• Probe in Vaduz
    Regisseurin Katrin Hilbe, die Schauspieler Christiani Wetter und Nicolas Biedermann setzten mit der Aufnahme verschiedener Szenen von Lady Macbeth den ersten der zwölf Teile umfassenden Ausstellung «Kunst kann» von Dagmar Frick-Islitzer um.  (Daniel Schwendener)

Perspektivenwechsel: Was Kunst alles kann

Im Herbst gastiert im Kunstraum Engländerbau das Projekt «Kunst kann – Einblicke in zeitgenössische künstlerische Haltungen».

Eine Woche lang studierte Regisseurin Katrin Hilbe mit den Schauspielern Christiani Wet­ter und Nicolas Biedermann im Rahmen des «Kunst kann»-Projekts von Dagmar Frick-Islitzer eine Szene von Lady Macbeth ein. 

Doch nicht nur auf herkömmliche Weise – Christiani Wetter mimt Lady Macbeth und Nicolas Biedermann Macbeth –, sondern einmal auch mit einer verkehrten Rollenaufteilung. Eine dritte Variante bestand in einer Improvisation über das zentrale Thema Macht und Loyalität. Dabei standen die Frage im Zentrum, was man bereit ist, für die eigene Macht zu tun. Würde man das Vertrauen von Freunden missbrauchen oder gar über Leichen gehen? Nach dieser Woche des Probens und Improvisierens wurden die drei Szenen für die geplante Ausstellung im August filmisch festgehalten. All dies geschah im Hinblick auf die künstlerische 
Fähigkeit des Perspektivenwechsels. «Die verschiedenen Rollenbesetzungen und und die freie Interpretation sollen den Besuchern die verschiedenen Perspektiven aufzeigen», erklärt Regisseurin Katrin Hilbe. «Auch für uns ist das Projekt etwas Besonderes; etwas, das wir noch nie gemacht haben. Es ist toll, dass wir eine ganze Woche an einer einzelnen Szene feilen konnten und diese nun aufnehmen dürfen», freut sich Schauspielerin Christiani Wetter. 

In einem zweiten Schritt wird aus den verschiedenen Szenenaufnahmen ein Theater-Karaoke geschaffen, sprich, beim Lernposten der Ausstellung man kann wählen, ob man in die Rolle von Lady oder Sir Macbeth schlüpfen möchte. Je nach Wahl kann man anhand dem vorgegebenen Text mit Lady oder Sir Macbeth interagieren. «Dadurch sollen die Besucher selbst erfahren können, wie es ist, in einer Szene mitzuspielen oder als Schauspieler auf der Bühne zu stehen», erklärt Katrin Hilbe. «In dem zur Ausstellung dazugehörigen Lernparcours kann jeder etwas ausprobieren und somit selbst künstlerische Erfahrungen sammeln», ergänzt Projektleiterin Dagmar Frick-Islitzer. In einer dritten Station sind Interviewausschnitte mit den Künstlern zu sehen, wo nochmals vertieft auf die spezifischen Haltungen und Fähigkeiten von Kunstschaffenden eingegangen wird. 

Künstlerische Denk- und Arbeitshaltungen 
Dieses Film- und Theaterprojekt ist eines von zwölf Künstlerpositionen, die in der Ausstellung «Kunst kann – Einblicke in zeitgenössische künstlerische Haltungen» vertreten sein werden. Träger des der Ausstellung zugrunde liegenden zweijährigen EU-Projekts sind Vertreter von vier Institutionen in Deutschland, Österreich, Italien und Liechtenstein. Für die drei Künstlerpositionen aus Liechtenstein ist Projektleiterin Dagmar Frick-Islitzer verantwortlich, die bereits mehrfach mit ihrem Projekt «Künstlerbrille» in Erscheinung getreten ist. «Mein Ziel ist es, künstlerische Denk- und Arbeitshaltungen zu visualisieren und diese Menschen aus anderen Berufsgattungen zu vermitteln», so Frick-Islitzer. Die Idee dahinter ist, Künstler als Inspirationsquelle zu sehen. Unter anderem deshalb, da Künstler oft mit schwierigen Situationen konfrontiert sind, mit Zukunftsängsten, Unbekanntem oder geringer Wertschätzung umgehen müssen. «Für mich ist es auch vom gesellschaftspolitischen Aspekt her spannend zu zeigen, dass man von Künstlern Fertigkeiten und Fähigkeiten lernen kann», ergänzt Katrin Hilbe. Bei der Ausstellung hätten die vier Projektpartner darauf geachtet, dass alle vier Sparten – Musik, Theater, Literatur und bildende Kunst – vertreten sind. Neben dem Trio Hilbe, Wetter, Biedermann sind mit Arno Oehri und Martin Wohlwend zwei weitere hybrid arbeitende Künstler vertreten. «Ich habe bei meiner Auswahl darauf geschaut, welche Künstler mein Anliegen für künstlerische Haltungen am besten zum Ausdruck bringen», so Frick-Islitzer. 

Die Ausstellung soll von August bis Oktober  zuerst in Vaduz gezeigt werden, anschliessend in Berlin, St. Pölten und im Dorf Tirol oberhalb von Meran. Ob die Ausstellung aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus aber wie geplant stattfinden kann, steht noch in den Sternen. Erste Filmaufnahmen, die notfalls auch online ausgestrahlt werden könnten, wären somit aber erst mal im Kasten. (mk)

17. Mär 2020 / 11:50
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