• Toni Büchel und Luis Hilti wollen sich mit dem Verein Elf verstärkt mit dem Wandel der Kulturlandschaft auseinandersetzen.

«Früher hat man noch grösser gedacht»

In den nächsten elf Jahren wollen sich Luis Hilti und Toni Büchel vom Verein Elf mit dem Wandel der Kulturlandschaft auseinandersetzen. Am heutigen Freitag findet die erste Veranstaltung im frisch renovierten Gamanderstall statt.
Schaan. 

Bereits beim Denkmalprojekt 2017, das sich mit der Erinnerungskultur in Liechtenstein befasste, haben Toni Büchel und Luis Hilti über mehrere Monate zusammengearbeitet. «Schon damals hatten wir viele Ideen, was man noch machen konnte», so LuisHilti. Eine davon wollen sie mit dem Ende letzten Jahres gegründeten Verein Elf nun in die Tat umsetzen.

Schon seit Jahren komme das Raumthema immer wieder auf, nicht nur für ihn als Architekt, sagt Luis Hilti: «Da haben wir uns gedacht, es fehlt ein Raum, wo man sich darüber austauscht.» Ihr Ziel ist es, möglichst viele Bewohner Liechtensteins in die Diskussion miteinzubeziehen, da das Thema alle betrifft. Einen Einstieg in das teils trockene Thema wollen die beiden unter anderem über das Medium Landkarten schaffen. «Es gibt wunderbare Karten, auf denen man räumliche Entwicklungen sehr gut nachvollziehen kann», so Toni Büchel. Bisher hat das Projektteam alte Orts- und Landeskarten zusammengetragen und gross ausgedruckt.

Schaffung neuer Landkarten
Um eine anregende Gesprächsumgebung zu schaffen, sollen die Karten in Kurze im Tenn des Landweibels-Huus in Schaan aufgehängt werden. Als erstes soll nachvollzogen werden, wie sich die Siedlungs- und Naturraume überhaupt entwickelten. «Liechtenstein hat sich so schnell gewandelt, dass man die Übersicht verloren hat, was passiert», so Hilti. In einem zweiten Schritt soll eine neue Landkarte von Liechtenstein geschaffen werden, die zeigt, was war und was sein konnte. Dazu haben Büchel und Hilti ein Workshop-Format entwickelt, um Zukunftsvisionen sichtbar zu machen. Diese sollen etwas grosser und kreativer gedacht werden als in dem üblichen Rahmen. Umsetzbarkeit und Kosten sollen hier einmal keine Rollen spielen: In einem kreativen Freiraum soll unsere Landschaft hemmungslos neu gedacht werden können.

Freiraum schaffen für Utopien
«Früher hat man oftmals noch grosser gedacht», so Luis Hilti. Zum Beispiel, als der Fürstensteig gebaut wurde, um Touristen anzulocken, oder der Tunnel errichtet wurde, um das Alpengebiet zu erschliessen. «Heute diskutiert man über die Nutzungsänderung von 500 Meter Strasse.» Ein möglicher Gedanke wäre zum Beispiel, was passieren wurde, wenn Malbun und Steg autofrei wurden? «Wir wollen vom engen Rahmen einer auf direkt umsetzbare Ergebnisse fokussierten Diskussion wegkommen und einen Freiraum schaffen, um weiterzudenken», erklärt Toni Büchel. Anhand eines interaktiven Buffet-Reliefs wollen sie eine greif- bare Dimension schaffen, um sich die Szenarien zu vergegenwärtigen. «Liechtenstein verändert sich sehr schnell. Wir müssen lernen, die Veränderung zu akzeptieren und diese dafür aktiv gestalten»,erklärt Luis Hilti. Sie möchten dabei nicht irgendein Weltbild propagieren, sondern sich gemeinsam mit der Bevölkerung Gedanken über eine zukünftige Raumplanung machen. Dazu sind auch Kooperationen mit dem Amt für Bau und Infrastruktur sowie mit der Gemeinde Schaan geplant. «Mit einem dialogischen Prozess möchten wir mit Diskussionsformaten eine Schnittstelle zwischen der Bevölkerung, Experten und den Entscheidungsträgern schaffen», so Büchel.

11-Jahres-Projekt mit Start in Schaan
Das Projekt des Vereins Elf ist auf elf Jahre ausgelegt. Jedes Jahr will das Projektteam in einer anderen Gemeinde präsent sein. Am 15. Juni fand der Startevent mit einer Diskussionsrunde sowie einem «Kartenfrühstuck» im Landweibels-Huus in Schaan statt. Beim Kartenfrühstuck muss man sich bei jedem konsumierten Lebensmittel entscheiden, ob man an diesem bestimmten Ort auf dem Relief-Buffet einen Naturraum oder eine Verstädterung mochte. «Anders wie über Richtplane kann man über Szenarien Diskussionen in Gang bringen», so Hilti. Aus den Ergebnissen dieses Kartenfrühstücks erstellen Illustratoren eine neue Landkarte, die wiederum als Diskussionsgrundlage dient. Wahrend des Sommers finden im Landweibels-Huus wechselnde Ausstellungen und Diskussionen statt. Landschaftliche Veränderungen in Liechtenstein werden dabei auf unterschiedlichen massstäblichen Ebenen nachgezeichnet und mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern frei von Sachzwängen neu verortet. (mk)

12. Jul 2019 / 16:09
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