• «The Chayns» 1966 mit Peter Hasler, Josef Walser, Wolfgang Jehle (v. l.) und Ludwig Walser (stehend).

«Es war ein Käferfest in der Schlossküche»

Von 1964 bis 1968 gab die Beatband «The Chayns» zahlreiche Konzerte in Liechtenstein und der Ostschweiz. Am kommenden Freitag spielt die Band im «Rössle» in Schaan. Wie es früher als Musiker war, erzählen die vier Männer im Interview.

Bereits als Jugendliche waren Sie in einer Band. Nun als Pensionäre wagen Sie ein Revival. Wieso? 
Josef Walser: Mein Sohn macht ja auch Musik und hat mit seiner Band Keaden vor zwei Jahren einen neuen Bandraum gemietet. Für die Einweihung des Probelokals hatte er die Idee, dass wir etwas spielen könnten. So haben wir uns nach Jahren zum ersten Mal wieder zusammengefunden.

Und wie war es?
Peter Hasler: Uns hat es sehr gut gefallen, wieder zusammen zu spielen. Seither haben wir uns regelmässig zum Üben getroffen und auch entschieden, wieder einmal aufzutreten. Bei einem 1948er-Jahrgängertreffen entstand die Idee, den Auftritt im «Rössle» in Schaan zu machen. 

Neben euch deklarieren auch «The Lightstones», die erste Beatband Liechtensteins gewesen zu sein. Wer war nun wirklich die erste Band? 
Josef Walser: Das wissen wir nicht und sie vermutlich auch nicht. Wir haben Anfang 1964 begonnen, öffentlich aufzutreten. Bereits ein Jahr davor haben wir uns zusammengetan. 
Peter Hasler: Ich glaube, wir spielten früher öffentlich. Aber es ist ja egal, wer früher war.

Euer erster Auftritt war im «Pöstle» in Schaan, direkt neben eurem Probelokal.
Wolfgang Jehle: Eigentlich durften wir von unseren Eltern aus nicht im «Pöstle» spielen. So habe ich zu Hause einfach nichts gesagt. 
Hasler: Es war ein wenig verrufen. Am Wochenende war es ein richtiger Rockertreff, wo die Rocker mit ihren grossen Motorrädern aus St. Gallen anreisten.
Jehle: Unsere Eltern haben diese Männer «Halbstarke» genannt. (lacht) 

Zu dieser Zeit waren ja lange Haare und Rockmusik verpönt. Hatten Sie auch mit Vorurteilen zu kämpfen?
Josef Walser: Wir spielten zwar rassige Musik, kleideten uns aber normal und hatten auch keinen Pilz und keine langen Haare. Vielleicht hatten wir etwas weite Hosen ...
Hasler: Also ich hatte schon als einer der Ersten im Dorf lange Haare. Ich weiss zum Beispiel von einer Mutter, die ihrer Tochter verboten hat, mit mir auszugehen. 
Ludwig Walser: Für die Älteren waren wir schon laut, aber wir waren schon ruhiger und etwas braver wie zum Beispiel die Lightstones. Wir haben auch nicht so laut gespielt, dass wir irgendwo fliehen mussten. (lacht) 

Wie seid ihr eigentlich auf eure Musik gekommen zu einer Zeit, wo man überall Schlager hörte? 
Jehle: Damals hörten wir Radio Luxemburg, wo Musik lief, die sonst niemand spielte. 
Hasler: Zu solcher Musik kam man eigentlich nur durch den Austausch von Singles. Es gab keine Disco und diese Musik wurde auch nicht im Radio gespielt. Sie war absolut neu und nur etwas für Insider, die das Beat-Fieber gepackt hatte.

Wie oft seid ihr ungefähr aufgetreten? 
Josef Walser: Drei Monate am Stück haben wir jeden Mittwoch-, Freitag- und Samstagabend sowie am Sonntagnachmittag im Café Wolf in Vaduz gespielt.

Wo habt ihr sonst noch gespielt? 
Ludwig Walser: Wir spielten oft bei sogenannten Nonstop-Konzerten in Schaan, wo zwei Bands nacheinander spielten. Oder beim Jugendtanz der Vaduzer Rover im Waldhotel.
Hasler: Es war ein Vorteil für uns, dass es keine Discos gab. Unsere Konzerte boten nämlich eine der wenigen Möglichkeiten, neue Musik oder auch Mädchen kennenzulernen. 

