• Esther Hasler präsentierte ein abwechslungsreiches und rasantes Spektakel.  (Christian Imhof)

Mit Esther Hasler im Weltraum

Die Berner-Liechtensteinische Kabarettistin Esther Hasler lud am Freitag im Schlösslekeller zur Vorführung ihres sechsten Soloprogramms mit dem Titel «Lichtjahre».

Auf der Bühne im Schlösslekeller stand ein dekoriertes Klavier, auf welches von einer Pumpe aus stetig Wasser gesprayt wurde. Die Ränge im Kleintheater waren gut besetzt und kurz nach acht Uhr startete Esther Hasler den Countdown zu einer Reise ins unendliche Nichts.

Es heisst mit Sicherheit «wohnen est omen»
Bereits früh wurde dem Publikum bewusst, dass die Frau mit den Eschner Wurzeln sich in vielen Sprachen zu Hause fühlt. Sie erzählte von den grossen Träumen von kleinen Kosmonauten an unterschiedlichen Plätzen auf der Erde. Passend zu den kindlichen Zukunftsvisionen übersetzte sie das selber komponierte Lied in die jeweiligen Sprachen. Auch sonst sprach Hasler gerne neben ein paar Sätzen Hochdeutsch ungeniert auch ein paar markante Worte in diversen Dialekten. Auf ihrem Weg sei sie nämlich schon vielen verschiedenen Sprachen begegnet. Ihre Muttersprache sei zwar der liechtensteinische Dialekt, die «Vatersprache» aber eher im St. Gallischen zu finden. Da sie dann noch anfangs in Basel, später in Bern und zuletzt dann noch ennet dem Röstigraben mit ihrer Familie gelebt habe, könne sie mit Sicherheit sagen, dass es nicht «nomen est omen», sondern «wohnen est omen» heisse. Denn nur schon ihr Vorname werde an praktisch jedem der von ihr beschriebenen Orte komplett anders ausgesprochen.

Das Chamäleon Esther Hasler
Die vorgetragenen Witze hatten eine gewisse Tiefe und regten zum Nachdenken an, da Hasler der Gesellschaft immer wieder wundervoll den Spiegel vorhielt. Bei der einen Nummer, als sie eine Frau porträtierte, die auf dem Balkon in der Zeitung las, blitzte ihre grandiose Beobachtungsgabe durch und einige schroffe Kommentare über die Nachbarschaft sorgten für grosses Gelächter im Publikum. Das Klavierkabarett wirkte phasenweise ein wenig wirr, da Hasler rasant schnell die Rollen wechselte, was sich nicht nur an 
der Sprache, sondern auch an der Körperhaltung bemerkbar machte. Total abgeräumt im Schlösslekeller hat sie mit der Nummer der modernen Patentante, welche auf den kleinen Isaak aufpassen muss, dies aber lieber den «Maschinen» überlässt. Vielleicht ein wenig überspitzt, aber doch ziemlich authentisch zeigte sie in dieser Nummer auf, dass das Beschäftigen von Kindern nicht mit dem Anschalten eines viereckigen Kastens gegessen ist. Der dreijährige Bub schaffte es nämlich mit seinem I-Pad, sich selber über dreissig Paar Schuhe zu bestellen und kurze Zeit später noch alle Profile seines Gottis und somit ihre ganze «Identity» zu löschen. Solche mit Humor verpackte sozialkritischen Nummern wurden mit leichtem Klavierspiel aufgelockert. Die wandlungsfähige Künstlerin pfiff, sang und tänzelte hin und wieder wie ein junges Reh über die Bühne.

Sie schaffte es durch den spannenden Mix aus Comedy, Musik, Kleinkunst und etwas Zukunftsfantasien, das Publikum zwei Stunden zu fesseln. Regelmässig erhielt sie für ihr quasi Heimspiel lautstarken Applaus, und trotz der Klarheit in ihrem Programm voller Sternenstaub blieb eine Frage offen im Raum stehen: Was wollen wir auf dem Mars, wenn wir es nicht einmal schaffen, gemeinsam in einem vierstöckigen Mehrfamilienhaus miteinander klarzukommen? (ci) 

03. Feb 2020 / 17:05
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