• Vertreter des Kunstmuseums, Symposiumsteilnehmer sowie Künster von Visarte mit ihrem «Liechtenstein-Pavillon».

Liechtenstein an der Biennale

Was für die Tennisszene Wimbledon ist, ist für Kunstszene die Biennale in Venedig. Dort trifft sich alles, was Rang und Namen hat oder zumindest dazugehören möchte. Und mittendrin findet sich der kleine, eintägige Liechtenstein-Auftritt.
Vaduz/Venedig. 

Am Samstag lud das Kunstmuseum Liechtenstein in Venedig zu einem Symposium unter dem Titel «Digitalisierung in der Kunst». Das Thema schien zu interessieren, denn der Anlass in einem der Prunksäle des Museum Correr direkt am Markusplatz war schon Wochen im Voraus ausgebucht. Die 100 Plätze waren zumindest zu Beginn gut gefüllt mit zum Teil hochkarätigen Personen aus der internationalen Museums- und Kunstszene.

In einem Mini-Pavillon präsentierten sich 28 der 55 Visarte-Künstler. Der Pavillon war nicht wie andere Länder-Pavillons begehbar und hausgross, sondern konnte sogar leicht übersehen werden, denn er ist nur 45 Quadratzentimeter gross, besteht aus einem weissen, gut transportierbaren Würfel mit einer Leinwand dazwischen, auf die Fotos von je drei Werken der Visarte-Künstler hineinprojiziert wurden: «Mit diesem Pavillon-Modell möchten wir darauf hinweisen, dass wir an der Biennale in Venedig eine physische Präsenz in einem globalen Umfeld haben möchten», erklärt Visarte-Präsidentin Lilian Hasler. Es müsse auch nicht unbedingt ein richtiger Länder-Pavillon sein, wie ihn viele Länder der Welt in dem Giardina haben, sondern es könne auch lediglich eine Lagerhalle oder ein beliebiger Raum in Venedig sein. «Wir möchten aber während der ganzen Dauer der Biennale in Venedig präsent sein», so Hasler und appelliert damit an die Regierung wie auch an Firmen, das Kunstschaffen in Liechtenstein ideell und finanziell zu unterstützen.

Janine Köpfli begrüsste im Namen des Aussenministeriums die Gäste und brachte den Anwesenden das Land Liechtenstein und dessen Kunstszene etwas näher. Sie würde schon lange im Kunst- und Kulturbereich arbeiten und doch gäbe es vieles im Land, das sie noch nicht kenne. Seit 2014 präsentiert sich Liechtenstein auch an der Biennale in Venedig. Zwar klein, aber bemerkenswert gemäss dem Motto «small, smart and beautiful». «Wir sind zwar klein, aber gut vernetzt in der Welt», so die Assistentin der Aussenministerin. Umso mehr freute sie sich über den ausgebuchten Anlass. Friedemann Malsch, Direktor des Kunstmuseums leitete dann auch gleich zur Performance der Liechtensteiner Künstlerin Martina Morger und Wassili Widmer über – die die Unerträglichkeit des «Nichts-Tuns» und «Nichts-Konsumierens» in der digitalen Welt veranschaulichten – bevor das vierstündige Symposium beginnen konnte.

«Kultur sind Daten»
Gleich zum Start stand auch schon der Stargast des Nachmittags, Lev Manovich, auf dem Programm. Manovich ist ein führender Theoretiker der digitalen Kultur und ein Pionier in der Anwendung von Datenwissenschaften (data science) für die Analyse von zeitgenössischer Kultur. Er ist Professor für Informatik (Computer Science) in New York und hat zahlreiche Bücher zum Thema verfasst. Leider ist er kein so grosser Redner wie Theoretiker und deshalb war sein dahergemurmelter Vortrag für fast alle Anwesenden kaum verständlich. Seine Mitstreiter zur ersten Diskussionsrunde zum Thema «Kunst in der Zeit der Digitalisierung», Sabine Himmelsbach vom Haus der elektronischen Künste in Basel und Kurator und Technologe Ben Vickers, versuchten dann etwas auf seine Ausführungen einzugehen. Während Manovich der Meinung ist, dass Kultur Daten seien und deshalb alles Kunst sein muss, vertrat Vickers die Ansicht, dass immer noch Menschen hinter der Kunst stecken und daher sehr wohl zwischen Kunst und Daten unterschieden werden könne. Für genau solche Fragestellungen der Digitalisierung ist Ben Vickers auch bei der Serpentine Galerie in London angestellt. Als Chief Technological Officer hat er die Aufgabe, nach Methoden und Künstlern zu recherchieren, die richtungsweisend im Bereich Digitalität und Kunst sind. Auch er zeichnete wie Manovich ein eher pessimistisches Bild: «Die meisten digitalen Strategien von grossen Museen haben versagt», so seine Meinung.

«Wir müssen aufhören, Kunst zu produzieren»
In eine ähnliche Richtung argumentierte Geert Lovink in der zweiten Gesprächsrunde zum Digitalisierungsthema im Museumsbetrieb. Die zeitgenössische Kunst sei schon viel zu spät für die Digitalisierung. Schon seit zehn Jahren würde darüber diskutiert, wie man mit sozialen Medien umgehen soll. Die Frage sei dabei auch, ob Kunst eine Rolle spielen könne, wie wir uns in Zukunft organisieren sollen. Vladimir Jeric Vlidi wies darauf hin, dass im digitalen Zeitalter vermehrt wieder Emotionen eine Rolle spielen werden, für die Künstler verantwortlich sein könnten. Kuratorin Antonia Majaca hatte eine radikale Lösung für das Digitalisierungsproblem im Museumsbetrieb: «Wir müssen aufhören, Kunst zu machen». Es gäbe jetzt schon viel zu viel Kunst, man solle sich lieber darauf konzentrieren, die vorhandene Kunst zu reflexieren als ständig neue zu produzieren. Daher sieht sie die Aufgabe der Museen vor allem darin, sich auf die Ursprünge zu konzentrieren. Auch müsse man die Beziehung zur Digitalisierung normalisieren.

Im dritten Gesprächsteil zur Sichtbarkeit im digitalen Zeitalter trafen zwei unterschiedliche Philosophen aufeinander. Während die Phänomenologin Sybille Krämer den Fokus darauf legte, was dank der Digitalisierung alles erreicht werden könnte, zeichnete der Marxist Bernard Stiegler ein apokalyptisches Bild und vertrat die Meinung, dass Computing (data) alles zerstört. (mk)

11. Mai 2019 / 19:45
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