Waren eure Eltern, Lehrer oder Lehrbetriebe skeptisch, wenn ihr oft aufgetreten seid? 
Jehle: Wir haben einfach nichts gesagt. In der Schule habe ich sicher nicht gesagt, dass wir bis Mitternacht im Café Wolf spielten.
Hasler: Da mein Vater selbst Musik gemacht hatte, war das bei mir anders. Musik war für mich wie das Tor zur Welt. Dadurch durfte ich auch spät heimkommen.
Jehle: Mein Vater spielte auch ein Instrument. Er hatte nichts dagegen, dass ich Musik machte, aber hätte natürlich lieber gehabt, wenn auch zur Harmoniemusik wäre.
Ludwig Walser: Auch unser Vater machte viel Musik. Er freute sich, dass wir eine Band gründeten und musizierten. 

Was waren die Highlights eurer Karriere? 
Hasler: Dass wir auf dem Schloss oder auch am Fürstenfest spielen konnten. 
Josef Walser: Auch unsere Auftritte im Waldhotel waren toll. Ich erinnere mich auch gerne an einen Auftritt in Sargans, wo wir überraschend vor einem vollen Saal spielten. 

Ihr habt sogar einmal auf Schloss Vaduz gespielt. Wie kam es dazu? 
Hasler: Ich habe durch einen Bekannten meiner Eltern erfahren, dass sie auf Schloss Vaduz eine Party machen und dafür noch eine Band suchen. Wir haben uns dann gemeldet und Fürstin Gina kam mit ihrem Sohn Hans-Adam im Probelokal vorbei. Natürlich haben wir nicht die härtesten Stücke gespielt und konnten sie überzeugen. 

Was habt ihr von dem Auftritt noch in Erinnerung? 
Jehle: Die Fürstin hat uns viele jungen Frauen mit dem Prinzessinnen-Titel vorgestellt. In der Pause hat sie die Gäste und uns Musiker in die Schlossküche eingeladen und hat dort in einem grossen Topf Wienerli für die ganze Gesellschaft gekocht. Es war ein richtiges Käferfest in der Küche. 

Und wie hat es den Gästen gefallen?
Jehle: Mein Eindruck war super. Ich habe eine grosse Begeisterung in Erinnerung. Zu Beginn waren wir etwas laut und wurden aufgefordert, etwas zurückzudrehen. Doch als es dann lief, kam es gut an.
Josef Walser: Plötzlich kam der Wunsch auf, einen Walzer zu spielen. Ludwig stimmte den Schneewalzer an und wir spielten mit. 

Was hat euch die Musik früher bedeutet? 
Jehle: Gesamthaft war für mich die Phase des Musikmachens wie ein Traum. Es war alles fremd und neu. Es gab weder Youtube noch Liedtexte.
Peter Hasler: Die Texte mussten wir alle von der Schallplatte herunterhören. Wir mussten genau hinhören und versuchten herauszufinden, was sie sangen. Und so gut war unser Englisch damals auch noch nicht. 

Seid ihr auch auf Tour gegangen?
Hasler: Nein, meistens sind wir noch nach Hause gefahren. Nur in Rheineck haben wir mal draussen im Schwimmbad übernachtet.

Hattet ihr auch Groupies?
Jehle: Also ich hatte keine.
Hasler: Wir hatten schon Mädchen kennengelernt. Ein Mädchen aus Österreich ist eine zeitlang an alle Konzerte gekommen. Aber am Schluss ist man trotzdem mit der Band nach Hause.
Josef Walser: Das war noch total anders. Mit 17, 18 Jahren hatten wir noch keine Frauen. 

Was passierte dann mit den Chayns? 
Hasler: Als Erstes ging Wolfgang nach Zürich. Dann hatten wir eine Weile noch einen Ersatzschlagzeuger. Aber dann bin auch ich wegen des Studiums weg und Josef ging nach Südafrika. So haben wir uns eigentlich recht rasch aufgelöst.
Ludwig Walser: Ich habe gleich weitergemacht mit der Band Excerpt of Time und danach mit den Apollos.
Hasler: Eine kurze Zeit hatte ich noch eine Band mit dem Namen Blowjob. Bei einem Auftritt in Wildhaus haben amerikanische Touristen dann unsere Plakate runtergerissen und nach Autogrammen gefragt. Sie konnten nicht glauben, dass wir so einen Namen hatten. 

Seit dieser Zeit sind 50 Jahre vergangen. Nun gibt es ein Revival. 
Hasler: Am 14. Dezember machen wir ein Revival-Konzert im «Rössle» in Schaan mit einem historischen Eintrittspreis von 4.40 Franken. Wir spielen auch wie dazumal bekannte Beatsongs der 60er-Jahre.
Josef Walser: Und wir spielen immer noch in der gleichen Besetzung. Als eine der wenigen Bands aus den 60er-Jahren leben noch alle. Dies zeigt auch, wie seriös wir waren. (alle lachen)
Ludwig Walser: Wenn es gut läuft und Anklang findet, würden wir vielleicht wieder auftreten. Wir haben schon einige Anfragen für weitere Auftritte.

12. Dez 2018 / 16:39
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