sich beispielsweise 512 Filme sowie 240 DVDs mit Liechtenstein-Bezug. Erste filmische Aufnahmen entstanden in Liechtenstein anlässlich der Rheinnot von 1927 durch das Fotogeschäft Hausamann aus St. Gallen. Weitere dokumentarische Filme folgten in den Folgejahren vom Schaaner Fotografen Adolf Buck, zum Beispiel über die Fürstenhuldigung (1939) oder den Binnenkanalbau (1931–1943). Auch in der Schweizer Filmwochenschau der 1940er- bis 1960er-Jahre wird Liechtenstein mehrmals thematisiert; so zum Beispiel die Fürstenhochzeit 1943 oder die Jubiläumsfeiern von 1949 und 1956. 

Erster Liechtensteiner Spielfilm
In den 1950er-Jahren kamen oft idyllisierende Werbefilme dazu, in denen Liechtensteins Geschichte, Wirtschaft und Fürstenhaus porträtiert wurden, wie es im historischen Lexikon weiter heisst. 1958 entstand auf Initiative von Eduard von Falz-Fein mit der schweizerisch-liechtensteinischen Produktion «Kinder der Berge» der bis vor Kurzem einzige grosse Spielfilm des Landes. 

In dieser Zeit schuf der Schaaner Fotograf Walter Wachter im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde unter anderem mehrere Filme über traditionelles Handwerk. Seit 1984 erstellte Manfred Schlapp über 30 Filme mit historischem und biografischem Inhalt, darunter meh­rere wichtige Persönlichkeiten wie der Komponist Josef Gabriel Rheinberger, Bergsteiger Heinrich Harrer, der Schauspieler Oskar Werner oder der Sportpionier Eduard von Falz-Fein. Ein weiterer Filmemacher, der bedeutende Persönlichkeiten aus Liechtenstein porträtierte, ist Jürgen Kindle. Auch er porträtierte Baron ­Eduard von Falz-Fein, aber auch der Unternehmer Herbert Ospelt, das Treuhand-Urgestein Herbert Batliner, der Künstler Georg Malin, der Kunstsammler Adulf Peter Goop oder der Gastro-Pionier Felix Real. Auch Klaus Schädler schuf zahlreiche Dokumentarfilme über vorwiegend Triesenberger Dorforiginale, aber auch das ausführliche Berufsporträt «D’Bäärgbuura» aus dem Jahr 2003. Ebenfalls sehr häufig taucht der Name Bruno Köpfli im Bibliothekskatalog Liechtensteinensia auf, der aber vorwiegend Gemeinde- oder Vereinsporträts wie auch Dokumentationen von Veranstaltungen filmisch festhielt. Auch der Historiker Norbert Jansen ist als Autor mehrere historischer Zeitdokumente gelistet.

Jüngere Generation von Filmemachern
1984 setzte gemäss dem his­torischen Lexikon mit «u.s.w.» von Isolde Marxer die Tätigkeit jüngerer, teils an Filmhochschulen ausgebildeter Filmschaffender wie etwa Arno Oehri, Daniella Marxer, Se­bastian Frommelt und Daniel Schierscher ein. Sie setzten sich in ihren Dokumentarfilmen kritisch mit liechtensteinischen Gegebenheiten wie zum Beispiel dem Finanzplatz auseinander, greifen aktuelle Diskussionen auf und beleuch­ten zeitgeschichtliche Themen wie die Einführung des Frauenstimmrechts. Mit dieser Zusammenstellung soll ein Überblick über die neusten, aber auch die prägendsten Filme Liechtensteins gegeben werden. (mk)

  • 1. Kinder der Berge – die Geschichte der Kuh Ludmilla (1958), Georg Tressler

Der erste Liechtensteiner Spielfilm mit internationaler Beteiligung ist ein typischer Heimatfilm der 50er-Jahre. Vor dem Hintergrund einer idyllischen Alpenwelt wird die Geschichte einer gescheiterten Bauernfamilie und der schwächlichen Kuh Ludmilla erzählt, die durch den unerschütterlichen Glau­ben zweier Kinder auf der Alp bestehen kann.

