• Die schönsten Bücher, Vaduz
    52 Neuerscheinungen: Seit Oktober 2018 haben Autoren aus Liechtenstein im Schnitt jede Woche ein neues Buch publiziert.  (Tatjana Schnalzger)

Liechtenstein schreibt mehr, als man denkt

Seit der Frankfurter Buchmesse 2018 haben Autoren aus Liechtenstein im Schnitt jede Woche eine Neuerscheinung publiziert.

«Autorinnen und Autoren aus Liechtenstein gehen notorisch fremd», leitet Stiftungsrat Georg Tscholl die Broschüre der Kulturstiftung ein, welche von Donnerstag und bis Sonntag an der Frankfurter Buchmesse Liechtensteins schreibendes Schaffen präsentiert. Sie seien oft bildende Künstler, Kabarettisten, Forscher oder Journalisten, woraus er einen «Mangel an Spezialisten» ableitet. Mit einer «Neugier darauf, andere Felder als die sogenannten angestammten zu entdecken», jedoch mache man hierzulande die Not zu einer Tugend. Angesichts dessen, dass sich das Schreiben im Land hauptsächlich auf eine Nebentätigkeit beschränkt, ist es umso erstaunlicher, wie viele Werke die einheimische Schreiberzunft publiziert: Von Oktober 2018 bis September 2019 verzeichnet die Kulturstiftung 49 Neuerscheinungen in der neuen Broschüre.

Neuerscheinungen von Autoren aus Liechtenstein

Auf der Homepage «literatursalon.li», die Armin Öhri, selber Autor und Initiant der gleichnamigen Veranstaltungsreihe, betreibt, finden sich drei weitere Werke, welche die Kulturstiftung nicht aufführt. Weder die eine, noch die andere Liste kann Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Nichtsdestotrotz sind sie ein Indiz für die zunehmende Produktivität des literarischen Schaffens im Land – durchschnittlich erscheint jede Woche mindestens ein neues Werk. Zum Vergleich: Im Jahresbericht der Kulturstiftung erwähnt Präsident Roland Marxer 59 Neuerscheinungen für das Jahr 2018 und nannte dies ein «beachtliches Bücherverzeichnis». Die Landesbibliothek führe keine Statistik zu den Neuerscheinungen  von Autoren aus Liechtenstein, berichtet Landesbibliothekar Wilfried Oehry. 2018 habe sie allerdings 730 Publikationen aus Liechtenstein in ihren Bestand aufgenommen. Für das aktuelle Jahr liegen noch keine Zahlen vor. 

Ein bunter Nachweis der heimischen Kultur

Das von der Kulturstiftung angesprochene «Fremdgehen» sticht nicht nur in der quantitativen, sondern auch bei der inhaltlichen Vielfalt der Neuerscheinungen hervor. So reihen sich wissenschaftliche Arbeiten wie Wilfried Marxers 576 Seiten lange Untersuchung zur «Direkten Demokratie in Liechtenstein» neben einer Abbildung von Kunstwerken der Fürstlichen Sammlung in Wien, die anlässlich der 300-Jahr-Feier präsentiert wurde. In den belletristischen Bereich einzuordnen sind Werke wie «Baby Palazoles» (Jens Dittmar, Reigen) und «Im Land der Seelen» (Ursula Seghezzi, Märchenband), das heuer in vierten Auflage erschienen und sozusagen Liechtensteins jüngster «Bestseller» ist.

In der Übersicht finden sich Projekte, die Ausrufezeichen setzen. So zum Beispiel Hartmut Keylers Kompendium «Bekleidung und Schmuck der Indianer Nordamerikas», Peter Klaunzers Fotoportrait des Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset oder ein Projekt der Gemeindebibliothek Balzers, die zusammen mit der dritten und vierten Klasse der Realschule den Dialekt der südlichsten Gemeinde in einem multimedialen Bilderbuch festgehalten hat. Mit der Liechtensteiner Mundart hat sich dieses Jahr ebenfalls der Vaduzer Mathias Ospelt auseinandergesetzt, indem er einen Band der belgischen Comic-Serie «Tim und Struppi» in die elf Dorfdialekte des Landes übersetzt hat.

Während manche Werke die lokale Mundart sowie das künstlerische Schaffen für die Nachwelt festhalten, beschäftigt sich «Christliches Liechtenstein – Kirchen, Kapellen und Zeichen» hingegen mit den sakralen Bauwerken des Landes. Ein Anliegen zur Archivierung von Liechtensteiner Geschichten respektive Wissen respräsentieren genauso das Jahrbücher des Historischen Vereins, die Anthologie des Literaturhauses, Georg Willis Brutvogelatlas des Fürstentum Liechtensteins und die Festschrift der Harmoniemusik Schaan zum 150-Jahr-Jubiläum. 

Verleger im In- und Ausland halten sich die Waage

Gemäss Tscholl veröffentlichen Liechtensteins Autoren ihre Texte und Bücher überwiegend im Ausland. Eine Aussage, welche die Übersicht der Kulturstiftung widerlegt: Von den Neuerscheinungen 2019 wurden 24 Werke (49 Prozent) in Liechtenstein herausgegeben – davon einige in Selbstverlagen. Mit fünf Publikationen ist der Van Eck Verlag aus Triesen heuer der Spitzenreiter im Land. Über der Grenze gehören Zürich und Köln mit jeweils vier Werken zu den produktivsten Herausgebern von Büchern liechtensteinischer Autoren. Geografisch gesehen weisen Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger und sein akademischer Verlag «Suny Press» in Albany, New York, die längste Entfernung (circa 6250 Kilometer) auf. Sein historisches Werk widmet sich der Begegnung zwischen Druckgrafiker Albert Flocon und Philosoph Gaston Bachelard im Paris der Nachkriegszeit. Dieses Jahr hat Rheinberger zudem den Gedichtband «Stein­schiffe» veröffentlicht – ein «Fremdgehen» par excellence, wie er sich als roter Faden durch Liechtensteins Literaturszene zieht. 

Liechtenstein an der Frankfurter Buchmesse 2019

1988 war Liechtenstein zum ersten Mal an der renommierten Buchmesse in Frankfurt präsent. Seither waren Bücher und Autoren des Landes jedes Jahr mit einer Delegation vertreten, womit diese Woche der 22. Auftritt des Fürstentums bevorsteht. Die Kulturstiftung setzt an ihrem Stand, der sich in der vierten Halle, innerhalb der Gemeinschaft des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes (SBVV) befindet, die 2017 initiierte Ausstellung «Kleine Kosmologie des Fremdgehens» fort. Vor Ort werden unter diesem Motto also erneut Neuerscheinung aus Liechtenstein präsentiert. Am 17. und 18. Oktober wird jeweils von 15 bis 17 Uhr zu Gesprächen mit den einheimischen Autoren Anton Beck («Rassismus, Gender & Lillemor», Kurzgeschichten und Gedichte), Armin Öhri («Liechtenstein. Roman einer Nation») sowie Doris Röckle («Das Mündel der Hexe», historischer Roman) eingeladen. 
 
Nach der Frankfurter Buchmesse vom 22. bis 31. Oktober wird die Landesbibliothek in einer «Nachlese» diesjährige Neuerscheinungen aus Liechtenstein vorstellen. (gk)
16. Okt 2019 / 09:26
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