• Eliane Vogt, Balzers
    Das gemeinsame Werk von Georg Krause und Eliane Vogt: Das Buch «Wir sind Liechtenstein».  (Tatjana Schnalzger)

Lachend, nachdenklich, ulkig, verträumt

Gemeinsam mit Georg Krause hat die Balznerin Eliane Vogt in dem 136-seitigen Buch «Wir sind Liechtenstein» Porträtbilder von Menschen, die hierzulande leben, festgehalten.

Vom Älpler über die Elektrikerin bis zum Gymnastikpädagogen und dem Filmemacher – das ist Liechtenstein. Ob katholisch, buddhistisch, pantheistisch, muslimisch oder evangelisch-reformiert – auch das ist Liechtenstein. Boxen, kiten, golfen, kochen, malen oder geniessen – dies und noch viel mehr tun die Menschen aus Liechtenstein. Kurzum: Der Kleinstaat birgt eine grosse Vielfalt. Sichtbar gemacht hat diese Vielfalt die Balznerin Eliane Vogt gemeinsam mit Georg Krause, einem Fotografen aus Berlin, wo sich ihre Wege 2017 kreuzten, als Eliane Vogt drei Monate im Künstleratelier verbrachte. Eines Tages erreichte die Liechtensteinerin eine Nachricht von der Botschaft – mit der Anfrage, ob sie sich für Georg Krauses Projekt fotografieren lässt. Was für ein Projekt? Eliane Vogt liess sich erklären: 
Im Mai 2013 lebte Georg Krause seit gut 30 Jahren in Berlin, als es in Schöneweide eine ausserordentlich grosse Demonstration von Neonazis gab. Es flogen Wasserwerfer, Beamte versuchten, den genehmigten Aufzug in Schach zu halten, Hasstiraden legten dunkle Schatten über die Stadt. Das entscheidende Ereignis für Georg Krause aber war, dass die Uniformträger ihn nicht in sein Atelier liessen, welches an der Strecke lag. Er beschloss, aktiv etwas für die Demokratie in seiner Stadt zu tun. In Berlin leben Menschen aus 190 Ländern friedlich zusammen. Georg Krauses Ziel: Mindestens 
190 Bilder anfertigen. Auf einem davon soll Eliane Vogt festgehalten sein – stellvertretend für Liechtenstein. 

48 Porträts mit 90 Menschen
«Wieso denn ausgerechnet ich?», schoss es ihr bei der Anfrage als Erstes durch den Kopf, erinnert sich Eliane Vogt heute, gut zwei Jahre später. Ihre klare Haltung gegen Rechtsradikalismus brachte die Liechtensteinerin dann aber zur Entscheidung: «Ich bin dabei!» 
Zu Georg Krause hatte sie auf Anhieb einen guten Draht und es entstanden Gespräche, aus denen später gar ein neues Projekt gewachsen ist. Spätestens als zwischen den beiden Künstlern die Frage aufkam, wieso ein solches Projekt nicht auch für Liechtenstein lancieren, war die Idee zu diesem neuen Projekt geboren, mit dem Eliane Vogt gemeinsam mit Georg Krause im 2018 schliesslich auch loslegte. In einem ersten Schritt fragte Eliane Vogt Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen an, um sie für ein Bildporträt zu gewinnen. «Ich war überrascht, wie spontan viele waren», sagt Eliane Vogt. Letztendlich waren die Zusagen für sie auch ein Vertrauensbeweis – und Motivation, das Projekt durchzuziehen. 
Für die Bilder mieteten die beiden Künstler ein Studio an, in welches die Porträt-Kandidaten schliesslich eingeladen wurden. Entstanden sind 48 Porträts mit rund 90 Menschen – lachend, nachdenklich, ulkig, verträumt, glücklich, verschmitzt, verliebt, anmutig. Etwas aber haben sie gemeinsam: Allesamt sind sie authentisch. 

Vielfältig, offen und respektvoll
Festgehalten sind die Porträtbilder in dem 136-seitigen Buch «Wir sind Liechtenstein». Die einzelnen Porträtbilder sind lediglich mit dem Vornamen der abgelichteten Person versehen. In welchem Beruf der Mensch tätig ist, was seine Stärken wie auch seine Schwächen sind, wo die Interessen liegen und was er oder sie einmal noch gerne erleben möchte, all dies ist im hinteren Teil des Buches aufgeführt. Ohne Namen, ohne Alter und somit ohne konkrete Zugehörigkeit zu einer Person. Eliane Vogt hat dies bewusst so gewählt. «Die Bilder sollen ohne jegliche Beeinflussung betrachtet werden können», erklärt die Künstlerin. Die Gedanken des Betrachters sind somit frei und dürfen spielen: Wie alt könnte dieser Mann sein? Welchen Wunsch könnte diese Frau haben? Welches Hobby hat dieses Kind? Die eine oder der andere mag schliesslich staunen, wie spannend es auch sein kann, Informationen nicht gleich aufgedrückt zu bekommen. Und wie entspannend es auch sein kann, sich einfach auf das Visuelle einzulassen. Die Botschaft aller Porträts vom Anfang bis zum Ende des Buches ist dennoch klar und deutlich: «Wir sind Liechtenstein – vielfältig, offen und respektvoll.»

Nächstes Projekt folgt bestimmt
«Ich habe im Rahmen dieses Projektes viel gelernt», sagt Eliane Vogt, für die es das erste Buch war, das sie auf die Beine gestellt hat. Projekte hingegen hat sie schon einige realisiert. Eines ihrer Projekte nannte sie «Alternative». Dabei fotografierte sie Menschen, wie sie sich gerne einmal selbst auf ihrem eigenen Grabstein sehen möchten. Auf einer Blumenwiese, mit dem Hund oder der Katze, hoch zu Berg oder an einem ganz anderen Lieblingsort. Entstanden sind dabei rund 30 Bilder – «und viele sehr spannende, tiefgründige Gespräche», wie Eliane Vogt sagt. 

Zuvor realisierte Eliane Vogt ihr Projekt «Verliebt in Berlin». Dabei hielt sie Menschen, Gebäude und jegliche typische und untypische Momentaufnahmen in Berlin fotografisch fest. 
Die Ideen für künftige Projekte sind Eliane Vogt noch nicht ausgegangen – «es gibt da noch so einiges, das mich reizen würde zu realisieren», sagt sie. Spruchreif sei jedoch noch nichts. Wer Eliane Vogt kennt, aber weiss: Zu gegebener Zeit macht sie Nägel mit Köpfen. Will heissen: Das nächste Projekt folgt bestimmt.  (bfs)

 

03. Feb 2020 / 17:41
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