  • u.s.w. (1984), Isolde Marxer

Die filmische Erkundung einer Generation, ein subjektiver Reisebericht in die alte Heimat. Anlässlich eines Klassentreffens porträtiert Isolde Marxer mit viel Einfühlungsvermögen den Alltag und das Leben ihrer ehemaligen Klassenkameraden. Die im Jahr 1951 Geborenen sind Nutzniesser des Wirtschaftsaufschwungs, sind beruflich ­erfolgreich, ihr Leben verläuft nach Plan. Von den Unruhen und Erschütterungen in der Welt hingegen sind sie weitgehend unberührt.

  • Fluchtburg Liechtenstein (1995), Manfred Schlapp

Anhand von reichem Bild- und Tonmaterial rekonstruiert Manfred Schlapp die Ereignisse um die asylsuchende 1. Russische National-Armee, geführt von der Deutschen Wehrmacht. Die russische Truppe in deutschen Uniformen trat in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 in Hinterschellenberg nach Liechtenstein über. Zeitzeugen von liechtensteinischer und russischer Seite kommen zu Wort und erzählen von dieser wichtigen Periode in der liechtensteinischen Geschichte.

  • Für Gott, Fürst und Vaterland (1996), Seb. Frommelt

Für Fürst, Gott und Vaterland ist ein filmisches Porträt des Pfarrers und Politikers Anton Frommelts (1895–1975) sowie der 30er- und 40er-Jahre in Liechtenstein. Sebastian Frommelt (ein Grossneffe Anton Frommelts) verwebt auf inhaltlich und ästhetisch überzeugende Art und Weise Dokumentaraufnahmen, Interviews mit Zeitzeugen und Statements von Historikern mit fiktionalen Szenen und entwirft ein lebendiges Bild einer kritischen Zeit in der liechtensteinischen Geschichte und einer ihrer wichtigsten Persönlichkeiten.

  • Im Wunderland (1999), Daniella Marxer

Daniella Marxer untersuchte mit ihren Filmen «Im Wunderland» (1999) und «Die Kinder des Geldes» (2003) das Wesen Liechtensteins. Ein ruhiges, liebevolles und ernüchterndes Porträt von Liechtenstein in den 90er-Jahren. Die politischen Erschütterungen und die damaligen Angriffe auf den Finanzplatz sind Thema von Daniella Marxers «Wunderland», das vielleicht keins mehr ist. Zu Wort kommen Menschen, die aus dem Innern der Machtzentren agieren und solche, die das Geschehen von den Rändern her kritisch beobachten.

  • Die Rheinholzer (2002), Kuno Bont

Immer dann, wenn im Rheintal die Schneeschmelze im Bündnerland beginnt, rüsten sich die Rheinholzer für die Arbeit. Sie warten darauf, bis der Pegel des Rheins so weit ansteigt, dass er in seinen Fluten Unmengen von Holz mitführt. Auf dieses Holz haben sie es abgesehen und entreissen es ihm mit viel Mut, Geschick und abgestützt auf eine uralte Tradition.

  • Ein Land in Not (2002), Arno Oehri
Im Dokfilm «Ein Land in Not» berichten Zeitzeugen von der Rheinüberschwemmung 1927. Arno Oehri realisierte diesen Film zusammen mit der Projektgruppe «Rheinnot 1927» anlässlich des 75. Jahrestag der Katastrophe. Ein Land in Not verbindet Originalaufnahmen und Interviews mit Zeitzeugen mit mehreren nachgestellten Spielszenen.
  • D’Bäärgbuura (2003), Klaus Schädler
2500 Menschen lebten 2002 in der Walsergemeinde Triesenberg. 14 Vollerwerbsbauern und ebenso viele Nebenerwerbsbauern bewirtschaften dort die steilen Hanglagen, beweiden mit ihren Tieren die Alpen und pflegen so die Kulturlandschaft bis hinauf auf 2000 Meter über Meer. Agraringeneur und Landwirtschaft-Amtsleiter Meinrad Lingg erinnert sich an die Zeit, als noch in jeder Gemeinde eine Stiara-Kommission für den Einkauf der Gemeinde-Stiere verantwortlich war und schildert die Entwicklung der Berglandwirtschaft der letzten 50 Jahre.
  • Heinrich Kieber (2010), S. Frommelt, S. Wohlwend
Für die Finanzminister dieser Welt ist Heinrich Kieber ein Held – für die meisten Liechtensteiner ein Landesverräter. Aber wer ist Heinrich Kieber wirklich? Seine Bekannten und Freunde nahmen ihn nur als schrulligen Schwadroneur wahr. Eine fatale Fehleinschätzung! Denn Kieber führte von frühester Kindheit an ein bewegtes Doppelleben. Der Film schildert die Kindheit des Aussenseiters aus dem Heim, seine Jugend als Ausreisser, seine Hochstapeleien und Betrügereien, seine Entführung in Südamerika, seine Verbrechen in Spanien. 
 
