• Probe Schlösslekeller in Vaduz
    Regisseurin Katrin Hilbe ist vergangene Woche wieder nach Liechtenstein zurückgereist.  (Daniel Schwendener)

«Es wird mir schon etwas einfallen»

Ihre Arbeit in New York ist erst einmal weg – dennoch bleibt die Liechtensteiner Regisseurin Katrin Hilbe optimistisch.

Als Regisseurin lebt und arbeitet die Liechtensteinerin Katrin Hilbe in New York. Vergangene Woche ist sie nach Liechtenstein zurück gereist – «nicht weil ich glaube, dass New York im Gegensatz zu anderen US-Staaten keine gute Versorgung hinkriegen wird», sagt die Künstlerin. Doch sie selbst sei hierzulande versichert. «Auch sind in Liechtenstein letztlich weniger Menschen, da kann man sich besser abkapseln.» Sie sei sich immer noch am sortieren – innerlich wie äusserlich. «Meine Arbeit ist erst einmal weg.» Sie könne zwar noch einiges vorbereiten, das für später geplant ist. Ansonsten hänge sie in der Luft, sagt Katrin Hilbe, bleibt aber optimistisch: «Es wird mir schon was einfallen – aber die Situation ist noch sehr neu.» Einige ihrer Workshops und Lesungen sind bislang in den Sommer verschoben worden. Das nächste grosse Projekt, das Katrin Hilbe vorbereitet, ist «Die Fledermaus» für die Berlin Opera Academy, für die sie vergangenes Jahr «Die Zauberflöte» inszeniert hatte. Die Proben dazu sollten am 25. Juni beginnen – «ich hoffe natürlich, dass diese auch stattfinden können.» Bislang habe sie jedenfalls noch nichts anderes gehört – «ich klopf jetzt mal auf Holz, oder, wie es in New York heisst: Knock on wood!», so Katrin Hilbe. «Es wäre schön, wenn alle Unterstützungspakete, die jetzt mit heisser Nadel gestrickt werden, auch die Freischaffenden genauso berücksichtigen würden wie die Festangestellten – sei dies im Kunstbereich, wie auch in allen anderen freiberuflichen Branchen.» 

Nur zögerliche Hilfsangebote
In New York sind derzeit alle Theater geschlossen, wie Katrin Hilbe sagt. Angefangen vom Broadway bis hinunter zu den Allerkleinsten. Viele Geschäfte seien zu und die Angestellten arbeiten von zu Hause. Grosse Unternehmen hätten die meisten ihrer Angestellten entlassen müssen. Die weltweit grösste Hotelkette, Marriott International, Flughäfen oder die Metropolitan Opera sind nur einige von ihnen, deren Mitarbeiter es hart getroffen hat. «Für Kulturschaffende ist es schlimm, da viele nicht in einer Festanstellung sind, sondern sich teilweise mit temporären Jobs über Wasser halten.» Zwar werde Hilfe angeboten, noch aber sehr zögerlich, wie Katrin Hilbe sagt. 

Onlinegespräche werden zum Lebenselexier
Unter Quarantäne steht New York derzeit noch nicht. «Unser Gouverneur Andrew Cuomo versucht, auch das ‹Shelter-in-place›, eine Vorstufe der Quarantäne, zu vermeiden.» Er gehe davon aus, dass die New Yorker dies schlicht nicht aushalten würden, und appelliere an die Selbstdisziplin. Auch in New York gelte: Zu Hause bleiben und nur ausgehen, wenn nicht anders möglich, oder nur kurze Spaziergänge machen. «‹Social Distance› ist das neue Hauptwort: Zu allen Menschen ausser Familienmitgliedern gilt 6 feet, das sind 1,8 Meter, Distanz. Versammlungen mit mehr als zehn Menschen seien verboten. Viele seien diszipliniert, aber gerade jungen Menschen sei nicht wirklich klarzumachen, dass sie zwar selbst nicht gefährdet sind, aber dass sie als Träger andere gefährden. Umso bewusster ist dies Katrin Hilbe: «Als potenzielle Trägerin muss ich mich von meinen lieben Freunden fernhalten.» «Zoom» – eine Plattform für Videokonferenzen und Online-Besprechungen – werde zum neuen Lebenselexier, um sich mit anderen Menschen auszutauschen, sich auszukotzen oder auszuheulen. «Jeder befindet sich in einem enormen emotionalen Stress», sagt Katrin Hilbe. So etwas sei wirklich noch nie dagewesen. (bfs)

26. Mär 2020 / 14:43
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1 KOMMENTAR
Toi toi toi ...
.... Katrin, immerhin bringt dich die Seuche ins Land. Dir und allen Kolleginnen und Kollegen alles Gute und wir freuen uns schon darauf zu sehen, wie ihr die Krise künstlerisch verarbeitet und der Gesellschaft den Spiegel vorhält. S' kunnt guat und der Fundus ist unerschöpflich. Immerhin...
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 26.03.2020 Antworten Melden

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