• Dorothea Goop-Jehle, Nichte der Künstlerin Anne Marie Jehle und Nataša Ilic vom Kunsthalle-Kuratorinnenkollektiv WHW.

Eine feministische Figur in Wien

Dank Anne Marie Jehle sind seit Sonntag gesellschaftskritische Kunstwerke aus Liechtenstein in der Kunsthalle Wien zu sehen.

Schon am Sonntag Mittag trafen im Vorfeld der Vernissage zahlreiche Interessierte bei der Kunsthalle Wien ein, um sich vom neuen Kuratorinnenkollektiv «What, How & for Whom» (WHW) durch die Ausstellung «von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden» führen zu lassen. Unter den 37 ausstellenden Künstlerinnen und Künstler finden sich auch Werke der im Jahr 2000 verstorbenen Liechtensteiner Künstlerin Anne Marie Jehle. 

«Das gute Leben» neu denken
Der Ausstellungstitel «von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden» bezieht sich auf eine Aussage des libanesischen Schriftstellers Bilal Khbeiz, der damit die Vorstellung eines «guten Lebens» auf den Punkt bringen wollte. Doch wie die Kuratorinnen in ihrer Einführung ausführten, hätten diese Werte mittlerweile alle einen üblen Beigeschmack. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln sei global ungerecht verteilt, Autos seien Klimakiller, die Militarisierung der Sicherheitsorgane habe den Überwachungsstaat hervorgebracht und statt einem wirklichen Frieden hätten wir uns mit einem lauwarmen Krieg in weiten Teilen der Welt als Dauerzustand arrangiert. «Doch diese Ausstellung will weder zur Verzweiflung raten noch in schwarzmalerischer Manier eine Kritik aller Übel der Welt ausbreiten. Vielmehr versuchten die versammelten Künstler und Werke, das «gute Leben» für den Einzelnen wie die Gesellschaft neu zu denken», so eine der Kuratorinnen. Bei der Führung kamen auch die anwesenden Künstler zu Wort wie beispielsweise Adji Dieye, die sich in ihrem farbenkräftigen Werk «Maggic cube» mit den Herstellungsbedingungen des beliebten Maggigewürzes in Westafrika beschäftigte. Eine andere Art von Kapitalismuskritik brachte Tim Etchells mit seiner wortgewandten Performance «Work files» auf die Bühne, indem er mit dem penetranten Wiederholen von Schlagzeilen auf die Missstände an Grenzübergängen aufmerksam machte. Weniger aufdringlich, aber ebenfalls einprägsam präsentierte das Kuratorinnenkollektiv Mladen Stilinovics mit Pflastersteinen versetzte Brotleibe auf den Fluren der Ausstellungsräume, die wie ein Wegweiser durch einen Geldraum (money environment) zum Hauptraum hinaufführen. Mit dem Werk «For Marie Antoinette `68» spielt Stilinovic auf die herrschende Klasse an, die den Bezug zur Wirklichkeit vollkommen verloren hat. Im Hauptraum angekommen, laden Andreas Siekmanns modellierte Köpfe zum Verweilen ein. 

Mit dem Abbild zahlreicher prägender Figuren aus dem heute wie auch aus dem 18. und 19. Jahrhundert (wie zum Beispiel der Erfinder des Emissionshandels) wendet er moderne Techniken wie die der Gesichtserkennung auf die einflussreichen Personen selbst an. Damit will er aufzeigen, dass das ökonomische Denken, das vielen Problemen wie dem Klimawandel zugrunde liegt, nicht zur Lösungsfindung eingesetzt werden kann. Der Klimawandel ist auch Thema bei den Videoarbeiten von Oliver Ressler, der diverse Demonstrationen gegen den Klimawandel filmisch festhielt. (mk)

 

08. Mär 2020 / 20:06
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