Weitere FL-Filme der letzten Jahre
? Ds Fromahuus Annali (2016), Klaus Schädler
? Ds Säägersch Theresi (2016), Klaus Schädler
? Herbert Ospelt (2015), Jürgen Kindle
? Die Tobelhockerin (2015), Sabrina Kufner 
? Dr Rietli-Franz (2015), Klaus Schädler
? Dr Meirad i Milbu (2015), Klaus Schädler
? Ds Elsi Vögeli (2014), Klaus Schädler
? Dr Bongert-Albärt (2014), Klaus Schädler
? Georg Malin (2013), Jürgen Kindle
? Ds Kilisch Karl (2013), Klaus Schädler
? Ich sehe was, was du nicht siehst (2013), Tino Wohlwend
? Frater Ingbert Total (2012), Walter Matt
? Ds Hag-Oswalda Mang (2012), Klaus Schädler
? Martin Häusle (2011), Sebastian Frommelt
? Üsera Wald (2011), Sebastian Frommelt
? Ds Chüafersch David (2011), Klaus Schädler
? Ds Härmana Resi (2011), Klaus Schädler
? Ds Hansbadischta Franza-Franz (2011), Klaus Schädler
? Dr Gagolgabuab (2011), Klaus Schädler
? Sohn der Berge (2011), Klaus Schädler
? Dr Metzger Viktor (2011), Klaus Schädler
? Dr Bleika-Hans (2011), Klaus Schädler
? Herzstark (2010), Kuno Bont
? Der Grenzgänger – Martin Häusle (2010), Sebastian Frommelt
? Karolina Bühler-Beck (2010), Klaus Schädler
? Irma Beck-Eberle (2010), Klaus Schädler
? Herbert Batliner (2009), Jürgen Kindle
? Eduardo Falu (2009), Arno Oehri
? Kinder der Berge (2009), Georg Tressler
? Kicken für die Krone (2008), Frommelt/Wohlwend
? Xaver Frick (2007), Jürgen Kindle
? Zuoz (2007), Daniella Marxer
? Luzia Kindle (2006), Jürgen Kindle
? Der letzte Berg – Andrea Clavadetscher (2004), S. Frommelt
? Felix Real (2004), Jürgen Kindle
? Baron Eduard von Falz-Fein (2004), Jürgen Kindle
? Adulf Peter Goop (2004), Jürgen Kindle
? Die andere Hälfte (2002), Isolde Marxer
? Oskar Werner (2002), Manfred Schlapp
? Lenzle (2001), Daniel Schierscher
? Josef Gabriel Rheinberger (2001), Manfred Schlapp
? The Norman Lee Story (1999), Arno Oehri
? Heinrich Harrer (1998), Manfred Schlapp
? Eduard von Falz-Fein (1997), Manfred Schlapp
? Turbenlos, der letzte Torfstecher (1993), Norbert Jansen
? Dornröschen und Frauen in FL (1990), Evelyne Bermann
? Als die Scheiterhaufen brannten (1988), Manfred Schlapp

Mit dieser Zusammenstellung wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.

08. Aug 2019 / 23:22
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