• Karl Gassner, Eschen
    Wirtschaft regional: Persönlich gefragt mit Karl Gassner - Tangente, Eschen, Bild aufgenommen am 12.09.2019, FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

«Jazz ist so einfach und doch kompliziert»

Der Jazzclub Tangente feiert sein vierzigjähriges Bestehen. Gründer Karl Gassner erinnert sich im Interview zurück an die Anfänge. Er erklärt, weshalb sich die internationalen Musiker in Eschen so wohlfühlen und welche Faszination mit dem Jazz verbunden ist, die oft als schwer zugänglich empfunden wird.

Herr Gassner, die Tangente feiert am 5. Oktober 2019 ihr vierzigjähriges Beste­hen. Ist deshalb etwas Spezielles geplant?
Wir werden die vierte «Tangente»-Chronik präsentieren. Im Zehnjahres-Rhythmus erscheint jeweils ein Buch mit allen Presseberichten zu den Konzerten in der Tangente. Einerseits ist dies ein kulturgeschichtlicher Beitrag, andererseits aber auch ein Leistungsausweis, der zeigt, was dieser Veranstaltungsort alles bietet. Zusätzlich werden am 5. Oktober zwei Konzerte stattfinden: Christian Wallumrod am Piano und Björn Meyer am E-Bass.

Welche Erinnerungen haben Sie hinsichtlich der Anfänge?
Am 15. September 1979 schlug die Geburtsstunde der Tangente. Ursprünglich war die Tangente noch eine Galerie und ein Jazzlokal. 2006 wurde der Ausstellungsbetrieb eingestellt. Jazz war immer noch ein Nischenprodukt, deshalb entschieden wir uns, vor allem in diesem Bereich tätig zu sein. 

Welche Idee verfolgten Sie mit der damaligen Galerie?
Die Idee bestand darin, jungen Künstlern eine Ausstellungsplattform zu bieten. Es gab gegen Ende der Siebzigerjahre kaum Möglichkeiten für den heimischen Nachwuchs.

Haben Sie Kunst oder Musik studiert?
Nein, Naturwissenschaften: Mathematik, Physik, Chemie und Biologie waren meine Fächer, die ich als Sekundarlehrer in Eschen später auch 35 Jahre lang unterrichtete. 

Wie waren Sie als Lehrer?
Ich war streng und habe von Schülern viel verlangt, aber immer darauf geachtet, sie dort «abzuholen», wo sie sich befinden. Und Humor durfte in meinem Unterricht auch nicht fehlen.  

Und woher stammt Ihre Leidenschaft für den Jazz?
1964 gründete ich mit Freunden eine Beat-Band, die Cormycs. Das war mein Einstieg in die Welt der Musik. Später, während meiner Studienzeit, spielte ich in Zürich in einer weiteren Band, die Rock-Jazz spielte. Dem Jazz bin ich bis heute treu geblieben. 

Welches Instrument spielen Sie?
Früher E-Bass, heute Kontrabass. 

Was bedeutet Ihnen Jazz?
Jazz ist eine Lebenseinstellung. Jazz ist eine sehr offene Musikrichtung mit vielen verschiedenen Einflüssen, die gerne integriert werden und diese Musikrichtung damit lebendig halten. Sie ist ein Sammelbecken für alle Strömungen.

Vielen Leuten fällt es schwer, diese Begeisterung mit Ihnen zu teilen.
Das ist richtig. Jazz ist einfach und doch kompliziert. Den Zugang zum Jazz muss man sich regelrecht erarbeiten. Die Harmonien sind nicht derart brav gestaltet, wie sie es beispielsweise im Schlager sind. Der einfachste Zugang zum Jazz führt über New Orleans, Dixie-Land oder Blues. Miles Davis ist in den Fünfzigerjahren so stark abgewichen vom gewöhnlichen Hörverständnis seiner Mitmenschen, dass viele dachten, er sei verrückt geworden. Aber ihm war das musikalische Korsett seiner Zeit einfach zu eng und er sprengte es. Heute sieht ihn jeder als Star an. 

Nennen Sie zwei Ihrer Lieblingsmusiker.
Die Trompeter Chet Baker und Tom Harrell beispielsweise. Sie machen Musik, die mich ergreift. Wenn ein Jazzmusiker spielt, erzählt er seine Lebensgeschichte. 

Warum fühlen sich derart viele Musiker bei Ihnen in der Tangente wohl?
Ich bin selber Musiker und weiss, wo der Schuh drückt. Ich helfe, wo es möglich ist, auch wenn jemand Kummer hat. Das Hotel, das Abendessen und die Konzertzeit müssen auch immer stimmen. Aber das sind alles Kleinigkeiten, die sich regeln lassen. Die Musiker schätzen das. 

Was hat sich in der Tangente im Verlauf der Jahre geändert?
Das Publikum ist gewachsen, es kommen aber auch vermehrt junge jazzinteressierte Leute zu uns. Finanziell hat sich auch etwas verändert: War in den Neunzigerjahren noch sehr viel Geld für Kulturanlässe vorhanden, hat sich das aber seit der Weissgeldstrategie stark verändert. Dennoch ist unser Jazzclub etabliert und es läuft sehr gut. 

Was empfinden Sie persönlich als stillos?
Vielschwätzer, die andere nicht zu Wort kommen lassen. 

Hatten Sie als Kind ein Vorbild?
Peter Pan. 

Stört Sie etwas an der Liechtensteiner Politik?
Ja, mich stört, dass es bei politischen Entscheidungen oft um Parteipolitik geht, weniger um die Sache selbst. (rpm)

15. Sep 2019 / 06:20
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