• Ferdinand Nigg, Vaduz
    Christiane Meyer-Stoll vor zwei Stickarbeiten Ferdinand Niggs  (Tatjana Schnalzger)

Erneute Hommage an Ferdinand Nigg

Dank der Dauerleihgabe der Sammlung Barbey-Schlegel kommen einige neue Werke Ferdinand Niggs (1865–1949) an die Öffentlichkeit.
Vaduz. 

Die vor Kurzem dem Kunstmuseum überlassene Dauerleihgabe der Sammlung Barbey-Schlegel ist nun erstmals in Vaduz zu sehen. Die Ausstellung umfasst mehrere wichtige Stickarbeiten wie auch zahlreiche Malereien, Zeichnungen und Skizzen des wichtigen Vaduzer Künstlers Ferdinand Nigg. Die Ausstellung ist in mehrere Schwerpunktthemen gegliedert, die sich jeweils um ein Hauptwerk in Form eines Wandteppichs drehen.

«Nigg war ein spiritueller Mensch»
Ein erster Schwerpunkt ist den «Heiligen Frauen» gewidmet, der neben dem Hauptwerk «Heilige Cordula und heilige Ursula» auch auf Karton gemalte Vorstudien sowie eine Auswahl an Zeichnungen beinhaltet. Die Frauendarstellung ist einer der frühen Teppiche (von 1905) Ferdinand Niggs und einer der wenigen, die datiert sind. Im Gegensatz zu den weiteren ausgestellten Stickwerken ist das vorliegende Werk geprägt durch eine dunkle Farbgestaltung. «Durch unterschiedlich grosse und unterschiedlich angeordnete Kreuzstiche schuf Nigg eine starke Vielfalt der Ornamentik», erklärt Kuratorin Christiane Meyer-Stoll. Den Frauen gegenüber stehen die «Heiligen Männer». Unter dieser Kategorie ist ein Spätwerk Niggs zu sehen, eine Skizze einer seiner letzten unvollendeten Stickarbeiten. Auch dem Heiligen Georg ist ein ganzer Ausstellungsbereich gewidmet. «Wenn ihn ein Thema interessierte, beleuchtete er es von mehreren Seiten», sagt Meyer-Stoll. So sind vom Heiligen Georg mehr als vier Darstellungen zu sehen, wie er den Drachen tötet. In Niggs Werk – frühen wie auch späten – finden sich viele Heiligendarstellungen. «Nigg war ein spiritueller Mensch» so Meyer-Stoll. Dies zeigt sich auch dadurch, dass er den ersten Lehrstuhl für Parametik, das heisst kirchliches Textil, innehatte.  

Im Parametik-Schwerpunkt sind mehrere Entwürfe und Skizzen für Priestergewänder (Kaseln) oder liturgische Tücher (Pallen) zu sehen. Ausgeführte Werke finden sich jedoch wenige. Dafür hat Christiane Meyer-Stoll auch eine Erklärung: «Ferdinand Nigg gab viele wichtige Aufträge seinen Schülern.» Nigg war nicht nur ein grosser Lehrer in der Stickkunst, sondern auch im Grafikbereich. Dies sieht man unter anderem daran, dass er an einer renommierten Schule in Magdeburg Professor für Gestal­tung war wie auch an seinen ausgestellten Zeitschriften-Covers, Mustern für Buchein­bände oder Möbelstoffen. Dabei bewegte er sich oft zwischen Figuration und Abstraktion. Ein Beispiel für ein solches Werk ist die Stickarbeit «Die Jagd 2», die in einem Farbton mit zwei beigen, fast identischen Farbnuancen gehalten ist. Die perfekt ausgeführten Tier- und Sternmotive sind aufgrund der hellen Farbtöne erst mit einem gewissen Abstand gut zu erkennen. Und unter der Perfektion verbirgt sich etwas Unvollendetes in Form von sichtbaren blauen Skizzierungen.
Den Händen eine grosse Bedeutung verliehen
Ferdinand Nigg setzte sich nicht nur mit der Zeit­ge­schich­te auseinander, sondern studierte auch die Mimiken und Gesten unter anderem über Zeitungsbilder. Besonders die Hände spielen in Niggs Werken eine tragende Rolle, wie auch in der Stickerei «Hirten sahen den Stern» zu sehen. Die teils etwas überdimensional dargestellten Hände fallen auf und prägen die Bildkomposition. «Über die Geste wird sehr viel Ausdruck transportiert», erklärt Meyer-Stoll. Dass dem Künstler die Gestik wichtig war, zeigen die vielen skizzierten Varianten zu einem Stickwerk. Durch die vielfältige Darstellung von Themen lässt sich auch die Bildfindung nachvollziehen. 

Verschiedene Varianten von Ornamenten
Auch ein friedliches Miteinander ist ein Thema in Niggs Werken, wie die Woll- und Baumwollstickerei «Selig sind die Friedfertigen» zeigt. Bei diesem Bild spielen die Orna­mente eine wichtige Rolle: Durch die verschiedenen Muster der Kleider gibt er jeder der abgebildeten Figuren eine eigene Charakterisierung. Auch im Werk «Hirten sahen den Stern», das von starken Pastelltönen dominiert wird, unterscheiden sich die Figuren klar durch ihre ornamentartigen Kleider. Trotzdem sind die Figuren alle miteinander verbunden. «Die verschiedenen Varianten von Rastern haben aus heutiger Sicht viel mit Minimal Art zu tun», erklärt die Kuratorin. Allgemein seien in Niggs Werken viele Einflüsse der Moderne erkennbar. «Man spürt, dass er die verschiedenen neuen Richtungen kennen musste. Sie sind in seinen Werken aber nie ganz fassbar», so Meyer-Stoll. Ferdinand Nigg sei daher schwer in eine Kategorie einzuordnen, weil er ein eigenständiges Werk schuf. «Für Liechtenstein ist er sicher der wichtigste Künstler der Moderne.» 
Über Ferdinand Nigg wurde bereits viel geforscht. «Was man aber unbedingt weiterverfolgen sollte, ist das Thema der Collage», erklärt Christiane Meyer-Stoll. Viele seiner Skizzen schnitt er aus und fügte sie zu Collagen zusammen. Auch Malereien und Zeitungsabbildungen schnitt er aus und klebte sie neu auf. «Das Prinzip der Collage findet man auch in Niggs Stickarbeiten wieder», so Meyer-Stoll. Einige dieser Werke wurden bereits restauriert, weitere sollen folgen. (mk)

Hinweis
Die Präsentation «Was ist Gegenwart? Das Zerfliessen der Zukunft in die Vergangenheit. Ferdinand Nigg aus der Sammlung Barbey-Schlegel» ist bis zum 23. Februar 2020 im Kunstlichtsaal des Kunstmuseums Liechtenstein zu sehen. 

26. Nov 2019 / 10:47
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